Richter lehnen Sauna-Termin ab

Die Badegärten Eibenstock sollten zum Schauplatz der Beweisaufnahme im Missbrauchs-Prozess gegen einen Lehrer werden. Die Verteidigung wollte dort die Glaubwürdigkeit einer Zeugin erschüttern.

Aue/Chemnitz.

Richter Frank Schmidt und seine Schöffen hatten am Donnerstag zu entscheiden, ob sich die Prozessparteien in den Badegärten Eibenstock treffen. Beantragt hatte den Ortstermin Verteidiger Reinhard Röthig, der seine Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer Belastungszeugin untermauern wollte. Röthig vertritt den ehemaligen Lehrer (56) aus dem Erzgebirge, der sich an zwei Grundschülerinnen (heute 22, 33) vergangen haben soll, die Beschuldigungen aber zurückweist.

Vor anderthalb Jahren hatte die heute 22-Jährige am Amtsgericht Aue ausgesagt, dass der Angeklagte, der auch ihr Trainer war, mit ihr in der Sauna der Badegärten gewesen sei. In einem Whirlpool habe er sie befummelt. Zeugen sollen nicht zugegen gewesen sein. Im jetzt laufenden Berufungsverfahren am Landgericht Chemnitz gab die Zeugin an, das sich nebenan andere Badegäste aufgehalten hätten. Die Verteidigung wollte in Eibenstock nachweisen, dass die Örtlichkeiten der neuen Schilderung widersprechen. Erst am Dienstag hatte eine Psychologin der jungen Frau attestiert, dass ihre Anschuldigungen mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht erfunden sind.

Das Gericht lehnte den Ortstermin in Eibenstock ab. Die Aussage, die dort überprüft werden sollte, schildere kein Kerngeschehen, sagte Richter Schmidt. Es sei unerheblich, wie die Örtlichkeiten aussehen.

Tatsächlich steht der angebliche Whirlpool-Vorfall nicht einmal in der Anklageschrift. Sollte der Lehrer, der aufgrund der Vorwürfe im Dezember 2017 aus dem Schuldienst entlassen wurde, verurteilt werden, dann nicht, weil er seine Schülerin in den Badegärten missbraucht hat.

Dort hätten die Prozessbeteiligten wohl ohnehin nichts Relevantes sehen können. Der geschilderte Vorfall liegt mehr als zehn Jahre zurück. Inzwischen wurde die Sauna der Badegärten komplett umgestaltet.

Auch ein zweiter Antrag der Verteidigung ist am Donnerstag abgelehnt worden. Die Eltern des Ex-Freundes der 22-Jährigen werden nicht vorgeladen. Die Verteidigung wollte durch ihre Befragung herausfinden, ob der Ex-Freund der jungen Frau Tatvorwürfe gegen ihren ehemaligen Lehrer suggeriert hatte. Ein solcher Rückschluss könne durch die Aussagen der Eltern nicht gezogen werden, befand das Gericht.

Verteidiger Röthig will jetzt den Geschäftsführer der Badegärten laden lassen, um die Glaubwürdigkeit der jungen Frau anzugreifen. Der Manager soll über die damalige bauliche Situation berichten. Über den Antrag entscheidet das Gericht am 18. Oktober. Dann soll auch der Zeuge gehört werden, der über die Platzierung der Fenster in einer anderen Sauna Auskunft geben kann.

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