Neues Auto für Pauls Familie: So geht es jetzt weiter

Mehr als 70.000 Euro haben Erzgebirger für den Jungen aus Aue gespendet. Die Anschaffung eines behindertengerechten Fahrzeuges ist gesichert. Und was wird aus dem Geld, das übrig bleibt?

Aue-Bad Schlema.

Am gestrigen Freitag war Christina Nitzsche in einem Autohaus in Aue, um sich das künftige Familienauto anzusehen: Einen Ford Transit Custom, der nach dem Umbau jede Menge Platz für ihren Sohn Paul (16), seinen Rollstuhl, seinen Therapiestuhl und all die anderen Dinge bietet, die der schwer kranke Junge benötigt, wenn die Familie auf längere Touren geht. "Ich habe ihm erzählt, dass wir ein neues Auto bekommen", sagt Pauls Mutter. "Ich weiß nicht, ob er es verstanden hat, aber er hat glücklich gegrinst."

Dafür hat er allen Grund, denn auch Fahrten ins Stadion zu den Spielen des FC Erzgebirge sind nun bald wieder regelmäßig möglich. Auf seine geliebten Stadionbesuche hatte Paul verzichten müssen, nachdem das alte Familienauto nicht mehr durch den Tüv gekommen war. Im neuen Wagen kann sogar Christina Nitzsches Lebensgefährte, der ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen ist, mit Platz nehmen.

Möglich gemacht haben das ganz viele Erzgebirger, die bei "Leser helfen", der Spendenaktion der "Freien Presse", ihr großes Herz gezeigt haben. Rund 70.000 Euro liegen auf dem Konto für Paul. "Ich kann gar nichts mehr sagen. Mit so viel hatte ich niemals gerechnet", sagt Christina Nitzsche. "Danke, danke an alle, die Paul unterstützen." Zuvor hatte sie eine Spendenaktion auf einer Online-Plattform angeschoben. Dabei kamen nur 500 Euro zusammen.

Bei "Leser helfen" sind noch immer Spenden für Paul unterwegs. Zehn Apotheken aus der Region haben bei ihren Kunden gesammelt. Mehr als 5000 Euro sind zusammengekommen, wie die Lauterer Apothekerin Antje Bertram diese Woche informierte. Die Übergabe erfolgt nächste Woche. Der FC Erzgebirge Aue spendet den Erlös aus dem Verkauf von Unterstützer-Tickets für zwei Heimspiele im Dezember an Paul. Mit dem Kauf solcher Tickets für Partien, die wegen der Corona-Regeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, unterstützen Fans ihren Verein - und in diesem Fall auch Paul, der seit vielen Jahren Aue-Fan ist. 4000 Euro Nettoerlös sollen speziell in den behindertengerechten Umbau des neuen Autos fließen, kündigte FCE-Geschäftsführer Michael Voigt an. Der Umbau des Wagens wird von der Firma Reha Automobiltechnik in Zschorlau besorgt. Inhaber Matthias Schuster hat die Familie bereits beraten und kümmert sich jetzt um alle weiteren Details. "Dank der hohen Spendensumme können wir auf ein Neufahrzeug zurückgreifen", sagt er.

Trotzdem wird am Ende noch eine Menge übrig bleiben. Udo Lindner, stellvertretender Chefredakteur der "Freien Presse" und ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins "Leser helfen", erklärt, was mit diesem Geld wird: "Es bleibt auf dem Konto für Paul und wird in den nächsten Jahren für weitere Hilfen eingesetzt, die der Junge benötigt. Aufgrund seiner Behinderung ist da immer etwas."

Vor neun Jahren hatte sich Paul mit Tuberkulose angesteckt, die eine Hirnhautentzündung auslöste. Seitdem ist er schwer geistig behindert.

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