Niederlassung für Ärzte unattraktiv

Politiker und Mediziner haben darüber diskutiert, wie die Versorgung verbessert werden soll. Dabei zeigte sich, die Probleme würden nicht allein mit mehr Studenten gelöst.

Schneeberg.

Diesen Termin im Landtags-Wahlkampf haben sich vermutlich die Politiker etwas anders vorgestellt. CDU-Direktkandidat Eric Dietrich hatte die sächsische Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU), den Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß (CDU), Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und rund 15 niedergelassene Ärzte an einen Tisch gebracht. Dabei zeigte sich in Schneeberg schnell, dass der Ärztemangel in der Region wohl nicht einfach zu lösen sein wird.

Dem Erzgebirge drohe eine Unterversorgung an niedergelassenen Ärzten, machte Dr. Sylvia Krug, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen deutlich. Dabei sind bereits schon jetzt nicht mehr alle Stellen besetzt. Insgesamt fehlen im Erzgebirgskreis 32 Ärzte. Während es in Aue-Schwarzenberg noch einen Versorgungsgrad von 91,30 Prozent gebe, seien es in Stollberg nur noch 76,30 Prozent. "Es mangelt vor allem an Augenärzten", sagte Krug. Zudem würden viele niedergelassene Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. So liege das Durchschnittsalter der Ärzte im Bereich Aue-Schwarzenberg und Stollberg bei 55 Jahren.


"Wir haben schon vor einigen Jahren das Problem erkannt und verschiedene Anreize gestartet", sagte Krug. Weil es in Deutschland zu wenige Studienplätze gebe, hat die KV bereits sechs Studienjahrgänge mit jeweils 20 Studenten gefördert, die das Medizinstudium in Ungarn aufgenommen haben. Zudem werde eine Praxiseröffnung auf dem Lande mit bis zu 100.000 Euro finanziert. "Trotzdem locken wir die Leute nicht hier her", erklärte Krug.

Gegen den Ärztemangel stellte auch Barbara Klepsch bei dem Treffen am Freitag ihren 20-Punkte-Plan vor: "Dieser sieht vor, 100 Medizinstudienplätze zusätzlich in Sachsen zu schaffen." Zudem will sie künftig, dass nicht nur die Abiturnote über den Zugang zum Studium entscheide. "Auch die Sozialkompetenz muss berücksichtigt werden."

Mehr Studienplätze bedeute nicht gleichzeitig, dass mehr junge Leute auch das Studium bewältigen, merkte eine Ärztin kritisch an. Besser wäre es, die niedergelassenen Kollegen vor Ort zu stärken. Vor allem die Bürokratie und das ungerechte Abrechnungssystem der Leistungen mache eine Niederlassung unattraktiv. "Die jungen Leute wollen nicht mehr wie wir ständig arbeiten. Deshalb ziehen sie es vor, in die Klinik zu gehen oder sich bei einem Medizinischen Versorgungszentrum anstellen zu lassen", erläuterte Dr. Immanuel Demmler, der die Meinung seiner Kollegin unterstützte. Viele junge Leute hätten zudem Angst, dass sie ihre Kredite nicht zurückzahlen könnten.

Ein weiteres Problem sei, dass Patienten häufig mehrere Ärzte aufsuchten. "Manche drängen auf bestimmte Behandlungen oder Medikamente und drohen sogar mit dem Anwalt", sagte eine Hautärztin. Daher plädierte sie wie ihre Kollegen auf die Rückkehr zur Praxisgebühr oder auf Überweisungsscheine. Doch diese Forderung sei zu unpopulär, dass sie ein Politiker aufgreifen würde. "Das System ist fehlerhaft, da muss die Politik eingreifen. Das kann die KV nicht allein schaffen", sagte Dr. Demmler.

"Ich glaube nicht, dass wir vor einem Scherbenhaufen stehen", sagte Staatsministerin Klepsch zum Schluss. So negativ sehe sie die Lage nicht. Doch sie wolle mit den Ärzten im Gespräch bleiben.

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