Schauspieler und Musiker spielen gegen Vergessen an

Was geht uns das Leben eines jüdischen Jungen im Holocaust an? Antwort auf diese Frage gab jetzt prominenter Besuch an einer Eibenstocker Schule.

Eibenstock/Schwarzenberg.

Erst Getto, dann Arbeits- und Konzentrationslager - in seiner Autobiografie erzählt Solly Ganor von seiner "Kindheit im Holocaust". Das ist der Untertitel des Buches "Das andere Leben", das am gestrigen Donnerstag an der Oberschule Eibenstock von Schauspieler Thomas Darchinger und Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid vorgestellt wurde. 147Schüler der 8. bis 10. Klasse saßen im Publikum.

Ganor stammt aus Litauen und lebte zunächst im Getto mit seiner Familie, bevor er das Grauen in Lagern erlebte. Die Auswahl dieser Geschichte begründet Darchinger so: "Die Jugendlichen, die vor uns sitzen, sind im gleichen Alter wie er damals." Seine Grunderfahrung ist, dass zwar die meisten Schulleiter Bedenken hätten, ob ihre Schüler überhaupt eine Viertelstunde durchhalten, aber dann baff seien, dass sie 90 Minuten voll dabei sind. Wichtig sei die Nacharbeit im Unterricht. An die Schüler gewandt sagte er: "Mir ist wichtig, dass ihr versteht, dass eine Diktatur nicht cool, lässig oder wünschenswert wäre. Das ist sie nicht, sondern das, was ihr gerade gehört habt. Demokratie ist auch nicht perfekt, aber sie bietet die Chance, dass jeder seinen Traum in die Realität umsetzen darf und dass jeder seine Meinung sagen darf, ohne dafür erschossen zu werden." Als Künstler sehe er sich - völlig unabhängig von Politik - in der Pflicht, die Demokratie zu verteidigen.

"Im Unterricht haben wir natürlich auch schon davon gehört, aber das hier ist was ganz anderes, wenn auch zum Teil krass und brutal. Ich finde schon, dass uns das etwas angeht und wir daraus lernen sollten", sagte nach der Lesung Neuntklässlerin Deborah Klötzer. Tobias Rapsky aus der 8. Klasse ergänzt: "Ich finde, das gehört zu unserer Geschichte, deshalb sollten wir uns damit aus-einandersetzen."

Darchinger und Lackerschmid sind mit ihrem Projekt seit fünf Jahren in Deutschland auf Tour. Am Donnerstag waren sie vor der Oberschule Eibenstock schon am Bertolt- Brecht-Gymnasium in Schwarzenberg. Pro Jahr absolvieren sie zwischen 80 und 100 Veranstaltungen.

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