Retter kümmern sich um Blaufarbenwerk

Auf dem zu Albernau gehörenden Gelände bei Bockau laufen derzeit Notsicherungsarbeiten. Langfristig soll das Areal der Wirtschaft und dem Tourismus dienen.

Albernau/Bockau.

Balken schleppen in luftiger Höhe - zwei Zimmerleute der Bergsicherung Schneeberg steigen in diesen Tagen Schindlers Blaufarbenwerk, am Ortsrand von Bockau gelegen, aufs Dach. Sie helfen unentgeltlich bei der Notsicherung der Schlämmerei mit. In diesem Gebäude wurden einst die Farbkörner für das Ultramarin nach Größen getrennt. Jetzt ist das Haus als Teil eines historisch einzigartigen Ensembles sanierungsbedürftig. In einer Aktion, die insgesamt drei Gebäude umfasst, wird derzeit Grundlegendes zum Erhalt geleistet.

Dafür gibt es Geld vom Freistaat Sachsen und Unterstützung von Firmen wie der Nickelhütte Aue, der Bergsicherung Sachsen, der Berg- sicherung Schneeberg sowie von der Schindlerswerk GmbH & Co. KG. Schindlerswerk setzt am historischen Ort die Tradition der Farbherstellung fort, die 1649 begonnen hatte. "Wir haben hier das einzige noch fast vollständig erhaltene Hüttenwerk im Erzgebirge", sagt Mike Haustein. Er ist Vorsitzender des Vereins Schindlers Blaufarbenwerk, der 2017 gegründet wurde, sich um den Erhalt der 25 Gebäude bemüht und darum, sie für Interessierte zu öffnen.


Bis Ende Mai läuft eine aktuel- le Notsicherungsmaßnahme. Rund 320.000 Euro werden dafür aufgewendet. Vor der Schlämmerei erhielt dabei schon das Hüttengebäude mit den Ultramarin-Öfen ein Notdach. Dabei halfen Freiwillige der Bergsicherung Sachsen mit. Zudem wurde das Dach des "Schwarzen Kasinos" gesichert - darin waren früher ein Gasthaus und die Kantine des Werks untergebracht. Das Gebäude steht aber schon lange leer, ein Schuttberg liegt vor der Tür, und nur noch stellenweise ist Putz an den Außenwänden.

Zwar gibt es Fördermittel für den Erhalt des Komplexes, der offiziell übrigens zu Albernau gehört. Der Verein muss aber stets einen Eigenanteil aufbringen. Deswegen sei er auf Spenden angewiesen. Immer wieder öffnen die 43 Mitglieder die Anlage, um sie Interessierten vorzustellen. Die Resonanz sei jedes Mal riesig. 600 bis 700 Besucher kamen, als 2017 zum Tag des offenen Denkmals eingeladen wurde. Auch aus Anlass des Mühlentags am Pfingstmontag locken die alten Bauten mit den teilweise weiß und blau gestrichenen Fassaden viele Neugierige an. Am 10. Juni ist es wieder so weit.

Dann ist es auch nicht mehr lange hin bis zum wichtigen Termin am 30. Juni. In Baku in Aserbai-dschan beginnt die Sitzung des Unesco-Welterbekomitees. Das entscheidet, ob die Montanregion Erzgebirge zum Welterbe ernannt wird. Kommt es dazu, ist das Blaufarbenwerk dabei - als größtes Gebäudeensemble steht es im Antrag.

Das Besondere und Einmalige an diesem Werk: "Es ist alles noch da", sagt Gerd Bochmann, zweiter Vereinsvorsitzender und Betriebsleiter des noch immer existierenden Farbherstellers vor Ort. Die Öfen, die Schlämmkästen, aber auch das gesamte Drumherum mit Mäuerchen und Bäckerei, Schulgebäude, Gaststätte und Wohnhäusern. Denn bis 1920 war das Werk ein eigener Gutsbezirk. "Die Menschen haben hier gearbeitet und gelebt", erklärt Gerd Bochmann. 220 Leute waren zur Spitzenzeit zwischen 1900 und 1920 beschäftigt. Heute dient nur noch ein Teil des Albernauer Geländes der Herstellung von Farben und Reinigungsmitteln.

Perspektivisch ist eine gemischte Nutzung geplant. "Produktion und parallel Öffnung für Besucher", sagt Vereinschef Mike Haustein. Es soll allerdings kein klassisches Museum daraus werden, sondern ein Ort, an dem die Entstehung der berühmten blauen Farbe nacherlebt werden kann, vielleicht sogar mit einer Schauanlage. In den nächsten zwei Jahren will der Verein aber erst einmal die dringendsten Sicherungsmaßnahmen abschließen. Langfristig soll das historische Ensemble richtig saniert werden.

Für 10. Juni lädt der Verein von 11 bis 16Uhr zum "Mühlentag in der Farbmühle" ein. Dann gibt es große Führungen, bei Bedarf auch kleinere Rundgänge. Der Eintritt ist frei.

www.förderverein.schindlers- blaufarbenwerk.de

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