Ordnungshüter klären lieber auf, als Strafen anzudrohen

Zu den Helden des Alltags in der Corona-Krise zählen die Mitarbeiter der Ordnungsämter. Sie sind auch in Schneeberg verstärkt unterwegs und kontrollieren, ob sich alle an die Regeln halten. Dabei sind manchmal starke Nerven gefragt.

Schneeberg.

Tobias Bochmann ist Gemeindevollzugsbediensteter in Schneeberg und seit Beginn der Corona-Krise durchgängig im Einsatz. Er gehört zu jenen, die kontrollieren, ob sich die Menschen an die Ausgangsbeschränkungen und weitere Regeln halten - wie den nötigen Abstand oder das Verbot, Gruppen zu bilden. Der Dienst ist geteilt und deckt aktuell die ganze Woche von Montag bis Sonntag ab.

Neben dem Dienstausweis und einem Handy ist der 43-Jährige mit Handschuhen, Desinfektionsmittel und Mundschutz ausgerüstet. Hinzu kommt die Allgemeinverfügung in mehreren Sprachen. In der Regel ist Bochmann pro Schicht zehn bis 15 Kilometer zu Fuß unterwegs. Für schnelle Einsätze steht ein Dienstfahrzeug zur Verfügung. "Im Allgemeinen ist es in Schneeberg relativ ruhig, aber es gibt auch Ausreißer. Wir mussten schon Gruppen auflösen, und wir haben Strafen angedroht." Festgestellte Verstöße werden an die Bußgeldbehörde des Landkreises zur Bearbeitung geschickt. Bisher habe man zumindest alles stets in Ruhe klären können.

Vor allem an Tagen mit schönem Wetter bekommt Tobias Bochmann Unterstützung von Kollegen. Einer davon ist Lutz Schauer. Der ist eigentlich Sachbearbeiter im Ordnungsamt, aber derzeit verstärkt mit im Außendienst. "Das Ganze zehrt schon an den Nerven", gibt Schauer zu und fügt an: "Es gibt den einen oder anderen, der es einfach nicht verstehen will, um was es geht. Dass es für alle eine bescheidene Situation ist, dass wissen wir und akzeptieren das auch. Doch bevor wir ganz drastisch gesprochen, die Keule rausholen, versuchen wir deshalb, es den Leuten im Ruhigen klarzumachen und zu vermitteln." In gewissen Situationen sei es besser, zu zweit unterwegs zu sein. "Da kann ich deeskalierend mit einwirken."

Einer der Schwerpunkte für die Ordnungshüter ist der Bereich um Markt und Fürstenplatz - auch wegen der geöffneten Eisdiele. "Es ist erlaubt, Eis zu kaufen, aber dann sollte man weiterlaufen", erklärt Schauer. Auf dem Fürstenplatz halten sich zudem immer wieder Bewohner der Erstaufnahme-Einrichtung auf. Eine häufige Aussage sei, man warte auf den Bus. Doch die Ordnungshüter schauen genau auf den Fahrplan. Bei Verständigungsproblemen stehen die sie mit dem Schichtleiter der Malteser im Kontakt. Im Notfall holen sie sich Unterstützung durch die Polizei.

Tobias Bochmann: "Natürlich versucht man, sich selbst zu schützen und den nötigen Abstand zu halten. Ob das zu 100 Prozent hilft, weiß man nicht. Gewisse Bedenken sind schon dabei." Auch der 62-jährige Lutz Schauer gesteht: "Die Angst sitzt einem definitiv im Nacken." Unterwegs sind die Kontrolleure überall, auch in der alten und der neuen Siedlung und am Filzteich. Festgestellt haben beide, dass gerade in der alten Siedlung der eine oder andere Hinterhof genutzt wird. Da treffen sich Familien, bauen Schaukeln auf und lassen Kinder zusammen spielen, was nicht gestattet ist.

Wie Alexandra Mueller-Merkel, die Ordnungsamtsleiterin der Stadt sagt, ist der Kontrollaufwand groß, da man bemüht sei, allen Hinweisen nachzugehen. Die Schneeberger Ordnungshüter haben deshalb eine eigene Whatsapp-Gruppe gegründet, um flexibel zu reagieren.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.