Schönheide zögert bei Darlehen für Eisenbahn-Verein

Um Arbeiten am Bahnhof Schönheide Ost zu Ende zu bringen und damit an Fördergelder zu kommen, braucht es finanzielle Unterstützung. Zu viel und über eine zu lange Laufzeit - meinte der Gemeinderat.

Schönheide.

Der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen (FHWE) Schönheide muss bis Jahresende den Umbau des Bahnhofsgebäudes Schönheide Ost abgeschlossen haben, um an Fördergelder zu kommen. Die Kosten für das Projekt sind laut Vereinschef Marco Drosdeck zuletzt "exorbitant gestiegen", man ist in Vorleistung in Höhe von 235.000 Euro gegangen. Jetzt hat der Förderverein deshalb die Gemeinde um ein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro gebeten.

Der Gemeinderat Schönheide konnte sich in seiner jüngsten Sitzung nicht zum Beschluss dazu durchringen. Das Thema wurde auf Antrag von Thilo Körnig (FDP) an den Verwaltungs- und Finanzausschuss zurückverwiesen. Körnig empfahl außerdem, noch einmal das direkte Gespräch mit dem Verein zu suchen. Vor allem an der langen Laufzeit des Darlehens - 10 Jahre bis 2030 lautete der Vorschlag des Vereins - stießen sich einige Gemeinderäte. Olaf Schulz (CDU) verwies darauf, dass für die Gemeinde aktuell eine Haushaltssperre gilt. "Diese Kosten sind zudem im Haushalt gar nicht eingeplant", sagte er. Ulli Richter (CDU) sprang hingegen in die Bresche und machte deutlich, dass der Verein mit der Sanierung des Bahnhofsgebäudes einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des Ortsbildes leiste. Außerdem gehe es nicht nur um den Bahnhof an sich, sondern auch um die Weiterentwicklung des Mulderadweges, so Richter.

Der Verein hat das Bahnhofsgebäude 2009 gekauft. Danach erfolgte zunächst eine Notsicherung. "Mit Rad und Bahn auf einer Linie", so heißt das Projekt des FHWE. Laut diesem soll am Bahnhof Schönheide ein Schnittpunkt zwischen der Bahnlinie ins Vogtland und dem Mulderadweg ins Erzgebirge geschaffen werden. Zur Realisierung sei man auf Fördermittel angewiesen, sagt Drosdeck. Die Haltung des Schönheider Gemeinderates enttäuscht ihn. Aber auch von anderen umliegenden Gemeinden fehle die finanzielle Unterstützung. Er erklärt, wie es zu der Kostensteigerung kam: Beim Tiefbau sei man auf Probleme bei der Gebäudeentwässerung gestoßen. "Ums Haus herum musste alles aufgebuddelt werden."

Drosdeck bleibt optimistisch: "Noch ist nicht aller Tage Abend, mal sehen, wie die Sache weitergeht." Er hofft auf eine wohlwollende Entscheidung des Ausschusses, der am 23. Juni tagt. Ihn ärgert, dass kein Gemeinderat sich beim Verein hat sehen lassen. "Und uns gibt es schon 20 Jahre". Gleichwohl will er sich um Möglichkeiten der Vereinsförderung vom Land bemühen. "Sportvereinen wurden in der Corona-Krise Zuschüsse vom Land eingeräumt. Warum sollten wir die nicht auch bekommen?" Bei der finanziellen Unterstützung von Eisenbahnprojekten sieht Drosdeck sowieso eher das Land gefordert als die Kommune. "Wir kümmern uns um die Infrastruktur im ländlichen Raum", begründet er seine Auffassung.

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