Rotkäppchen-Wolf frisst keine Oma

"Live Cartoon Show" des Hamburger Comiczeichners und Texters Piero Masztalerz wartet mit Makabrem auf

Schneeberg.

Im Internet findet man ihn unter "Schoenescheisse.de", zärtliche Reflexionen sind ihm fremd, feinen Witz sucht man vergebens. Piero Masztalerz haut drauf. Das tat er auch im Schneeberger Kulturzentrum "Goldne Sonne" bei seiner "Live Cartoon Show". Allerhand junge Leute waren im Publikum. Die erfuhren einiges aus dem Familienleben des Hamburgers und zum Problem der Finanzierung desselben: "Meine drei Kinder fressen schneller als man zeichnet. Der Älteste speist sich über USB. Man könnte auch Organe verkaufen, so für 70.000 Euro. Aber Mutti will keine spenden."

Auf der Leinwand waren lebendige Cartoon-Animationen zu sehen, Masztalerz scherzte und schimpfte mit ihnen. Meist blieb er unter der Gürtellinie. Kurz vor der Darmspiegelung wird einem Patienten Blatt und Stift hingehalten: "Wenn Sie nicht möchten, dass Google Ihre Darmspiegelung veröffentlicht, machen Sie bitte hier ein Kreuz, dann wird Ihr Arsch verpixelt." Zu seiner Ukulele parodierte Masztalerz Sänger wie Roland Kaiser, mit aberwitzigen Bildern kommentiert.

Der skurrile Spaßvogel, Jahrgang 1970, zeichnet für den "Spiegel", den "Eulenspiegel" und die Jugendzeitschrift "Bravo", stellt Animationsfilme her. Er gewann einen Hauptpreis für politische Karikaturen, illustrierte Bücher anderer Autoren. Lebenserfahrung sammelte er als Versicherungsvertreter, Damenoberbekleidungsverkäufer und Taxifahrer.

Masztalerz hat einen eigenen Stil gefunden, seine Cartoons sind wiedererkennbar. Die Hauptfiguren haben eine große Schnauze und übergroße Oberzähne. Schwach sind manchmal seine ausufernd langen Sprechblasen, oft sind sie überflüssig, weil die Cartoons aussagekräftig genug sind. Beim Makabren kennt der Hamburger keine Grenzen: Sitzt ein Schweinchen abseits auf der Schaukel, ein fetter Mann grillt und erinnert sich: "Ach, ich sollte doch das Schwein grillen und das Kind schaukeln. Egal, jetzt hat das schon so eine schöne Kruste."

Auf der Leinwand wurden skurrile Märchen lebendig, manchmal mit politischen Anspielungen. Die sieben Zwerge hatten was gegen Schneewittchen und trugen ein Transparent: "Gewidzla - Gegen die Verweiblichung des Zwergenlandes!". Auch der Rotkäppchen-Wolf erfüllte nicht die üblichen durch die Brüder Grimm vorgegebenen Erwartungen. Als er die Großmutter sieht, schimpft der feinsinnige Kulinariker: "Ich fress doch keine alte Frau!" (pau)

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