NPD-Politiker ruft in Aue zur Spontandemo auf Altmarkt

Nur 30 Teilnehmer waren zugelassen, weit mehr kamen in den umliegenden Straßen zusammen. Die Lage blieb aber ruhig.

Aue-Bad Schlema.

Kurzfristig genehmigt worden ist am gestrigen Freitag eine Kundgebung in Aue, die von Stefan Hartung, NPD-Stadtrat in Aue-Bad Schlema beantragt wurde. Im Einvernehmen mit der Polizei hatte die Versammlungsbehörde des Landratsamtes eine "Spontandemonstration unter Einschränkungen" ab 16.30 Uhr auf dem Altmarkt von Aue genehmigt. Diese Einschränkungen lauteten: Nur 30 Teilnehmer inklusive Ordner durften sich auf dem Altmarkt aufhalten, diese mussten einen Mund-/Nasenschutz tragen und einen Abstand von vier Meter zueinander einhalten und die Versammlung war auf eine Stunde begrenzt.

Zuvor war Hartung mit dem Versuch gescheitert, am 1. Mai eine Kundgebung in Aue zu veranstalten. So hatte er im Verlauf der Woche einen Antrag auf Genehmigung einer Kundgebung auf dem Anton-Günther-Platz mit 400 Teilnehmern gestellt. Durch das Landratsamt war ihm keine Ausnahmegenehmigung erteilt worden. Ebenso entschied die Behörde später über einen ähnlich lautenden Antrag von Jens Döbel, Stadtrat in Schwarzenberg. Donnerstagabend hatte Hartung dann erneut einen Antrag gestellt - dieses Mal für eine Eilversammlung.

Schon lange bevor entschieden worden war, dass die Kundgebung stattfinden darf, hatten sich Polizeikräfte in der gesamten Auer Innenstadt postiert. Sie bildeten schließlich Absperrungen in den umliegenden Straßen, hinter denen sich mehrere hundert Passanten sammelten. Zehn Minuten nach 16 Uhr richtete sich Stefan Hartung an die Versammelten und erklärte die Auflagen der Polizei und Versammlungsbehörde. Um die 30 Teilnehmer abzählen zu können, wurden alle Umstehenden aufgefordert, sich in die Alfred-Brodauf-Straße zwischen Sparkasse und Deutscher Bank zurückzuziehen. Es dauerte nicht lange, und von dort ertönten erste Sprechchöre wie "Wir sind das Volk" und "Widerstand". Mit Lautsprecherwagen richtete sich die Polizei an die Bevölkerung und bat um Verständnis für die Maßnahmen und darum, Ruhe zu bewahren.

Mit seiner Rede begann der NPD-Mann schließlich mit noch einmal zehn Minuten Verzögerung. Ihm folgte noch Mario Löffler, NPD-Kreis- und Gemeinderat aus Jahnsdorf. Ein weiterer Redner, Lars Bochmann, Stadtrat der AfD in Aue-Bad Schlema, sei laut Hartung von der Polizei nicht zum Altmarkt durchgelassen worden. In den Redebeiträgen ging es vor darum, dass wegen der Corona-Pandemie das Versammlungsrecht außer Kraft gesetzt wurde. Hartung kündigte an, dass man sich dieses Recht nicht nehmen lassen werde und dass es weitere Kundgebungen in Aue geben werde.

Die gestrige Kundgebung wurde schließlich vorzeitig gegen 17.15 Uhr beendet, nachdem Hartung auf der Rednerbühne durch Polizeibeamte mitgeteilt worden war, dass es zu "Komplikationen" im Umfeld gekommen sei. Den Aufforderungen der Beamten sei an mehreren Stellen nicht Folge geleistet worden, hieß es am Abend von der Polizei auf Nachfrage. In der Rudolf-Breitscheid-Straße wurde eine Gruppe von 50 Personen vorläufig festgesetzt. Für einen Mann, der zusammengebrochen war, wurde ein Rettungswagen angefordert. Inwieweit dieser Vorfall mit Maßnahmen der Polizei in Zusammenhang stand, konnte die Sprecherin der Polizei nicht sagen.

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