Schneechaos: Straßen und Schulen dicht

Dauerschneefall und Glätte halten die Region seit gestern in Atem. Doch was den Autofahrer zu schaffen macht, dürfte einige Schüler erfreuen.

Aue/Schwarzenberg.

Gesperrte Straßen und glatte Fahrbahnen - Tief Benjamin stellt seit gestern Autofahrer vor besondere Herausforderungen. Anders sehen das vermutlich Kinder: Einige von ihnen müssen heute nicht in die Schule.

Stau im Altkreis: Dauerschneefall und Glätte haben in der Region gestern zu mehreren Verkehrsbehinderungen geführt. Die Polizei zählte allein bis zum Nachmittag 200 Verkehrsunfälle im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz, zu der auch das Erzgebirge zählt. Das sei deutlich mehr als sonst, heißt es. In Aue und Schwarzenberg gab es mehrere Unfälle mit Blechschäden.

Zu Staus kam es wegen liegen gebliebener Lastwagen unter anderem auf dem Auer Autobahnzubringer (S255) und dem Zubringer Schneeberg (S 282), ebenso wie auf der Staatsstraße 260 zwischen Zwönitz und Geyer. Auf der Clara-Zetkin-Straße in Aue drohte ein Lastwagen gegen ein Haus zu rutschen. Die Auer Feuerwehr sicherte das Fahrzeug.

Heute kein Unterricht: Die Wetterlage wirkt sich auch auf den Schulbetrieb in der Region aus. Im Schwarzenberger Bertolt-Brecht-Gymnasium, dessen Einzugsbereich bis in Kammlagen des Westerzgebirges reicht, konnten gestern etliche Schüler nicht zum Unterricht erscheinen. "Gegen 10 Uhr haben wir in Abstimmung mit dem Regionalverkehr Erzgebirge den Heimtransport der aus Richtung Johanngeorgenstadt kommenden Gymnasiasten organisiert. Weitere Buslinien wurden noch bedient", erklärte André Ullmann, der stellvertretende Schulleiter. Ähnlich die Situation in Zwönitz: Nach Angaben der Stadtverwaltung haben sowohl die Oberschule als auch das Gymnasium den Unterricht gestern eher beendet.

Mit dem Blick auf die angekündigten weiteren Schneefälle wurde entschieden, dass heute am Bertolt-Brecht-Gymnasium Schwarzenberg kein Unterricht stattfindet. "Weitere Informationen, zum Beispiel wie es am Freitag weitergeht, wollen wir am Donnerstag auf der Internetseite unserer Schule veröffentlichen", kündigte Ullmann an. In Zwönitz soll der Unterricht stattfinden.

Auch an der Grundschule Rittersgrün war gestern eher Unterrichtsschluss als an normalen Tagen. Die meisten Schüler kommen aus Rittersgrün, weitere aus Tellerhäuser und Halbemeile sowie aus dem Oberdorf von Breitenbrunn. "Es gab viele Absprachen, auch mit Schulen in Nachbarorten. Alle Transportfragen wurden gelöst, kein Kind wurde einfach so nach Hause geschickt", sagte Schulleiterin Caren Jonas-Clasen. Heute gibt es keinen regulären Unterricht an der Schule, aber zwei Kolleginnen sichern eine Notbetreuung für Mädchen und Jungen ab, deren Eltern kurzfristig keine eigene Betreuungsmöglichkeit organisieren können. Und auch die Jenaplanschule in Markersbach hat für heute den Unterricht offiziell abgesagt. Eine Betreuung der Kinder, die kommen, werde gewährleistet, sagte gestern Karin Drechsel von der Schulleitung. Wie es am Freitag in Rittersgrün und Markersbach weitergeht, wird heute entschieden.

Schulfrei hatten gestern auch die Schüler an den Oberschulen in Schönheide und Eibenstock sowie an der Grundschule Stützengrün. Es gibt laut Gabriele Dobler, Schulleiterin in Schönheide, eine "Notversorgung". Gestern musste sie länger ausharren, weil 15 Kinder auch Stunden nach dem Schulende noch nicht mit dem Schulbus nach Hause fahren konnten.

Forst Eibenstock warnt: "Wir werden den Wald nicht sperren, aber wir bitten Wanderer und Wintersportler in den kommenden Tagen den Wald nicht zu betreten", heißt es von Christin Leuschner, Sprecherin des Forstbezirks Eibenstock.

Einzelne Bäume seien bereits über die Wege gebrochen beziehungsweise sind stark geneigt und drohen jederzeit zu brechen, führt sie zur Begründung an. Die Kammloipe werde derzeit nicht gespurt und sollte von Skifahrer besser nicht befahren werden, hieß es. Gesperrte Loipen in Carlsfeld: Gut 70 Zentimeter Neuschnee und Verwehungen sind gestern aus Carlsfeld gemeldet worden. "Wir lassen den Schneesturm durch und dann sehen wir weiter", heißt es von Martina Zapf aus Carlsfeld, die für "Freie Presse" täglich die aktuellen Bedingungen für den Wintersport durchgibt.

Wegen der Unwetterwarnung blieben gestern Lift und Loipen geschlossen. Sich derzeit auf die Loipen zu begeben, ist aus ihrer Sicht auch wegen des Sturms gefährlich. "Der Fahrer vom Pistenbully hat am Dienstag deutlich mehr Zeit gebraucht, weil er erst einmal abgebrochene Äste wegräumen musste", erzählt Martina Zapf.

Zoo und Wildpark geöffnet: Bei den Tieren im Auer Zoo der Minis fiel die Reaktion auf den vielen Schnee gestern geteilt aus: Während die Ponys durch den Schnee getobt sind, als sie am Morgen aus dem Stall gelassen wurden, bleiben laut Tierparkchefin Bärbel Schroller Muntiaks und Kängurus lieber in ihren Behausungen. "Die würden mit ihren kurzen Beinen nur im Schnee versinken." Der Tierpark soll geöffnet bleiben, die Wege werden so weit es geht, vom Schnee geräumt. Gefährlich werde es erst, wenn die Wege vereist sind, so Schroller.

Geöffnet ist weiter auch der Wildpark Waschleithe. "Unsere Tiere kommen mit Schnee und Temperaturen unter null Grad besser klar als mit Nieselregen", sagt Jochen Gerlach. Der Tierparkchef versichert, dass erst geschlossen würde, wenn eine Gefahr wegen Schneebruch besteht.

Behinderungen in Johann'stadt: Im bis zu 892 Meter hoch gelegenen Johanngeorgenstadt sorgte der Wintereinbruch für enorme Behinderungen, obwohl der Winterdienst dort an ergiebige Schneefälle gewohnt ist. "Die Hauptverkehrsstraßen haben wir im Griff, aber auf Nebenstraßen und Parkplätzen gibt es Probleme. Das ist mit der vorhandenen Technik derzeit nicht zu bewältigen", sagte gestern Mittag Bürgermeister Holger Hascheck (SPD).

Viel Neuschnee könnte in den nächsten Tagen auch gute Wintersportbedingungen bedeuten, unter anderem auf der Kammloipe, von der große Teile in Johann'stadt liegen. Die Schneemassen sorgen auf alle Fälle dafür, dass der Skilift Johanngeorgenstadt am Wochenende in die Saison startet. Betreiber Jochen Bachmann ist mehrmals täglich mit dem Pistenbully im Einsatz, um den 68.000 Quadratmeter großen Hang zu präparieren, auf dem nur Naturschnee liegt. (ike/mu/stl/matu/juef)

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