Schüler testen Berufe im Zehnminutentakt

Was mache ich nach der Schule? Für Achtklässler rückt diese Frage immer näher. Eine neue Aktion in Aue will helfen.

Aue/Schwarzenberg.

Teigstücke, Gipskarton-Waben, Webrahmen, Holz, Metall und Mikroelektronik - an 13 Stationen sind am gestrigen Dienstag im Kulturhaus Aue rund 200 Oberschüler Werkstücken aus verschiedensten Branchen begegnet. Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge hatte zur Veranstaltung "Berufe im Test" eingeladen, gekommen waren jeweils zwei achte Klassen der Oberschulen Zschorlau, Grünhain-Beierfeld, Aue-Zelle und von der Stadtschule Schwarzenberg.

Das Besondere dieser Art Berufsorientierung: Die Achtklässler hatten jeweils zehn Minuten Zeit, um die Aufgaben zu erfüllen, dann ging es zur nächsten Station. "Jeder Schüler testet sich in allem aus und kann nicht aussuchen, das ist das Prinzip der Veranstaltung", erklärt Kristin Kock von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge. "Wir wollen, dass die Schüler herausfinden, welche Berufe zu ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten passen und welche nicht."

Felix Wolf von der Stadtschule Schwarzenberg meinte an der Station der Auer Bäckerei und Konditorei Schellenberger zum Beruf Bäcker: "Warum nicht?" Für seine Teigstränge brauchte der Achtklässler allerdings etwas länger und auch das Flechten zu einem Zopf war für ihn nicht so einfach. Neidisch schielte er zu den Mädchen, die das besser drauf hatten. "Wir haben da das Handicap, dass wir selten Zöpfe flechten", sagte der Schüler. 555 Teiglinge hatte Geschäftsführer Alexander Schellenberger mitgebracht. Die Zöpfe werden Mittwochmorgen gebacken und von der Oberschule in der Filiale abgeholt.

An den meisten Stationen betreuten Lehrlinge der Unternehmen die Schüler bei der Lösung ihrer Aufgaben. Bei Aweba Aue war einer von dreien Fabian Lasch, für den die dreieinhalbjährige Ausbildung fast zu Ende ist. "Das ist auch für uns eine Abwechslung, es macht Spaß, den Schülern unsere Branche nahe zu bringen", sagte er. An Station von Aweba war die Aufgabe, nach einer technischen Zeichnung zwei Metallplatten auf verschiedene Weise zu verbinden, mit Schrauben beziehungsweise Stiften. Fabian Lasch erklärte, dass das eine typische Arbeit eines Werkzeugmachers ist und die Montage von Baugruppen am Anfang der Lehre steht. Er bescheinigte den Oberschülern, sich überraschend gut anzustellen. Die meisten würden es auch in der vorgegebenen Zeit schaffen. "Es wäre erfreulich, wenn sich der eine oder andere bei uns für ein Praktikum melden würde", sagte er. Dieses müssen die Achtklässler im kommenden Frühjahr absolvieren. So mancher ist noch auf der Suche nach einer Stelle. Wie Kristin Kock von der Wirtschaftsförderung berichtet, habe man deshalb bewusst Unternehmen aus dem Raum Aue-Schwarzenberg für das Berufe-Testen ausgewählt. Sie empfahl den Schülern, die Gelegenheit zu nutzen, um Kontakt mit den Unternehmen herzustellen.

Nick Oeser von der Stadtschule Schwarzenberg erzählt, dass er sich schon um ein Praktikum in der Kindertagesstätte Schatzsucher beworben habe. Der Schüler möchte einmal Erzieher werden. An der Station der Volkssolidarität Westerzgebirge, zu der die Kita gehört, stellte sich der Junge allerdings noch etwas ungeschickt beim Windelwechseln an. Die Babypuppe musste so einiges erdulden. "Im Praktikum werden die Achtklässler natürlich nicht in der Kinderkrippe eingesetzt", versicherte Sabine Weise, Erzieherin und Praxisanleiterin in der Schwarzenberger Kindertagesstätte. Es sei schwierig gewesen, eine Aufgabe für das Berufe-Testen zu finden, "wir wollten ja nicht als die Basteltanten vom Kindergarten rüberkommen", sagt die Erzieherin.

Die Entscheidung fürs Windelwechseln war wohl die richtige, denn sie sorgte für viel Spaß bei Jungen und Mädchen. Sabine Weise entdeckt unter ihnen viele, die bei ihr schon im Kindergarten waren. Dass Männer in dem Beruf arbeiten, sei schon lange nicht mehr ungewöhnlich. Auch bei der Kindertagesstätte Schatzsucher sind fünf Männer beschäftigt.

Etwas handfester ging es an der nächsten Station zu bei der Tischlerei Päßler aus Rittersgrün. Die Schüler bekamen dort Kerzenhalter in Form eines Fisches, an denen die Grate noch zu schleifen waren. Tischlermeister Toni Päßler wollte von allen wissen, ob sie denn schon entschieden hätten, welchen Beruf sie lernen wollen. Nur wenige antworteten mit einem Schulterzucken. "Da hat sich etwas gewandelt. Und es ist dieses Mal für mich erstaunlich, wie viele schon wissen, was sie machen wollen, das finde ich gut", so der Handwerker.

Das besondere Format, in einer Art Speeddating Berufe zu testen, hat die Wirtschaftsförderung Erzgebirge bislang in Annaberg und Marienberg und jetzt in Aue durchgeführt. Es soll eine Lücke schließen zwischen den etablierten Veranstaltungen wie der Ausbildungsmesse und der Woche der offenen Unternehmen. Während bei den beiden vor allem Informationen vermittelt und viele Fragen beantwortet werden, steht beim Berufe-Test die reine Praxis im Vordergrund.

"Das Nachwuchsproblem ist überall zu spüren, deshalb muss man sich etwas überlegen, die Veranstaltung der Wirtschaftsförderung ist eine Möglichkeit", sagt Danny Schneider, Praxisberater an der Stadtschule Schwarzenberg.

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