Rentner-Überfall nun vor Gericht

Ein 31-Jähriger soll in Schwarzenberg eine Frau ausgeraubt haben. Auch mehrere Diebstähle und Sachbeschädigungen gehen wohl auf sein Konto.

Schwarzenberg/Chemnitz.

Gefängnis oder Psychiatrie? Wo endet der Prozess für einen 31-Jährigen? Diese Frage muss derzeit das Landgericht Chemnitz klären, vor dem ein Erzgebirger steht, der die Polizei wochenlang in Schwarzenberg in Atem gehalten hat. Auf sein Konto sollen ein Raubüberfall, mehrere Diebstähle und einige Sachbeschädigungen an Autos gehen. Bei seiner Festnahme sagte er: "Ich höre Stimmen von Hexen in meinem Kopf."

Neun Punkte umfasst die Anklage des Staatsanwaltes. Darunter ist ein Raubüberfall auf eine Rentnerin am 18. November 2018 im Stadtteil Sonnenleithe. Vor Gericht schilderte die 76-Jährige: "Ich wollte an diesem Sonntag zu einem Geburtstag gehen. Auf dem Weg wurde ich plötzlich von hinten von einem Mann angerempelt, der mir meine Handtasche entriss." Bei dem Sturz fiel sie auf die linke Pobacke, die ihr aufgrund eines Hämatoms noch tagelang wehtat. Das Entreißen eines Beutels mit dem Geschenk konnte die Frau verhindern. "Es war ein junger, sportlicher, schlanker Mann mit einer Glatze", beschrieb sie den Täter. Auf den von der Polizei vorgelegten Fotos konnte sie den Mann zwar nicht wiedererkennen. "Jedoch habe ich ihn an einen anderen Tag beim Aldi gesehen", so die Seniorin. Mit dabei war ihre Tochter. Sie sagt: "Plötzlich wurde meine Mutter kreidebleich und fing an zu weinen. Sie hat die Tat bis heute nicht verkraftet." Der Wert der gestohlenen Tasche: rund 200 Euro.

Doch nicht nur ein Raubüberfall, sondern auch ein Diebstahl mit Waffen wird dem Erzgebirger vorgeworfen. Am 31. Dezember 2018 soll er im AWG-Mode-Center ein Kapuzen-Sweatshirt entwendet haben. "Bevor er in den Laden ging, sah ich eine Pistole in seiner Hand", sagte ein Zeuge. Er heftete sich an die Fersen des Erzgebirger, der mit dem Diebesgut geflüchtet war, und rief die Polizei. Drei Streifenwagen nahmen die Verfolgung auf. Ein Polizist konnte den Angeklagten stellen. In dessen rechter Jackentasche fand er eine ungeladene Schreckschusswaffe. "Er hat uns beleidigt und zusammenhanglose Sachen gesagt", erklärte der Beamte vor Gericht. Ein Kollege gab damals eine Aussage des Mannes zu Protokoll: "Beten würde ich für euch nicht, erschießen schon."

Nicht nur Kleidung und Lebensmittel standen auf der Diebesliste des Erzgebirgers. Auch teure Fahrräder hatten es dem nach eigener Aussage leidenschaftlichen Biker angetan. So verschwand im März 2019 ein rund 4000 Euro teures Fahrrad in Raschau-Markersbach. Eigentlich sollte es dort zur Reparatur, doch dann war es plötzlich weg. "Ich hatte ein Foto auf Facebook gestellt", sagte der Eigentümer. Aufgrund eines Hinweises konnte er den vermeintlichen Dieb ausfindig machen. "Der Mann stritt jedoch alles ab. In seiner Wohnung fand ich mehrere Räder, meins war nicht dabei." Schließlich wurde das gestohlene Rad im Keller des Hauses entdeckt.

Nicht nur Anzeigen wegen Diebstahls musste die Polizei in Schwarzenberg schreiben. Im Januar wurden die Frontscheibe und Seitenscheiben von drei Autos eingeschlagen. Auch der Kühlergrill eines Skodas wurde beschädigt und im März die Tür eines Audis eingedellt. "Das habe ich nicht getan", sagte der Angeklagte. Vor Gericht stritt er auch den Überfall ab. Lediglich die Diebstähle gab er zu.

"Ohne Drogen ist er ein guter Kerl. Durch seinen massiven Drogenkonsum ist ein bisschen was kaputtgegangen", sagte die Mutter des Angeklagten. So habe er gesagt, dass er einen Chip im Kopf hat. Auch Angst vor Strahlung hatte er.

Ob der Erzgebirger an einer psychischen Krankheit leidet, das soll ein Gutachter feststellen. Ein Urteil könnte im Mai fallen.


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