Schüler als Sanitäter: Mehr als nur ein Erste-Hilfe-Projekt

Anstand, Höflichkeit und Respekt: Derlei Benehmen, so sagen viele Ältere, lasse die Jugend teilweise vermissen. An Schneebergs evangelischer Oberschule wirkt man dem Trend entgegen. Dafür steht auch ein neues Hilfsprojekt.

Schneeberg.

Das Kürzel "WWW" für "Wissen, Werte, Wir" steht an der evangelischen Oberschule in Schneeberg für Grundlagen, die fachübergreifend vermittelt werden. Antje Böhm ist die Idee dahinter sehr wichtig. "In manchen Elternhäusern spielen Werte nicht mehr die große Rolle, wie es früher vielleicht einmal war", erklärt die Schulleiterin.

Gemeint sind Anstand, Höflichkeit, Respekt, Achtsamkeit, Hilfsbereitschaft, Empathie, Dankbarkeit & Co. "Sie prägen Menschen ein Leben lang", findet Böhm. "Und sind für jeden erstrebenswert. Deshalb werden sie bei uns gelebt und weitergegeben."

Die Sozialpraktika der Achtklässler zum Beispiel stehen für Verantwortung, die wöchentlichen Andachten für Vertrauen, der Diakonieunterricht für Nächstenliebe, die "Lernzeit plus" für Selbstvertrauen und die Ich-Du-Wir-Gruppen für Teamgeist. Das lasse sich in weitere Bereiche aufdröseln. Ganz neu ab diesem Monat ist der Schulsanitätsdienst, der die Hilfsbereitschaft in den Fokus rückt.

Elias Wöstmann aus Aue und Elias Haas aus Neustädtel gehören zu jenen 14 Aktiven, die ihren Mitschülerinnen und Mitschülern künftig zur Seite stehen, wenn ihnen übel ist, sie sich verletzt haben oder sie ein anderes Unbehagen plagt. "Wir betreuen die Mädchen und Jungen, bis die Eltern da sind oder im schlimmeren Fall der Notarzt da ist", sagt Elias Haas. Ganz bewusst hat er sich für den Dienst entschieden, der mit Kindern von Klasse 7 bis 9 besetzt ist. "Ich bin in der Feuerwehr." Das Helfen liege ihm. Elias Wöstmann geht es ähnlich: "Wir sind da, um zu trösten und zu beruhigen." Auf die Aufgabe freuen sich alle sehr. Einen Einsatz gab es bisher nicht. "Doch wir sind alle gut vorbereitet", sagt Elias Haas.

Der Sanitätsdienst sei ein weiterer Mosaikstein in der Wertevermittlung, so Böhm. "Wir haben zwei Jahre darum gekämpft." Beim DRK in Beierfeld erfolgte die Ausbildung der Schulsanitäter, die nun von einem Mitglied der Johanniter fachlich betreut werden. Letzter Schritt war der Einbau der Lautsprecheranlage in den Klassenzimmern, damit die Helfer schnell gerufen werden können.

Schritte wie diese sind Pfarrer Frank Meinel wichtig. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des evangelischen Schulvereins, der 1998 mit der Idee einer einzügigen Grundschule startete. An dieser gibt es heute acht Klassen mit 190 Kindern, an der Oberschule zwölf Klassen mit 289 Schülern. Zu 37 Lehrern kommt Verwaltungs- und technischen Personal hinzu. "Das Wachstum stellt uns vor Herausforderungen - auch im Bereich der Wertevermittlung. Wir sind nicht besser als andere Schulen, aber anders, weil wir eigene Akzente setzen", so Meinel. "Wir sind für neue Ansätze stets offen."

Die Erfahrung zeige, dass Unternehmen und Ausbilder nicht nur auf Zensuren, sondern vermehrt aufs Benehmen und auf Regeln des Anstands Wert legen. "Darauf wollen wir die Heranwachsenden vorbereiten. Egal, aus welchen Verhältnissen sie kommen - damit alle eine Chance haben", sagt Meinel. Von einem Werteverfall will Antje Böhm nicht sprechen. "Ich denke eher, es ist ein Wertewandel, dem wir uns stellen müssen."

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