Schnitzer der Region spüren Wandel

29 Holzkünstler haben sich auf dem Spiegelwald getroffen. Die tollen Ausstellungsstücke konnten nicht über Nachwuchsprobleme hinwegtäuschen. Sogar ein Ende dieser Kunst wird befürchtet.

Grünhain-Beierfeld.

US-Präsident Donald Trump greift Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Popo. Napoleon hat seinen Hut tief ins Gesicht gezogen und daneben steht das Karl-Marx-Monument fest auf dem Sockel. Wer sich gestern Nachmittag die kleine, aber exklusive Ausstellung beim Schnitzertreffen auf dem Spiegelwald angeschaut hat, der kam angesichts der gezeigten Vielfalt richtig ins Staunen. Die dort gezeigten Schnitzarbeiten hatten zum Teil sehr wenig mit Engel und Bergmann zu tun, wenngleich es natürlich auch davon einige zu bestaunen gab. Mal farbig lackiert, mal ganz in Natur und manchmal auch nur lasiert - jeder der 29 Schnitzer, die beim Treffen im König-Albert-Turm dabei waren, hat seine eigenen Vorlieben, und manche haben über die Jahre sogar eine erkennbare eigene Handschrift entwickelt. Matthias Junghans (61) beispielsweise hat sich auf das Einlegen von Metall in Holz spezialisiert. "Die Kunst kommt eigentlich aus Indien", sagt der Zwönitzer, der sich die Sachen selbst angeeignet hat.

Doch Cheforganisator Stefan Gräßler aus Grünhain, der zum Schnitz- und Bergverein Lößnitz gehört, hat auch Sorgen. "Die Abläufe haben sich mittlerweile eingespielt. Trotzdem wird es schwieriger, auch weil die Leute schwieriger werden." So hält nicht jeder, der verhindert ist, eine Absage für erforderlich. "Das ist schade, denn die 30 Plätze wollten wir eigentlich vergeben." Eine weitere Schwierigkeit: "Zum Aufbau sind wir zehn Leute - das ist der harte Kern. Die Vereine aus Lauter und Bernsbach und freie Schnitzer aus Grünhain-Beierfeld gehören dazu."

Dass sich das Schnitzen verändert, das bleibt auf dem Spiegelwald niemandem verborgen. Bernd Goldhahn (69) aus Beierfeld bedauert: "Es hat seinen Stellenwert zwar nicht verloren, aber zumindest ein ganzes Stück eingebüßt."

Das zeigt sich auch in den Vereinen, die Mitgliederstrukturen ähneln sich. Viele aktive Holzkünstler sind jenseits der 50. Vereinzelt gibt es mal einen Ausreißer nach unten. So schnitzt beispielsweise im stark aufgestellten Lößnitzer Verein eine junge Frau Mitte 20 mit.

"Sie ist damit aber die Ausnahme", so Stefan Gräßler. Von unten - also aus den Kindergruppen der Vereine - komme kaum jemand nach. Warum das so sei, bleibt für viele der alteingesessenen Holzkünstler ein Rätsel. "Die Lehre spielt sicher eine Rolle - dann sind sie meist weg", schildert Jürgen Martin seine Eindrücke. Stefan Gräßler glaubt, dass die Konkurrenz einfach zu groß ist und meint damit unter anderem die elektronischen Medien. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich das Bild geändert hat. Zu DDR-Zeiten war es schwer, Material, Messer oder auch Fachliteratur zu bekommen. Heute ist das alles kein Problem mehr. Stephan Tschisgale (62) aus Bernsbach hat sich seine Messer selbst gefertigt, hat bis heute nur drei gekauft. Ein bisschen schwingt sogar die Befürchtung mit, das Schnitzen könnte auf lange Sicht aussterben.

Dabei sei es nach wie vor reizvoll, sich in einem Verein zu engagieren, denn die wöchentlichen Treffen, so sagt es Jürgen Martin, "sind eine andere Form des Stammtisches. Es treffen sich Gleichgesinnte und tauschen sich aus".

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