Patientin nimmt für OP fast 800 Kilometer Anreise in Kauf

Eine Holländerin litt viele Monate unter einer gefährlichen Wucherung. Die Behandlung wollte sie nur einem Chefarzt aus Aue anvertrauen - aus einem speziellen Grund.

Aue/Haarlem.

Fast 800 Kilometer hat Carine van den Berg aus Haarlem in den Niederlanden jetzt für eine Operation zurückgelegt. Unbedingt nach Aue wollte die Geschichtslehrerin. Aus zwei Gründen: der behandelnde Arzt - und ihr gutes Gefühl dabei. "Ich bereue es kein bisschen, den Weg auf mich genommen zu haben", sagte Carine van den Berg nach überstandener Operation Mitte dieser Woche. Die Holländerin, die 30 Minuten entfernt von Amsterdam wohnt, litt unter einer Wucherung im Mittelohr. In Medizinersprache Cholesteatom genannt, sprich Knochenfraß. Dabei entstehen durch ein Loch im Trommelfell mit der Zeit eine Entzündung und ein gutartiger Tumor, der ins Mittelohr wächst und im schlimmsten Fall umliegende Knochen angreift.

Auch bei Carine van den Berg war das der Fall. "Eine potenziell lebensbedrohliche Sache, weil eine Infektion im Gehirn die Folge sein kann, wenn man zu spät reagiert", so Robert Stumpf. Den Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie sowie plastische Operationen am Auer Helios-Klinikum, hatte die Niederländerin zu ihrem Wunscharzt erkoren. Bis Ende des Jahres hätte sie in ihrer Heimat auf einen OP-Termin gewartet. In Aue kam sie nach fünf Monaten Wartezeit dran. Der Zustand war akut. Stumpf: "Da hätte man meiner Meinung nach nicht mehr lange warten dürfen."

Doch warum ausgerechnet Stumpf? Carine van den Berg hat recherchiert und auch von ihrem heimischen Ohrenarzt den heißen Tipp bekommen: Stumpf war einst Schüler bei Karl-Bernd Hüttenbrink, der auf dem Gebiet der Ohr-Chirurgie weltweit als Koryphäe gilt - aber aufgrund seines Alters nicht mehr operiert. "Deshalb habe ich mich nach Aue gewandt", so die Patientin.

Etwa fünf Jahre lang hat Stumpf unter und mit Hüttenbrink in Dresden gearbeitet. "In dieser Zeit habe ich viel lernen und mitnehmen können", sagt Stumpf. Von dem Gelernten hat Carine van den Berg profitiert. Vorher litt sie aufgrund der Wucherung und Entzündung unter schlimmen Schmerzen, Schwindelgefühl und Übelkeit. Das sei Geschichte. Per Zug war sie mit Sohn und Mutter nach Dresden gereist und rund zehn Stunden unterwegs. Dann ging es zur OP nach Aue. In ein paar Tagen holt sie ihre Schwester im Erzgebirge nach Hause ab. "Bis dahin will ich für die Rückfahrt noch ein bisschen Kraft tanken", so Carine van den Berg, die Chefarzt Robert Stumpf so schnell sicher nicht vergisst. Denn so weit ist bisher kein Patient für ihn und seinen Leumund gereist, sagt er. "Das Weiteste war bisher das Ruhrgebiet." Diese Kilometerzahl hat die Lehrerin aus Haarlem locker geknackt.

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