Pflegeschulen bündeln ihre Kräfte

Das Auer Klinikum und ein Verein gehen künftig gemeinsame Wege. Grund ist die neue Ausbildung für das Pflegepersonal.

Aue.

Vom Säugling bis zum Senior: Künftig müssen Pflegefachkräfte in Sachen Betreuungsleistung die gesamte Lebenszeit eines Menschen abdecken können. Mit Beginn des Lehrjahrs im Herbst startet die neue und europaweit anerkannte generalistische Ausbildung als Verschmelzung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Daher haben sich Partner im Erzgebirge zusammengeschlossen, um das Personal von Morgen optimal aufs Berufsleben vorzubereiten. Ihre Kräfte bündeln das Helios-Klinikum Aue mit seinem Bildungszentrum sowie der Auer Verein zur Beruflichen Förderung und Ausbildung (VBFA) mit dem Diakonischen Werk Aue-Schwarzenberg als größtem Praxispartner.

Laut Marcel Koch wertet die neue Ausbildungsform das Berufsbild auf, professionalisiert es. "Der Job geht weit übers Händchenhalten hinaus", sagt der Helios-Geschäftsführer. Freilich bringe das Herausforderungen mit sich. Die Azubis werden fachlich viel breiter aufgestellt, ehe sie sich auf Wunsch spezialisieren können. "Im Verbund bekommen wir es hin", glaubt Koch und sieht es als Chance, dem drohenden Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken - sowohl im Bereich der Altenpflege ambulant und in Heimen als auch in der Akutpflege im Krankenhaus.

Die Azubis durchlaufen künftig mehr Bereiche. "Auf der Strecke bleibt nichts", versichert Mandy Dietel, Schulleiterin am Helios-Bildungscampus. Früh seien alle Partner ins Gespräch gekommen. Die Zahlen sprechen für sich: 119 Pflege-Azubis zählte das Klinikum Aue 2019 fürs eigene Haus. Es gab 140 Bewerber auf 56 Stellen, dieses Jahr waren es 150 Anwärter auf 34 Stellen. Bei 100 Prozent Übernahmequote decke man den Eigenbedarf an Pflegekräften. "Wir planen vorausschauend, um Notstand gar nicht erst aufkommen zu lassen", so Koch. Der VBFA bildet seit 2004 an Evangelischen Berufsfachschulen unter anderem in Aue und Annaberg aus und zählt laut Manja Trültzsch derzeit allein 250 Pflegeschüler. "Auch wir spürten steigendes Interesse bei den Bewerberzahlen." Das bestätigte Diakonie-Vorstand Ruben Meyer für sein Haus. "Wir konnten die Stellen leichter besetzen." Wie beim VBFA liege der Fokus auf Alten- und Langzeitpflege. Zudem habe die Diakonie viel Erfahrung im Betreuen behinderter Menschen. Mit Helios und dem Schwerpunkt Akut-Pflege seien alle Felder der generalistischen Ausbildung abgedeckt.

Letztere war anfangs umstritten. "Es gab Vorbehalte und Ängste, Spezial- und Fachwissen könnte verloren gehen", sagt Helios-Pflegedirektorin Constanze Neubert. Andere fürchteten, Pflegefachkräfte werden aus dem ambulanten Sektor in Größenordnung ins Krankenhaus gezogen. "Doch wir handeln weiter nach dem Prinzip ambulant vor stationär und verzahnen die Bereiche enger." Davon würden letztlich alle profitieren. "Es ist ein großer Erfolg, dass die beiden größten Schulen im Erzgebirgskreis diesen neuen Weg gemeinsam gehen", sagt Neubert.

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