Ruhebänke stimmen traurig

Sitzgelegenheiten, die einst im Ehrenamt um Bockau aufgestellt wurden, brauchen Pflege. Scheinbar nicht das einzige Problem, wenn es um touristische Attraktivität und Lebensqualität im Ort geht.

Bockau.

Der Gast in der Gemeinderatssitzung hat den Finger in die Wunde gelegt: Wie attraktiv ist Bockau noch - sowohl für Einwohner als auch Touristen? "Es gibt kaum noch Interesse seitens der Bevölkerung, etwas für den Ort zu bewirken", klagte der Mann, der früher Mitglied im Erzgebirgszweigverein des Laborantendorfs war.

Der EZV löste sich aufgrund fehlender Mitstreiter 2006 auf, letzte Amtshandlung mit dem Restvermögen: Die Frauen und Männer stellten auf Wander- und Spazierwegen rund um den Ort Sitzbänke aus Holz auf. "Wir wollten noch einmal etwas Gutes tun." Und jetzt? Gut zehn Jahre später ist manche Sitzgelegenheit von fremder Hand ramponiert, eine wurde gar geklaut, und viele andere bedürfen der Sanierung. "Doch es passiert nichts", so der Bockauer, der die Instandhaltung der zehn Bänke bisher mit seiner Frau erledigt hat. "Doch nun bin ich mit fast 85 Jahren langsam zu alt und schaffe das nicht mehr", sagte der Mann und holte noch ein bisschen weiter aus. Auch kulturell sei nichts mehr los im Ort, nur Feuerwehr und Fußballverein seien aktiv. "Aber sonst geht kaum was - es gibt ja nicht mal mehr ein Lokal, wo man sich für eine Mittags- oder Kaffeerunde treffen könnte."

Bürgermeister Siegfried Baumann (parteilos) nahm die Kritik an. "Ich sehe es ähnlich. Und wir sind todunglücklich über die Situation." So war das Laborantendorf 2007 noch Sieger in einem Wettbewerb, bei dem es um die positive Entwicklung der Gemeinde ging. "Doch nach dem Heimatfest klang der Enthusiasmus der Leute, sich aktiv einzubringen, plötzlich ab", so Baumann. Woran das liegt? "Ich weiß es nicht."

Wobei man auf Dinge wie die geschlossene Dorfgaststätte als Rat keinen Einfluss habe. "Da gibt es sicher wirtschaftliche Gründe." Auch mit der Likörfabrik sei es problematisch. Sie sollte touristisches Aushängeschild sein. "Aber es klappt nicht richtig." Derzeit sei die Lage noch verschärft, da Bockau durch den Bau der neuen Rechenhausbrücke fast von der Außenwelt abgeschnitten scheint. "Es ist ein Trauerspiel."

Und kostspielig. "Etwa 8000 Euro bezahlen wir pro Jahr, um Vandalismusschäden zu beseitigen." Und nie wolle irgendwer etwas gesehen haben. "Da kann man die Lust und den Antrieb verlieren, wenn alles nur kaputt gemacht wird", sagt Baumann. Dennoch gebe man nicht auf. "Aber es ist schon so, dass es ein paar wenige Leute sind, die viel machen", so Franz Fürtsch (CDU). Trotz begrenzter Möglichkeiten das Beste für den Ort herauszuholen, muss das Ziel sein, so Joachim Wenzel (SPD). Er ergriff die Initiative, erfasste alle zehn Bänke und stellte einen Reparaturplan auf. "Ich habe Material zum Ausbessern auf Lager." Baumann überzeugte zudem den früheren Wegewart, seine Arbeit wieder aufzunehmen: "Wir stellen die Farbe."

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