Neuer Kantor: Aue ist eine Orgelstadt

Detlev Küttler ist für die Kirchenmusik schon seit April zuständig, zunächst allerdings im Verborgenen. Das soll sich nun ändern.

Aue.

Das Konzert mit dem Chor der Jugendsingewoche in der Auer Friedenskirche war die erste öffentliche Veranstaltung, bei der der neue Auer Kantor Detlev Küttler die musikalische Leitung innehatte, gemeinsam mit seinen Kantorenkollegen Andreas Conrad aus Zschorlau und Johannes Dickert aus Wurzen. Die Kantorenstelle für die Kirchgemeinden St. Nicolai und Aue-Zelle (Friedenskirche) hat Küttler allerdings schon im April dieses Jahres angetreten. "Wegen Corona zunächst im Verborgenen", sagt der 52-Jährige. Zuvor war die von Kantor Gottfried Kaufmann bis Ende 2018 besetzte Stelle lange vakant.

Das soll sich aber nun Schritt für Schritt ändern. Die am nächsten gelegene Aufgabe für den Kantor ist nach seinen Worten, sich "für Advent und Weihnachten in die hiesigen Traditionen einarbeiten und sie dieses Jahr so zu übersetzen, dass es funktioniert". Küttler hatte zuvor für 14 Jahre in Dresden-Blasewitz eine Kantorenstelle. Die sei Einsparzwängen zum Opfer gefallen, sodass er nach einer neuen Wirkungsstätte suchen musste. Er und seine Frau Anne finden Aue "sehr lebenswert". Sie leben nun hier mit dem neunjährigen Sohn und der fünfjährigen Tochter. Den Auer Kirchgemeinden bescheinigt Küttler eine "teilweise sehr intensiv gelebte Frömmigkeit". Er habe, was Gottesdienste betrifft, verschiedene Strömungen festgestellt: eine Lobpreis-Fraktion und eine, die an der klassischen Kirchenmusik, "Musica sacra", festhält. "Erstmal horchen, was an Bedürfnissen da ist", setzte er sich als Ziel. Ausgrenzen möchte er niemanden.

In Aue habe er verschieden gut aufgestellte kirchenmusikalische Gruppen vorgefunden. So den Kirchenchor mit etwa 25 Sängerinnen und Sängern, den Instrumentalkreis und die Kurrende: für die Vorschulkinder und Erstklässler mit fünf, sechs Kindern, eine zweite Gruppe ab 2. Klasse mit 10 bis 12 Kindern. Die beiden Gemeinden haben eigene Posaunenchöre, die sich selbst anleiten. Gemeinsam mit dem Lößnitzer Kantor Martin Seidel plant Küttler den Aufbau eines Jugendchores, solch ein Angebot an junge Leute ab 14 Jahre gibt es derzeit in Aue nicht. Ab 6. November sollen dazu erste Treffen stattfinden.

Ebenfalls in Kooperation mit kirchenmusikalischen Gruppen in Lößnitz soll für Ostermontag 2021 die Aufführung des Oster-Oratoriums von Johann Sebastian Bach vorbereitet werden. Das Konzert wird in Lößnitz stattfinden. "Wird es ein Erfolg, ist es ein Jahr später auch in Aue zu erleben sein", so Küttler.

Ebenfalls für nächstes Jahr plant der neue Kantor die 1. Auer Orgel-Tour. "Aue ist eine Orgel-Stadt", sagt er. Die drei Orgeln in den evangelischen Kirchen habe er bereits alle gespielt, die der Friedenskirche sei dabei die "zum Verlieben". Wie das Gebäude 1914 gebaut, ist dieses Instrument der Firma Jehmlich aufwendig restauriert und in einem Top-Zustand, so der Kantor. Orgeln aus der romantischen Zeit wie diese seien selten, weil die meisten ersetzt worden seien, als die Romantik "out" war, erklärt Küttler. Aber gerade diese sei besonders für französische Orgelmusik geeignet, "mit feinen dynamischen Schattierungen und möglichst stufenlos".

Auch die Orgel im Klösterlein Zelle von 1860 (Silbermann-Schule) oder die in der Nicolaikirche von 1960 haben nach Ansicht des Kirchenmusikers ihre eigenen Reize. Alle drei Orgeln sowie die in der katholischen und die in der methodistischen Kirche in Aue sollen in die Orgel-Tour einbezogen werden.

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