Schulkompromiss als Vorbild

Die Gemeinde Schönheide ist dabei, ein neues Entwicklungskonzept für die nächsten zehn Jahre zu erarbeiten. Die Bürger sollen dafür Ideen einbringen. Die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen wird eine Rolle spielen.

Schönheide.

Wer einmal eine Gemeinderatssitzung in Schönheide verfolgt hat, wird sie spüren, die ungewöhnliche Atmosphäre. Fragt man nach, so ist von "persönlichen Befindlichkeiten" die Rede. Wird sich das im neuen Gemeinderat ändern? "Es wird schwierig", sagt Reinhold Härtel, der 15 Jahre für die CDU im Gemeinderat saß, erneut aber nicht kandidiert. Er plädiert dafür praktische Entscheidungen zu treffen. "Es gibt so viel zu tun in Schönheide." Falko Auerswald, der für die gleiche Partei wieder antritt, sieht es ähnlich: "Man sollte weitsichtiger denken, das Begonnene beenden."

Die Einwohnerzahl in Schönheide geht zurück. Dem zu begegnen, will die Gemeinde ihren Flächennutzungsplan überarbeiten und dabei Bauwilligen Flächen direkt im Ort anbieten. Laut Amtsverweser Eberhard Mädler gibt es Schönheider, die Grundstücke verkaufen wollen. Zurzeit ist die Verwaltung dabei, diese zu erfassen, um sie als Bauland anzubieten. Aber auch an die ältere Generation wird gedacht, so mit der Schaffung von altersgerechtem Wohnraum.


Entwickelt aus einem doppelreihigen Waldhufendorf, ist für Schönheide charakteristisch, dass es sich über fünf Kilometer hinzieht und zudem von der Hauptverkehrsader ausgehend zu beiden Seiten am Hang "emporwächst". Überall gibt es daher Stützmauern. Nach und nach wird versucht, diese zu sanieren, doch ihr meist schlechter Zustand bleibt ein Problem. Mädler weiß von Zeiten, da in jedem der Häuser entlang der Hauptstraße ein Geschäft oder ein Handwerker zu finden war. Schönheide galt als Industriedorf. Heute gibt es etwa 300 Gewerbetreibende. Viele Häuser, die um 1880/90 entstanden, haben keine Nachnutzer. Abriss wird also auch in Zukunft eine Rolle spielen.

Die Hoffnung des Amtsverwesers ist, dass mit dem geplanten neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Insek) "Leben, Freizeit und Gewerbe auf die Reihe gebracht werden können". Bei der Erarbeitung dieses Konzeptes sollen die Schönheider einbezogen werden. "Es gibt schon jetzt viele gute Ideen, das Insek soll sie wie Perlen auf eine Schnur auffädeln", sagt Mädler. Geplant seien Einwohnerversammlungen. Mädlers Hoffnung: "Dass möglichst viele Leute mitmachen." Seine Erfahrung sei, dass die Leute dabei sind, "wenn man ein gutes Konzept hat".

Als ein solches habe sich der Schulkompromiss herausgestellt, den Schönheide und Stützengrün 2001 miteinander fanden. Der ist auch heute laut Mädler "zukunftsweisend, denn man lebt hier gemeinsam auf der Scholle". Ein Miteinander - auch mit anderen Kommunen - ist aus Mädlers Sicht möglich, in welcher Form, das sei offen.

Mädler ist Amtsverweser der Gemeinde Schönheide, weil Bürgermeister Kai Wilhelm (parteilos) im Dezember 2017 von Landrat Frank Vogel (CDU) beurlaubt wurde. Mädler sieht sich als "Brückenbauer". Das will er sein "bis zu einem Tag X", an dem die Entscheidung über Wilhelm getroffen werde.

