Neuer Leiter der Kita kommt direkt vom Studium

Tom Haas ist 23 Jahre alt und seit kurzem Chef der Gornsdorfer Einrichtung, die zur Volkssolidarität gehört. Er will nicht alles umkrempeln, hat aber einige Ideen.

Gornsdorf/Bernsbach.

In der Gornsdorfer Kindertagesstätte "Tausendfüßler" ist mit Tom Haas gleich in mehrfacher Hinsicht frischer Wind eingezogen. Nicht nur, dass er erst 23 Jahre alt ist. Tom Haas ist als Chef in eine Einrichtung gekommen, in der gut 90 Kinder von 13 Erzieherinnen betreut werden - wohl gemerkt nur von Frauen. Tom Haas ist der einzige Mann im Haus.

Der junge Bernsbacher, der in Schlema aufgewachsen ist, kommt direkt vom Studium. Bis September hat er in Breitenbrunn Elementarpädagogik studiert. In seiner Klasse waren von 41 Studenten nur sieben männlich. Warum, das kann er sich erklären: "Dem Beruf fehlt die Anerkennung, die sich auch in der Bezahlung zeigt. Er hat nicht das Ansehen in der Gesellschaft, das er verdient hätte." Für ihn war schon lange klar, dass er das machen will. Vor dem Studium hat er zunächst Bundesfreiwilligendienst gemacht und dann ein Jahr lang während der Ausbildung zum Sozialassistent in Einrichtungen im Raum Aue gearbeitet. Tom Haas bedauert, dass sich zu wenige für diesen Beruf entscheiden. Das hat seines Erachtens damit zu tun "dass man für die Ausbildung zum Erzieher fünf Jahre braucht, in denen man nichts verdient, weil es eine schulische ist." Wohl auch deshalb gibt es keinen weiteren Mann in seinem Freundeskreis, der so einen Weg eingeschlagen hat. "Man muss schon dafür brennen."

Dabei könnten gerade Männer in den Kitas für die Kinder einen Mehrwert bringen. "Einfach für das Rollenverständnis. Ein Mann kann ein anderer Ansprechpartner sein", sagt Tom Haas, der vor allem in den Randzeiten morgens und nachmittags auch selbst in den Gruppen ist. Vor allem Kindern von Alleinerziehenden, die in vielen Fällen bei der Mutter aufwachsen, fehle nicht selten das männliche Rollenbild, hat der Sozialpädagoge beobachtet.

Seine Bachelorarbeit hat der 23-Jährige über offene Arbeit in Kindertagesstätten geschrieben. Dahinter stecken altersgemischte Gruppen und die Möglichkeit für die Kinder, aus Angeboten zu wählen, etwa wenn sie Lust auf etwas Handwerkliches haben. Das habe durchaus Vorteile. "Die Idee dahinter ist, dass Kinder sich komplett selbst bilden. Sie suchen sich das, was sie interessiert", so Haas. "Doch keine Angst, in Gornsdorf bleibt es so." Dennoch könne es nicht schaden, nachzudenken, was eine Kita für Kinder sein kann und will. "Unser Bildungsplan deckt schon viel ab", findet er. "Doch ich wünsche mir zum Beispiel, dass es sich mehr in die Lebenswelt der Kinder einfügt."

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