Randale nach Fußballspiel: Cottbus-Fan vor Gericht

Bei der Partie Aue gegen Cottbus im Herbst 2015 gab es massive Krawalle. Mehr als drei Jahre später stand jetzt einer der Beteiligten vor Gericht. Er soll Polizisten beleidigt und angegriffen haben. Am Ende der Verhandlung kam es zu einem Eklat.

Aue.

Es waren gewalttätige Szenen, die sich nach dem Fußballspiel zwischen Erzgebirge Aue und Energie Cottbus am Abend des 18. September 2015 abspielten. Gästeanhänger waren mit Steinen und Flaschen auf Polizisten losgegangen. Fünf Beamte wurden damals verletzt, ein Sprengkörper beschädigte zudem ein Polizeifahrzeug. Von 130 Personen stellten die Beamten später die Personalien fest: darunter auch ein junger Mann aus Cottbus.

Der heute 26-Jährige musste sich in dieser Woche vor dem Amtsgericht Aue verantworten - gut dreieinhalb Jahre nach der Partie. Weil der Angeklagte erst krank war, später einer der Zeugen sich im Ausland aufhielt, hatte sich die Verhandlung immer wieder verschoben.

Die Staatsanwältin legte dem Mann zur Last, dass er Polizisten nach dem Spiel seinen Stinkefinger gezeigt und auf eine Gruppe von Beamten einen faustgroßen Stein geworfen haben soll, strafbar ist das als Beleidigung und Körperverletzung. Das Geschoss traf damals erst die Hand und die Uhr eines Polizisten, dann das Bein eines zweiten Polizisten - beide verletzten sich dabei leicht.

Der Prozess endete nach fast zwei Stunden allerdings ohne Urteil. Der Richter stellte das Verfahren auf Antrag des Verteidigers vorläufig gegen Zahlung einer Geldbuße von insgesamt 1800 Euro ein. Der Richter dazu: "Der Vorfall liegt lange zurück. Es ist zwar ein bisschen was dran, aber ich will daraus keine riesen Geschichte machen." Zugleich sagte er: "Ich will kein Polizist sein, der seinen Kopf hinhalten muss, weil ein paar Fußballverrückte austicken."

Vor Gericht hatte der Angeklagte über seinen Verteidiger zwar einräumen lassen, dass er den Beamten seinen Mittelfinger gezeigt hat. "Er hat sich damals von Leuten leiten lassen, mit denen er heute nichts mehr zu tun hat", so der Verteidiger. Den Wurf des Steins bestritt er jedoch.

Zwei Polizisten, die als Zeugen aussagten, erklärten wiederum vor Gericht, dass sie gesehen hätten, wie der Angeklagte damals zum Wurf ausholte. Weil es bereits Nacht und finster war, konnten sie die Wurfbahn des Steins aber nicht verfolgen. Ob die Männer womöglich ein anderes Geschoss traf, blieb deshalb offen. Zweifel hatte der Richter zudem an der Erklärung, dass ein Stein hintereinander zwei Leute treffen und diese verletzen kann.

Beim ersten Einschlag verliere das Geschoss "eigentlich seine kinetische Energie", sagte der Richter. So endete das Verfahren mit der vorläufigen Einstellung.

Zum Schluss der Verhandlung sorgte dann noch ein junger Polizist, der als weiterer Zeuge geladen war, für einen Eklat. Nachdem ihm der Richter mitteilte, dass er ein Telefongespräch mit ihm am Vortag als unangenehm empfunden hatte, erklärte dieser forsch, dies beruhe auf Gegenseitigkeit. Der Richter ermahnte ihn daraufhin, nicht patzig zu werden und sagte: "Sie sollten mal ein bisschen nachdenken." Daraufhin lief der Polizist aus dem Saal mit den Worten: "Sie mich auch." Ein juristisches Nachspiel hat das Benehmen aber nicht - der Richter verzichtete auf ein Ordnungsgeld.


Die Ausschreitungen im Überblick

Zu unschönen Szenen war es am Rande des Spiels am 18. September in Aue gekommen. An der Lößnitzer Straße warfen Randalierer Steine und andere Geschosse auf Polizisten. Die Sicherheitskräfte setzten daraufhin Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Bereits während des Spiels war im Cottbusser Fanblock Pyrotechnik gezündet worden. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel deshalb in der zweiten Halbzeit für knapp fünf Minuten, weil mehrere Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geschossen wurden. "Das schadet uns allen. Weder wir noch die Cottbusser Verantwortlichen können etwas dafür", sagte der damalige FCE-Trainer Pavel Dotchev. "Aber so lange nicht alle Fans das begreifen, gibt es solche Szenen immer wieder."

Der FC Erzgebirge Aue gewann das Ostderby gegen den FC Energie Cottbus mit 1:0 (0:0).

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1Kommentare
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  • 6
    3
    mathausmike
    08.02.2019

    Ist es da ein Wunder,dass der eine Polizist während der Verhandlung einfach menschlich reagiert?
    Diesem Richter muß der Fall entzogen werden!
    Es brauchte schon 4 Jahre bis zu dieser Verhandlung und jetzt schafft es der Richter, die ganze Sache noch ein bißchen zu vertagen!
    Es ist der völlig unerheblich,wieviel Polizisten dieser Cottbusser Rowdy getroffen hat oder ob sein Wurf des faustgroßen Steines vorbeiging!
    Wenn das Schule macht,wird sich jeder Hooligan über die Staatsgewalt lustig machen!
    Was soll denen denn dann noch groß geschehen?
    Verantwortungslose Richter!



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