Auf der Kandidatenliste zur Gemeinderatswahl steht auch Olaf Schulz, der für die CDU kandidiert. Er ist bekannt für kritisches Hinterfragen von kommunalpolitischen Entscheidungen. "Es gibt keine Konzeptionen, es wurden in den zurückliegenden Jahren Millionen ausgegeben, ohne dass der Gemeinderat die Ausgaben ordentlich kontrolliert hätte, der Bürger wird außen vorgehalten", ist seine Kritik. Sein Paradebeispiel: die Kosten für den Abenteuerspielplatz.


Diese Kandidaten treten an

Bewerber der Christlich Demokratischen Union (CDU): Jörg Meichsner, Falko Auerswald, Ute Weinberger, Olaf Schulz, Bernd Oschatz, Antje Schürer, Klaus Meißner, Frank Menzel, Matthias Löschner, Sven Köhler, Frank Gleißner, Marion Gebhardt, Tom Kehrer, Ulli Richter.

Bewerber der Unabhängigen Wählergemeinschaft Schönheide (UWG): Matthias Büttner, Peter Unger, Andreas Unger, Wolfgang Falk, Isolde Rachold, René Lenk, Jürgen Lenk.

Bewerber der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD): Günter Möckel.

Bewerber der Alternative für Deutschland (AfD): Peter Bachmann, Fabian Gerisch.

Bewerber der Freien Demokratischen Partei (FDP): Thilo Körnig, Willy Lenk.


Zahlen und Fakten

Die Gesamtfläche von Schönheide beträgt 28,15 Quadratkilometer, fast 18 Quadratkilometer davon sind Waldfläche. Schönheide grenzt an sechs Umlandgemeinden; vier im Vogtland, zwei im Erzgebirge.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde liegt bei 4416 (Dezember 2017). Im Jahr 2018 gab es in der Gemeinde 83Sterbefälle, 25 Babys wurden geboren.

Im aktuellen Gemeinderat hat die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) mit neun Sitzen die Mehrheit. Die CDU hat fünf Sitze, die SPD zwei.

Vier kommunale Kindertagesstätten mit insgesamt rund 200 Plätzen gibt es in der Gemeinde. Die Oberschule Schönheide ist zweizügig und hat aktuell 257 Schüler. Die Grundschüler aus Schönheide besuchen die Grundschule in Stützengrün.


Was sich Bürger wünschen

Was wünschen sich Bürger vom neuen Rat? "Freie Presse" hat sich in Schönheide umgehört:

Dieter Wappler (74): "Ich wünsche mir, dass im neuen Gemeinderat Frieden und eine gute Streitkultur ohne Polemik Einzug halten. Nur so können Entscheidungen getroffen werden, die dem Ort wirklich dienen. Unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit sollten die Abgeordneten aufeinander zu gehen. Mir ist es wichtig, dass öffentliche Gelder verantwortungsvoll ausgegeben werden. Besonders betrifft das die derzeit unnötig hohen Kosten für zwei Bürgermeistergehälter."

Christin Mädler (28): "Als junge Mutter wünsche ich mir ein familienfreundliches Wohlfühl-Klima im Ort. Mit vier Kitas ist Schönheide gut versorgt. Hier sollte zukünftig nicht gekürzt werden. Die ausreichend vorhandenen Spielplätze können hoffentlich weiterhin in gutem Zustand gepflegt bleiben. Größere Wohnungen für Familien mit zwei oder mehr Kindern sind dagegen rar. An dieser Stelle ist aus meiner Sicht Handlungsbedarf für den neuen Gemeinderat."

Niels Geiler (35): "Mir ist es wichtig, dass die bestehenden verkrusteten Strukturen im Gemeinderat aufgebrochen werden. Ich hoffe auf neue, jüngere Leute mit frischen Ideen. Die sollten verstärkt Augenmerk auf die Finanzen legen. Ich habe den Eindruck, derzeit wird im großen Stil Geld ausgegeben, ohne Blick auf die Einnahmen. Als Unternehmer finde ich im Ort gute Bedingungen. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung funktioniert." (riul)

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