Schneebergs Untergrund wird entlüftet

Mit einem einzigartigen Projekt soll die Belastung durch Radon in den Wohnhäusern vermindert werden. Die alten Schächte unter der Stadt sind dafür die Basis. Trotzdem müssen 26,5 Millionen Euro investiert werden.

Schneeberg.

Als Schneeberger Krankheit ist das Problem seit ein paar hundert Jahren bekannt. Doch erst im 20. Jahrhundert stellte sich schließlich heraus, dass sie eine durch Radon verursachte Form von Lungenkrebs war. Denn dort, wo Uran im Boden liegt, entsteht an vielen Stellen das radioaktive Gas. Wer ihm dauerhaft ausgesetzt ist, riskiert eine Erkrankung mit Lungenkrebs. Nach dem Rauchen ist es die zweithäufigste Ursache dafür. Mit einem weltweit einmaligen Projekt soll in Schneeberg künftig diese Gefahr verringert werden, denn in den Kellern der Stadt sind die Grenzwerte für Radon um ein Vielfaches überschritten.

Seit der Wende wurde nach Lösungen für das Problem gesucht. Die Lösung heißt Wetterprojekt Schneeberg. Christian Schramm von der Wismut stellte es bei der jüngsten Sitzung des Schneeberger Stadtrates vor. "Die Bebauung und der Bergbau haben früher dicht beieinander gelegen", machte er deutlich. Der Bergmann wohnte häufig neben seiner Grube. Die Stadt Schneeberg sei auf dem Bergbau entstanden. "Die Dichte der Bebauung und die Höhe der Radonwerte in Schneeberg sind einzigartig in der Welt", erklärte der Bergbauingenieur.


Etwa zwei Drittel der Häuser in Schneeberg stünden unter dem starken Einfluss der Gruben unter der Stadt, erläuterte Schramm. Um dies zu vermindern, wurde von 1991 bis 1995 versucht, die Häuser abzudichten. 3,7 Millionen DM wurden damals dafür aufgewendet. "Diese, nach dem damaligen Bundesumweltminister als Töpfer-Millionen bezeichnet, hatten nur einen mäßigen Erfolg", sagte Schramm.

Tatsächlich sei von der erhofften Wirkung heute nichts mehr übrig. Im Anschluss sei bis 2006 versucht worden, die Radonbelastung durch die natürliche Bewetterung - also Entlüftung - zu senken. Ein umfangreiches Messnetz installierte man zusätzlich. Ab 2010 wurde in insgesamt 102 Häusern im gesamten Stadtgebiet gemessen. Die Untersuchungen in den Häusern Schneebergs und Neustädtels zeigten, dass im gesamten Territorium der Stadt Häuser hohe bis sehr hohe Radonkonzentrationen existieren. Etwa 35 Prozent der untersuchten Gebäude wiesen in den Kellerräumen Radonkonzentrationen auf, die zum Teil erheblich größer als 5000 Becquerel pro Kubikmeter waren. Der von der EU festgelegte Referenzwert beträgt 300.

"Die Messungen haben gezeigt, dass die natürliche Bewetterung in Schneeberg nicht ausreicht, um die Radonkonzentration in den Wohngebäuden zu senken", erläuterte Schramm. Daher wurden in den vergangen Jahren Untersuchungen durchgeführt, bei dem ein externer Lüfter in der Grube einen Unterdruck erzeugt, um das Radon abzusaugen. "Dadurch konnte die Belastung in den Referenzgebäuden bis zu 100 Prozent reduziert werden", so der Bergbauingenieur.

Nach der Erstellung eines Abschlussberichtes soll das Mammutprojekt nun realisiert werden. "Bereits Ende des Jahres könnten erste Arbeiten vergeben werden", schaute Schramm voraus. Voraussichtlich über zehn Jahre werden sich die Arbeiten erstrecken. So sind vier Entlüftungs-Öffnungen vorgesehen. Um die Gänge unterirdisch zu verbinden, wären umfangreiche bergmännische Arbeiten nötig. Christian Schramm sprach von 13 Kilometern Grubenbau. Insgesamt werden die Kosten für das Wetterprojekt Schneeberg auf 26,5 Millionen Euro geschätzt.

"Das Projekt ist für die Bergstadt von immenser Bedeutung, denn es wird wesentlich dazu beitragen die grubenbedingte Radonbelastung deutlich zu verringern", sagt Schneebergs Bürgermeister Ingo Seifert (Freie Wähler/Bika). Zudem käme es zur rechten Zeit, denn zum Jahresende soll ein neues Strahlenschutzgesetz in Kraft treten. "Gerade vor dem Hintergrund der Einführung des umstrittenen Referenzwertes zeigt das Wetterprojekt deutlich, dass wir uns der Thematik stellen, denn in der Kombination aus Wetterprojekt und weiteren Maßnahmen der Radonsanierung sowie des radonsicheren Bauens liegt der vielversprechendste Lösungsansatz", so Seifert.

Zudem erhoffe man sich auch Erkenntnisse für Wissenschaftler und Geologen, sodass aus den Erfahrungen der Umsetzung des Wetterprojekts auch andere Regionen profitieren werden. "Somit sind wir im Städtebund Silberberg sowohl mit der Umsetzung des Wetterprojekts, aber auch mit dem Projekt Geothermie im Granit Sachsen eine Region, die weiter überregional auf sich aufmerksam machen wird."

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