Neue Probleme um das Lößnitzer Glockenspiel

Für Infotafeln soll Geschichte aufgearbeitet werden - Suche nach wissenschaftlichen Partnern bisher gescheitert

Lößnitz.

Die Vorbereitungen für die geplanten Informationstafeln zum Bronze-Glockenspiel im Turm der Lößnitzer St.-Johanniskirche kommen momentan einfach nicht weiter voran. Der Grund: Es fehlt an einem Experten oder einer Institution für die geschichtswissenschaftliche Begleitung des Vorhabens. Darüber hat Bürgermeister Alexander Troll (CDU) während der Stadtratsitzung am Mittwochabend informiert.

Im vergangenen Oktober hatten die Bürgervertreter beschlossen, dass das Carillon, das zu den ältesten funktionsfähigen Bronze-Glockenspielen in Deutschland zählt, künftig als Mahnmal dienen soll. Denn vier der 23 Glocken tragen nationalsozialistische Symbole und Inschriften aus dem Entstehungsjahr 1938. In diesem Zusammenhang will die Stadt die Geschichte des Glockenspiels aufarbeiten.

Inzwischen habe die Verwaltung mehrere Wissenschaftler, Institute und Hochschulen um Hilfe bei dem Projekt gebeten, sagte Troll. Darunter war der bekannte Historiker Michael Wolffsohn mit jüdischen Wurzeln. Alle hielten das Vorhaben zwar für wichtig, hätten aber aus Zeitgründen abgesagt. Schließlich habe man den Dresdner Kirchenhistoriker Gerhard Lindemann gewinnen können. "Ein vereinbarter Termin musste wegen Corona aber ausfallen", so Troll. Nun sei Lindemann Ende Mai überraschend mit nur 57 Jahren gestorben. "Damit stehen wir wieder am Anfang", sagte Troll. Er hoffe aber, dass sich bald jemand für die Zusammenarbeit finde. (irme)

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