Rechenhausbrücke: Rettung in letzter Minute?

Die Tage des alten Bauwerkes in Bockau sind gezählt. Am Montag soll der Abriss beginnen. Doch nun hat ein Stadtrat aus Aue-Bad Schlema eine ungewöhnliche Idee.

Bockau.

Kurz vor dem geplanten Abriss der alten Rechenhausbrücke bei Bockau hat sich Michael Eitler, CDU-Stadtrat von Aue-Bad Schlema, zu Wort gemeldet. Er sei "traurig und wütend, dass diese alte, schöne Brücke, die ich von Kindheit an kenne und mindestens zweimal im Jahr mit dem Fahrrad durchfahre, tatsächlich abgerissen werden soll."

Er schlägt deshalb vor, das Geld, das für die Sanierung des Clemens-Winkler-Club in Aue vorgesehen ist, lieber in den Erhalt der Brücke zu stecken. Keine gute Idee, findet die Stadtverwaltung: "Bei dem immer noch schmalen Geldbeutel würden wir unsere Prioritäten doch in Aue und Bad Schlema sehen", bügelt Heinrich Kohl, Beigeordneter für Wirtschaftsförderung von Aue-Bad Schlema, den Vorschlag ab. Er zitiert aus der Bibel: "Tue der Stadt Bestes" und verweist auf die Investitionsvorhaben, auf die sich beide Kommunen im Fusionsvertrag geeinigt haben. "Dazu zählt auch die Loge, das ist ein bedeutsames Objekt."

Mit einer vom Wirtschaftsministerium aufgemachten Rechnung für die Herstellung von Standsicherheit und Verkehrssicherheit der Brücke in Höhe von 1,7 Millionen Euro sah sich der Verein "Freunde der Rechenhausbrücke" zuletzt in die Knie gezwungen. Vereinsmitglied Ulrike Kahl: "Das zeugt von der Ignoranz und Geringschätzung der Entscheidungsträger gegenüber dem Bürgerwillen und der erzgebirgischer Kulturgeschichte". Von einer Bürgerinitiative, die Vorgänger des Vereins war, war eine Petition mit 1200 Unterschriften im sächsischen Landtag eingereicht worden. "Auf die Antwort warten wir bis heute", so Kahl. Der Verein hatte sich gegründet mit dem Ziel, die Bauträgerschaft für die alte Brücke zu übernehmen.

Auch Michael Gräßler aus Grünhain-Beierfeld äußert sein Bedauern über den "Niedergang dieses so schönen und architektonisch gelungenen Bauwerks". In einem Brief an die "Freie Presse" schlägt er vor, bei einem Abriss wenigstens die Pfeiler der Brücke auf dem Niveau verbleiben zu lassen, "damit baldigst in Höhe Radweg zum Floßgrabenweg eine befahrbare Holzbrücke aufgesetzt werden kann". So könne eine Verbindung zwischen zwei Wander- und Radwegen ermöglicht werden.

Vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) wird als Begründung für das Festhalten am Abriss der alten Brücke ins Feld geführt, dass dieser als Ersatzmaßnahme für den Neubau im Planfeststellungsbeschluss festgehalten ist.

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1Kommentare
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  • 1
    4
    Tauchsieder
    19.01.2019

    Welterbetitel für das Erzgebirge?
    Vielleicht sollte man dies Mal dem Entscheidungskomitee zukommen lassen, wie die Behörden mit ihrem Erbe umgehen. Dresden hat da schon recht "gute" Erfahrungen gemacht.



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