Sanierter Herrenhof Erla für Gäste bereit

Vom maroden Bauwerk zum Vorzeigeobjekt: In den denkmalgeschützten Fachwerkkomplex und in die Außenanlagen wurden etwa 3,8 Millionen Euro investiert. Als Teil der Montanregion Erzgebirge/ Krušnohorí ist auch der Herrenhof als Welterbe anerkannt - und muss nun mit Leben erfüllt werden.

Erla.

Von dem, was er gerade erlebt, ergriffen zu sein, daraus machte Hermann Meyer am Donnerstagabend keinen Hehl. Der Enkel von Ernst Richard Breitfeld, des letzten Erlaer Hüttenherren aus der Breitfeld-Dynastie, sah sich um im Festsaal des Herrenhofes in Erla. "Unfassbar, was mit dem alten Fachwerkhaus in den vergangenen Jahren passiert ist. Aus einem baulich abgeschriebenen Hof wurde ein wunderbar saniertes Denkmal, das zum Welterbe gehört", sagte der in Augsburg lebende Mann. Seine Kindheit hatte er im Herrenhaus, quasi im vierten Flügel der Anlage, verbracht. Gegenüber im Herrenhof wohnte eine Schwester seiner Mutter mit drei Kindern - genau da, wo jetzt wieder der Festsaal ist, der am Donnerstag den Rahmen für die feierliche Eröffnung des sanierten Herrenhofs bildete. "Damals gab es hier Zwischenwände; von einem früheren Festsaal war nichts zu sehen."

Gemeinsam mit Winfried Wurlitzer bestritt Hermann Meyer den musikalischen Teil der Eröffnung, zu der Mitglieder des Erzgebirgsensembles im Innenhof den Auftakt gaben. Nachdem vor einigen Jahren in privater Regie bereits das Herrenhaus saniert worden war, ist das in Verantwortung der Stadt nun von Grund auf auch mit dem Herrenhof des Erlahammers passiert. "Damit wurde eine Vision wahr, die nicht nur Befürworter hatte", sagte Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). Ortschafts- und Stadträte machten sich die Entscheidungen und Beschlüsse nicht leicht, zumal die Privatisierung des Herrenhofs an einen Gesamtbetreiber erste Wahl war. Letztlich war es wieder ein kommunales Objekt und Projekt, für das auch Fördertöpfe gefunden wurden. Unter dem Strich sind seit 2015 etwa 3,8 Millionen Euro investiert worden: gut 300.000 Euro fürs Dach, zirka 600.000 Euro für Innenhof und Außenanlagen, 2,9 Millionen Euro fürs eigentliche Bauwerk. "Dafür waren 2015 von den Planern 2,6 Millionen Euro konzipiert", so Hiemer. Angesichts der Preisentwicklungen im Bausektor sei das jetzige Ergebnis "durchaus vertretbar".

Auch Knut Scheiter vom beauftragten Planungsbüro Süß hat eine besondere Beziehung zum Herrenhof: "Mit dem Haus habe ich mich schon in den 1990er-Jahren für eine studentische Belegarbeit beschäftigt." Nun war er maßgeblich am Planen der Gesamtsanierung beteiligt. So konnte er den Eröffnungsgästen im dicht besetzten Festsaal interessante Zahlen und Fakten nennen. Jener große Saal beeindruckt besonders: mit freitragender Decke, mit drei restaurierten historischen Fassungen der Raumgestaltung, mit Fußbodenheizung. Im Haus sind 300 Quadratmeter aufgearbeitete Dielen verwendet und 300 Quadratmeter durch neue Eichendielen ersetzt. Es gibt viele weitere bemerkenswerte Details: Etwa die erhaltene Schwarzküche, den freigelegten Hausbrunnen, den Aufzug zum barrierefreien Erschließen des Obergeschosses, die neue Durchfahrt zwischen Innenhof und Parkplatz. Zu Buche steht aber auch letztlich eher Unsichtbares: zum Beispiel 190 laufende Meter neue Fachwerkkonstruktion, reichlich 20 Kubikmeter neues Bauholz, 160 Meter Anschuhungen an Balken, 5,5 Kilometer Kabel, 340 Steckdosen und 170 automatische Rauchmelder.

Einen gut sichtbaren Platz wird hingegen die Kopie der Welterbe-Ernennungsurkunde bekommen, die Matthias Lißke namens des Vereins Welterbe Montanregion Erzgebirge an OB Hiemer übergab. Auch das geschah während der Eröffnungsveranstaltung, die als Dankeschön an alle zu verstehen war, die einen Anteil am Vorbereiten und Ausführen der Generalsanierung hatten.

Nun soll vielseitiges Leben in den sanierten Gebäudekomplex einziehen. Das Obergeschoss hat schon gewerbliche Mieter, im Torflügel richtet ein Verein eine Heimatstube zur Erinnerung an Mundartautor Manfred Blechschmidt ein. Der Festsaal bleibt Veranstaltungen in städtischer Regie vorbehalten. Für Hofcafé, Hofladen und Schauwerkstatt werden noch Interessenten gesucht.

Ein Glanzpunkt ist die Ausstellung "Vom ältesten Eisenhammer in die Moderne". Die Schau, in Zusammenarbeit mit Stadt und Eisenwerk durch die Agentur Ö-Grafik Dresden gestaltet, ist ab 11. November montags und mittwochs jeweils von 10 bis 17 Uhr zu besichtigen. Eine Hörtour macht Besucher auf Deutsch, Tschechisch oder Englisch mit der Exposition, aber ebenso mit Fakten zum Herrenhof und zu diversen touristischen Angeboten vertraut.

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