Seifekochen ist wie Kuchenbacken - mit einem Schuss Alpaka

Sauber geht immer: Innerhalb von fünf Jahren hat Sabine Richter aus einem Hobby ein Unternehmen mit vier Mitarbeitern gemacht. Sie beliefert heute mehr als 700 Abnehmer. In Stützengrün hat jetzt ihre neue Manufaktur eröffnet.

Stützengrün.

Früher war Marco Werner (28) Koch, heute arbeitet er als Seifenkoch. Sein Arbeitsplatz unterscheidet sich aber nicht so sehr von der Küche in einem Restaurant. Arbeitsplatten aus Edelstahl, Töpfe, Messbecher, ein elektrischer Pürierstab: alles da. Nur sein Kittel ist nicht mehr weiß, sondern schwarz, und er muss Handschuhe und einen Plexiglasschild vor dem Gesicht tragen, der ihn vor der Lauge schützt, mit der ein Seifenkoch umgehen muss.

Ähnlich wie das Zubereiten einer guten Suppe ist auch Seifesieden eine Kunst. "Man muss wissen, welche Zutaten man bei welchen Temperaturen zusammenbringen kann. Sonst passiert es, dass die Seife sofort hart wie Beton wird", sagt Werner.


Seine Chefin Sabine Richter (53) nennt ihn "die Stütze unserer Produktion". Seitdem ihre Firma La Ri Savon ständig wächst, muss sie sich zunehmend um Buchhaltung, Auftragsabwicklung und das Pflegen von Kundenkontakten kümmern. Da braucht sie in der Küche jemanden, der sich wie sie auf die Kunst der Seifenherstellung versteht.

Als Sabine Richter vor fünf Jahren La Ri Savon gründete, machte sie damit ihr Hobby zum Beruf. "Ich hatte eine Liste von Dingen die ich in meinem Leben machen wollte", sagt sie. "Töpfern, Fallschirmspringen, Seife sieden. Das ging mir gut von der Hand. Irgendwann hatte ich so viel Seife zuhause, wie ich mein Leben lang nicht hätte verbrauchen können." Sie fasste sich ein Herz und meldete ein Gewerbe an.

Inzwischen ist ihre erste Produktionsstätte in Steinberg (Vogtlandkreis) zu klein geworden. Als der alte Getränkemarkt an der Schönheider Straße im benachbarten Stützengrün zum Kauf angeboten wurde, wagte sie den nächsten Schritt. Mit Hilfe eines stillen Teilhabers investierte sie 200.000 Euro und richtete eine neue, größere Werkstatt ein. Verwaltung und Formenbau bleiben in Steinberg. In Richters Firma sind heute vier Mitarbeiter beschäftigt.

Zur neuen Manufaktur gehört ein Laden, in dem jeder die Seifen von La Ri Savon und diverse andere Naturkosmetik-Produkte kaufen kann. Hauptabnehmer aber sind Kosmetikstudios, Hotels und Pensionen im ganzen Land sowie europaweit mehr als 700 Hofläden.

Letztere haben eines gemeinsam: Es handelt sich um Höfe, auf denen Alpakas gehalten werden. Fasern aus dem Fell der kleinen Kamele sind ein wichtiger Bestandteil der Seifen von La Ri Savon. "Die Alpakazüchter schicken uns regelmäßig Tierfasern", sagt Sabine Richter. "Wir verflüssigen diese und mischen das Keratin unseren Seifen bei." Auf diese Weise erhält jeder Hofladen Seife, an deren Herstellung die eigenen Tiere beteiligt waren.

Etwa 40 Kilogramm Fasern verarbeitet La Ri Savon jährlich. Das ergibt um die 20.000 Stück Seife. Drei Alpakas, deren Haare zu Kosmetik werden, stehen übrigens auf dem Freigelände des Marienstifts in Schwarzenberg. Die Enderzeugnisse gehen an die Erzgebirgische Krankenhaus- und Hospitalgesellschaft.

Für Alpaka-Keratin entschied sich Sabine Richter nach eigenem Bekunden, weil es die Seife seidenglatt macht und für feinporigen Schaum sorgt. "Gewaschene Haare sind ohne Conditioner kämmbar, und viele Kopfhautprobleme gehören der Vergangenheit an", sagt sie.

Allerdings macht Keratin nur einen kleinen Anteil im fertigen Seifenstück aus. Dazu kommen Öle, Fette, Lauge, Düfte. Sabine Richter kreiert ihre Seifen aus mehr als 300 Rohstoffen. "Das ist wie Kuchenbacken", sagt sie. "Sie wissen, da sind Eier drin, Butter und Mehl, aber Sie brauchen ein Rezept, damit es Kuchen wird." So viele Rezepte sie auch entwickelt hat, auf eines achte sie immer, sagt die Geschäftsfrau: "In meine Seifen kommt nur das hinein, was nötig ist, damit das Produkt seine Aufgabe erfüllen kann."

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