Schulleiter nach Sex-Vorwurf beurlaubt

Am Amtsgericht Aue wurden weitere Zeugen gehört

Aue/Schwarzenberg.

Am zweiten Verhandlungstag lauerten Fotografen in den Fluren des Amtsgerichts Aue. Sie wollten den Schulleiter vors Objektiv bekommen, der sich an einer Grundschülerin vergangen haben soll. Die beiden Fotografen kamen im Auftrag einer Boulevardzeitung. Da sie nicht wussten, wie der Angeklagte aussieht, lichteten sie jeden Mann ab, der in Frage zu kommen schien. Später löschten sie solche Aufnahmen wieder. Als der Angeklagte schließlich erschien, ging er mit raschen Schritten und erhobenen Hauptes an ihnen vorbei.

Der heute 53-Jährige muss sich dem Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern stellen. Eine ehemalige Schülerin (heute 19) hat ihn angezeigt. Er habe sich ihr über die gesamte Grundschulzeit genähert, in der vierten Klasse sei es dann "zu den großen Sachen" gekommen. "Ich habe es lange Zeit verdrängt", sagte die junge Frau der "Freien Presse". "Ich war schüchtern, und keiner ist auf mich eingegangen." Erst als sie 17 war, hörte ihr jemand zu - ihr damaliger Freund.

Der junge Mann musste gestern aussagen. Die Geschädigte hatte sich ihm einst in einem langen Gespräch anvertraut. Die Eltern der jungen Frau wurden ebenfalls vernommen. Verteidiger Reinhard Röthig brachte eine zusätzliche Zeugin mit, die offenbar etwas aussagen sollte, das seinen Mandanten entlastet. Auch sie wurde gehört. Erneut lief das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Angeklagte bestreitet die Taten. Er sitze da und schüttele zu allem den Kopf, berichtete ein Zeuge.

Die junge Frau, die als Nebenklägerin auftritt, war gestern nicht im Gericht. Sie musste ihre Abiturprüfung schreiben. Sie weiß nicht, ob sie bestanden hat, aber sie habe ein gutes Gefühl, sagte sie später.

Bei Prozessbeginn vor anderthalb Wochen war der Schulleiter noch im Dienst gewesen. Inzwischen hat die Sächsische Bildungsagentur Chemnitz reagiert. Nach den Osterferien kehrte der Mann nicht in die Schule zurück. Seit Montag ist er beurlaubt. Die Freistellung gelte vorerst bis 12. Mai, sagte ein Sprecher der Behörde. Wie es danach weitergeht, sei offen. Nach Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils sei aber auch eine frühere Entscheidung möglich. Auf jeden Fall werde man sehr genau abwägen, so der Sprecher.

Der Prozess wird am 8. Mai fortgesetzt. Dann sollen eine Gutachterin zu Wort kommen und die Plädoyers gehalten werden. Auch mit dem Urteil ist zu rechnen.

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