Seniorin verschluckt Gebiss: Gericht spricht Krankenschwester frei

Aue.

Im Prozess um den Tod einer Patientin (84), die ihr Gebiss verschluckt hatte, ist die angeklagte Krankenschwester (46) am Freitag  am Amtsgericht Aue freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Richter Christian Weiß urteilte, im Krankenhaus seien viele kleine Fehler passiert, die jedoch keine strafrechtliche Verfolgung dieser konkreten Schwester rechtfertigten. Damit folgte er dem Antrag von Verteidiger Andreas Baumann. Staatsanwalt Norbert Metzger hatte eine Verurteilung gefordert, jedoch die im Raum stehende Geldstrafe von 6000 Euro in seinem Antrag bereits auf 3000 Euro reduziert.

Die Angehörigen der gestorbenen Seniorin zeigten Verständnis für das Urteil. Es habe die Falsche auf der Anklagebank gesessen, sagten sie der "Freien Presse". Ihre zivilrechtlichen Ansprüche gegen die Klinik wollen sie aber weiterverfolgen. 

Der Unfall hatte sich Anfang März 2018 auf der kardiologischen Abteilung der Kliniken Erlabrunn ereignet. Irgendwann während ihres Aufenthaltes muss die Patientin ihre Unterkiefer-Zahnprothese verschluckt haben. Sie hing im Hals fest. Durch Einatmen von Nahrungsresten auf der Prothese zog sich die Frau eine Lungenentzündung zu, an der sie kurz nach ihrer Entlassung starb.

Die Tochter der Seniorin hatte während eines Besuchs am Tag vor der Entlassung bemerkt, dass ihre Mutter Schmerzen hatte, offenbar im Hals. Sie stellte auch fest, dass ihr Gebiss fehlte. Sie bat darum, dass sich ein Arzt ihre Mutter ansieht. Die Krankenschwestern der Spätschicht gaben diesen Wunsch weiter, doch es tauchte nie ein Arzt auf. (mu)

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