Rotes Spektakel beherrscht die Bergstadt

Seit nunmehr 150 Jahren gibt es die Feuerwehr von Johanngeorgenstadt. Das runde Jubiläum wurde am Wochenende mit vielen Aktionen gefeiert. Ein Unikat sorgte für Furore.

Johanngeorgenstadt.

Florian - einen besseren Namen kann es wohl nicht geben für einen Feuerwehrmann. Schließlich gilt der Heilige Florian, im dritten Jahrhundert nach Christi Oberbefehlshaber einer Einheit zur Feuerbekämpfung in der römischen Armee, als Schutzpatron der Wehren.

Dass der Vater von Florian Blöchinger Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Johanngeorgenstadt ist, hatte großen Anteil daran, dass der inzwischen 17-Jährige diesen Namen bekam. Der junge Mann ist längst selbst in der Wehr aktiv - noch vor allem bei der Jugendfeuerwehr. Aber einen ersten Ernstfall-Einsatz hat er auch schon mitgemacht. "Das war voriges Jahr im Winter", erzählt Florian Blöchinger. Vermutlich aus einem Schacht sei Wasser ausgetreten und habe ein Grundstück gefährdet. Um es zu sichern, wurden Sandsäcke ausgelegt und Abflusswege für das Wasser gezogen. Florian war dabei.


Auch am Wochenende war der Jugendliche, der gerade seinen Schulabschluss gemacht hat und nun eine Ausbildung im Rettungsbereich beginnen möchte, wieder mit der Feuerwehr auf Achse. Die feierte ihr 150-jähriges Bestehen und lud zum dreitägigen Fest ein. Auf dem Platz des Bergmanns hatte die Jugendfeuerwehr einen Stand aufgebaut. Um dafür zu sorgen, "dass die Kinder Spaß haben, aber auch, um Nachwuchs zu finden", so Florian. Er hatte den Hut auf für dieses Angebot. Die Bergstädter Kameraden hatten sich dazu ein Mobil von der Kreisjugendfeuerwehr ausgeliehen. Kinder konnten sich dort unter anderem als Feuerwehrmann fotografieren lassen und sollten zudem Fragen aus dem Themenbereich Brandschutz beantworten. Solche Fragen wie beispielsweise: "Wie melde ich einen Brand?" oder "Dürfen Kinder ein Bügeleisen bedienen?" Da gerieten sogar Erwachsene ins Grübeln. "Ganz schön anspruchsvoll", meinte ein Vater aus Johanngeorgenstadt. Aber er war überzeugt, "dass die Kinder mehr wissen als wir. Die kriegen ja schon im Kindergarten viel erzählt".

Hunderte Besucher lockte das Jubiläum der Feuerwehr von Johanngeorgenstadt mit Abendveranstaltung, Musik und Frühschoppen an. Höhepunkt war ein Korso mit historischen Feuerwehrfahrzeugen am Sonnabend. Mit Blaulicht, Martinshorn und viel Gehupe rollten insgesamt 22 Feuerwehren, Lastwagen des Technischen Hilfswerks und Rettungsfahrzeuge der Bergwacht von der Neustadt in die Mittelstadt. Dabei gab es für ältere Bergstädter ein Wiedersehen mit einem inzwischen einzigartigen Gefährt. Denn die Mitglieder des Vereins "Feuerwehr-Oldtimer Bad Schlema" hatten den Molotow "Molly" TLF 15 mitgebracht: Gebaut 1947 in der Sowjetunion für die Bergbaugesellschaft Wismut, in Jöhstadt mit der nötigen Ausrüstung für den Dienst als Feuerwehrfahrzeug versehen und dann in Johanngeorgenstadt eingesetzt. Nur fünf solche Fahrzeuge habe es gegeben, heißt es. "Inzwischen sind alle, bis auf dieses eine, verschrottet", sagte Christian Harnes vom Oldtimer-Verein. Das Unikat zog auch in der Bergstadt die Blicke auf sich. Die Gruppe hat das Fahrzeug restauriert und präsentiert es zu besonderen Anlässen. Viele Zuschauer folgten dem Korso. Das älteste Fahrzeug im Tross war ein Steyer von 1940.

Mit dem Fest erwies sich die Bergstädter Wehr mit 36 aktiven Kameraden wieder einmal als "Pfeiler des gesellschaftlichen Lebens". So hatte es Johanngeorgenstadts Bürgermeister Holger Hascheck formuliert und den Frauen und Männern bei der Festveranstaltung herzlich für ihren Einsatz gedankt. Viele Veranstaltungen seien ohne die Hilfe der Floriansjünger nicht denkbar. Vor allem aber würdigte er ihre Bereitschaft, immer auszurücken, wenn es nötig ist, und dabei notfalls das eigene Leben einzusetzen. Auch Florian Blöchinger will sich da weiterhin engagieren. Ein Leben ohne Feuerwehr sei für ihn und seinen Bruder, der auch dabei ist, kaum vorstellbar.

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