Retter im Berg ist seit 70 Jahren aktiv

Vieles haben die Männer von der Grubenwehr der Wismut schon erlebt. Doch sie sind weit mehr als ehrenamtliche Helfer.

Bad Schlema.

Man kennt es von den Bergsteigern, die sich ans Felsmassiv wagen und die Höhe erklimmen: Dann sind sie durch Seile gut gesichert. Bei der Grubenwehr der Wismut GmbH, die in die Tiefe geht, ist das ähnlich. Aber im Bergesinneren sind die Regeln und Vorschriften noch um ein Vielfaches schärfer.

Die Retter sind mindestens durch zwei Seile gesichert, wo einem Bergsteiger in der Regel eines genügt. Einen kleinen Eindruck von ihrer Arbeit haben die Männer der Wismut-Grubenwehr bei einer Übung vermittelt, die am Samstag im Rahmen des 22. Bergmannstages am Schacht 15IIb in Bad Schlema gezeigt wurde.

Die Grubenwehr der Wismut blickt in diesem Jahr auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück. Gegründet wurde das Grubenrettungswesen der Wismut im Jahr 1948. "Bis heute hat es eine Vielzahl struktureller Veränderungen gegeben", erklärt Andy Tauber, einer der Oberführer der Wismut-Grubenwehr. Bis 1992 sei die Wehr mit hauptamtlichen Rettern an verschiedenen Standorten des Bergbaus gelaufen. Danach ist der Bereich immer mehr geschrumpft. Aktuell gibt es laut Tauber noch zwei Standorte: Hartenstein mit Bad Schlema und Alberoda sowie Königstein.

Insgesamt sind es heute 50 ehrenamtliche Retter, die allesamt bei der Wismut in den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten und im Fall eines Einsatzes zentral alarmiert werden. Außerhalb der Dienstzeit existiere ein Bereitschaftsdienst. Zudem unterhalte die Grubenwehr Kooperationen mit vier Bergbauunternehmen in Sachsen, sodass man in Summe auf maximal 84 Einsatzkräfte kommt, die allerdings im Freistaat verteilt sind.

Der letzte große Rettungseinsatz war 1997 in Brand-Erbisdorf. "Dort ist ein Hobby-Bergmann unter Tage ums Leben gekommen", wissen die Bergleute zu berichten. Solche Einsätze sind in der Neuzeit selten - dafür hat man Betriebseinsätze, und es gehöre auch zu den Aufgaben der Grubenwehr, Kontrollbefahrungen und Erkundungen im Altbergbau durchzuführen. Die Wismut-Grubenwehr ist die einzige in Sachsen: Dem gegenüber stehen 54 Besucherbergwerke, Sanierungsbetriebe und die Bergbaubetriebe, die selbst zu klein sind, um eine eigene Grubenwehr zu bilden. Die Wege bis zum Einsatzort sind mitunter sehr lang. "Die Leute vor Ort müssen gewisse Maßnahmen selbst einleiten, weil wir einfach Zeit brauchen, um anzufahren, die Technik zu transportieren und uns vor Ort einsatzbereit zu machen", sagt Tauber. Der Erhalt von Sachwerten und das Sicherstellen der Produktion sei zwar eine Aufgabe, die rückt aber in die zweite Reihe. Der Fokus liege stets klar auf der Rettung von Menschenleben.

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