Premiere für Expressbus: Fahrgäste loben Direktverbindung

Seit gestern bietet der Regionalverkehr eine neue Linie an. Eine Mitarbeiterin der "Freie Presse" war mit dabei und erfuhr, warum der "383" bei den Kunden geschätzt wird.

Aue/Schwarzenberg.

Ein schicker neuer Bus, ein sogenanntes Niederflurfahrzeug, wie es im Stadtverkehr eingesetzt wird, rollt am Schwarzenberger Bahnhof an: Es ist die Linie 383. Der Bus hat an der rechten Seite einen auffällig Schriftzug. "Expressbus" steht darauf und damit das Versprechen, dass die Kunden des Regionalverkehrs Erzgebirge (RVE) jetzt innerhalb von 47 Minuten von Aue nach Chemnitz fahren können.

Das allerdings ist nicht alles, denn der Expressbus bietet zu ausgewählten Zeiten sogar Direktverbindungen von Schwarzenberg oder von Schneeberg nach Chemnitz an. Weil es sich um einen Niederflurbus handelt, können bequem Mütter mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer einsteigen.

Hinter dem Lenkrad des zweiten Expressbusses am gestrigen Morgen sitzt Dieter Holzbrecher. Er freut sich über die neue Strecke. Er habe sofort gesagt, dass er diese Strecke sehr gern fahren würde. "Ich glaube, die meisten Fahrer freuen sich darüber", erklärt Holzbrecher, der seit 31 Jahren Busfahrer ist.

Bei seiner Fahrt steigen in Schwarzenberg insgesamt fünf Kunden ein, vier davon allerdings wollen lediglich auf schnellem Weg nach Aue. Denn auch zwischen den beiden Großen Kreisstädten des Erzgebirges ist der Express-Bus schneller unterwegs als die normalen Linienbusse. Einziger regulärer Halt ist in Lauter an der Wartehalle. Ansonsten lässt die Expressverbindung alle Haltestellen außen vor.

In Lauter steigen Kim Schneider und Josephine Bierstedt ein. Die beiden kaufen jeweils ein Tagesticket nach Chemnitz und zahlen dafür jeweils 10,60 Euro. "Wir fahren in die Berufsschule nach Chemnitz", sagen die beiden jungen Frauen und freuen sich über das neue Angebot, das mit dem neuen Schuljahr in Kraft getreten ist. Die Zeitersparnis sei enorm: "Die einzige Alternative wäre der Zug", sagt Kim Schneider, und Josephine Bierstedt ergänzt: "Da wären wir zwei Stunden unterwegs." So brauchen die beiden nur eine gute Stunde. Ihr Ziel ist die Zentralhaltestelle in Chemnitz. "Von dort gehen wir noch zehn Minuten zu Fuß bis zur Berufsschule", so die Beiden, die sich zu medizinischen Fachangestellten ausbilden lassen. Der Bus, der 7.35 Uhr in Schwarzenberg startet sei ideal, weil 9 Uhr Unterrichtsbeginn ist. Optimal sei auch der Preis, der Zug wäre teurer, meint Kim Schneider. Eine Monatskarte aber komme nicht infrage, weil sie nur jeweils donnerstags und freitags in die Berufsschule müssen.

Am Postplatz in Aue steigt niemand ein, es bleibt zunächst bei drei Fahrgästen. Am Stadion steht eine junge Frau mit Koffer. Linda Tittelbach hat ihren Freund besucht, der in Aue am Veilchen-Internat lernt. Für die 16-Jährige ist die Fahrt mit dem Expressbus nur der erste Abschnitt ihrer Reise. "In Chemnitz will ich mit dem Flixbus zurück nach Düsseldorf fahren", sagt sie. Solche Angebote, die die ländliche Region direkt mit den Großstädten verbinden, kennt sie auch aus dem Ruhrpott. "Das ist sehr praktisch. Und die Verbindung nach Chemnitz ist für mich richtig gut."

8.14 Uhr fährt der Bus bei Hartenstein auf die Autobahn. Mit 80 Stundenkilometern steuert Dieter Holzbrecher das Fahrzeug über die A 72. Nachdem er in Chemnitz Süd diese verlassen hat, fragt er kurz, ob jemand im Neefepark aussteigen will. Als niemand zustimmt, fährt er ohne große Wartezeiten an den Ampeln Richtung Zentrum. An der Zentralhaltestelle steigen, wie angekündigt, die beiden Azubis und ein junger Mann, der schon in Schwarzenberg eingestiegen war, aus.

Linda Tittelbach fährt mit bis zum Omnibusbahnhof, wo der Bus pünktlich laut Fahrplan 7.42 Uhr ankommt. "Hat doch alles gut geklappt", sagt Holzbrecher und darf sich über ein paar Minuten Pause freuen ehe er 9.08 Uhr zum Busstand 7 rollt. Dort ist der Bus zwar an der digitalen Anzeigetafel gestern Vormittag nicht angeschrieben, dafür aber wirbt die RVE auf zwei Plakaten. "Mit der 3-8-3 kauf ich mir den neusten Schrei" oder auch "Mit der 3-8-3 kommt meine Oma schnell vorbei".

Mit ihren 67 Jahren könnte Regina Mehnert aus Chemnitz sehr wohl diese besagte Oma sein: Doch sie will keinen Enkel, sondern einen Bekannten im Pflegeheim in Antonshöhe besuchen. Ihrer Freude über den Expressbus lässt sie schon beim Einsteigen freien Lauf. "Das ist ein gutes Angebot", sagt sie zur Begrüßung. Später erklärt sie gegenüber der "Freien Presse", dass sie vorher immer über Ehrenfriedersdorf fahren musste. "Diese Direktverbindung nach Schwarzenberg ist ganz wichtig, endlich nicht mehr umsteigen - ich bin mir sicher, dass sie auch angenommen wird." Allerdings müsse man wohl etwas Geduld haben. "Das muss sich erst herumsprechen. Selbst für meine Chemnitzer Bekannten ist das interessant, weil man mit dem Expressbus viel schneller als mit dem Stadtbus am Neefepark ist." Denn auch in Chemnitz hält der Expressbus nur an ausgewählten Haltestellen und fährt direkt zum Neefepark.

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1Kommentare
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  • 0
    0
    Haecker
    15.08.2018

    Die Angaben der Schüler sind nur bedingt richtig:
    Zunächst: der Preis ist für Bus und Bahn der gleiche. Von Lauter nach Chemnitz sind es 3 Zonen (das haben sie mit 10,60 € auch bezahlt), auch mit der Bahn ist es nicht anders. Der Zeitunterschied ergibt sich in erster Linie durch die Anschlussproblematik bei der Bahn. Der Expressbus benötigt von Aue, Postplatz bis Chemnitz, Bahnhofstr./Hauptbahnhof 50 min., die Bahn 73 min. Der Unterschied ist spürbar, aber weniger groß, als im Beitrag suggeriert. Entscheidender ist, dass bei Bahnbenutzung der Aufenthalt in Aue 33 min. dauert und dass die Bahn zu einem anderen Zeitpunkt fährt (und auch nur im 2-h-Takt). Letztlich haben die beiden Schüler nur Glück, dass der Expressbus zu einem für sie günstigen Zeitpunkt fährt.



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