Babys aus Aue: Sie heißen Jesselyn-Joleen und Leona Cassiopaia

Wenn es um Vornamen geht, machen sich Eltern viele Gedanken. Die Auer scheinen dabei besonders kreativ zu sein, wie eine neue Statistik zeigt.

Aue-Bad Schlema.

Aue ist nicht nur für seine erfolgreiche Profi-Fußballmannschaft bekannt. Das Standesamt schickt jedes Jahr auch eine Nachricht, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus Schlagzeilen macht: eine Statistik mit den beliebtesten Vornamen beim Nachwuchs. Und diese Liste zeigt, wie kreativ die Erzgebirger sind. Luna Joyce, Chigy-Fay, Thekla, Leona Cassiopaia, Charlie Vaiana, Kira-Zoey oder Jesselyn-Joleen - das sind nur ein paar der Vornamen, die Eltern im vergangenen Jahr für ihren Sprössling auswählten. Sie waren so einmalig wie Lucio Emilio, Gideon, Aiden, Jerome Pascal und Ragnar Carsten.

Die Stadtsprecherin Jana Hecker kann sich nicht so recht erklären, woher der Faible der Auer für immer ausgefallenere Namen kommt. 2017 waren es beispielsweise Tinkerbell und Woldemar, 2016 Canan-Naeyli und Pepe-Joel, 2015 Holli Hilda und Alyson Aubery. "Es hat eines Tages angefangen und jetzt ziehen andere Eltern nach. Irgendwann sitzen Sauna-Finka und Oil Of Olaf nebeneinander in der Schule", sagt sie und lacht. "Wir haben die ungewöhnlichsten Namen Deutschlands."

Gabriele Rodríguez von der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig befasst sich von Berufs wegen mit Namenstrends. Sie sagt, dass ungewöhnliche Bezeichnungen wie Leona Cassiopaia schon längst keine Ausnahme mehr sind. "Es gibt einen stark ausgeprägten Individualismus. Manche Eltern sind mit dem vorhandenen Namensbestand nicht zufrieden. Sie suchen für ihren besonderen Nachwuchs einen besonderen Namen."

Zu beobachten sind dabei verschiedene Trends. Während laut Gabriele Rodríguez die bildungsfernen Schichten eher auf englischsprachige Namen wie Joel, Amelie oder Cheyenne setzen, sind bei Akademikern zunehmend altdeutsch-germanische Namen wie Karl, Otto und Frieda gefragt. Die Mittelschicht greife hingegen gern zu traditionellen, klangvollen Namen. Dazu zählt sie Maria, Benjamin und Emma. Ein weiterer Trend: kurze Namen.

Nach Untersuchungen der Namensberatungsstelle aus dem Jahr 2015 wächst der Bestand an Vornamen in Deutschland jedes Jahr um mehr als 1000 Begriffe. Neu ist beispielsweise der Vorname Vaiana, der an den gleichnamigen Disney-Animationsfilm angelehnt sei, berichtet Gabriele Rodríguez. "Das zeigt, wie groß der mediale Einfluss ist." Aufsteigend in der Gunst sei auch der Name Lucifer, seitdem der Fernsehsender Pro Sieben eine gleichnamige Serie ausgestrahlt hat. "Wir hatten dafür mehrere Anfragen, konnten aber keine Empfehlung abgeben", sagt sie. "Es ist unklar, ob das Wohl des Kindes gewährleistet ist."

So beliebt ungewöhnliche Vornamen sind, auch im hiesigen Standesamt führen eher traditionelle Namen die Hitliste an wie Lina, Sophie, Marie und Emma. Bei den Jungen sind es Leon, Ben und Paul. Insgesamt kamen in Aue im vergangenen Jahr 645 Kinder zur Welt, das sind 25 mehr als 2017. Gemeldet wurden zudem 15 Mehrlingsgeburten.

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7Kommentare
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  • 3
    0
    Deluxe
    14.01.2019

    Mein gestriger Kommentar ist leider der redaktionellen Vor-Auswahl zum Opfer gefallen.

    Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, daß in einer ausgeprägten Niedriglohn-Region, die das Erzgebirge nunmal leider ist, die bildungsfernen Schichten sehr wahrscheinlich größere Bevölkerungsanteile ausmachen als in den Boom-Regionen der Republik, wo anständige Löhne bezahlt werden.

    Das Erzgebirge hat seit 1990 viele hochqualifizierte Fachkräfte verloren, da nahezu die gesamte Industrie vernichtet wurde. Darunter eben auch viele Akademiker. Zuerst floh man vor der Arbeitslosigkeit, später (und bis heute) vor den niedrigen Löhnen.
    Das gleichen die neuen Wirtschafts-Ansiedlungen nicht aus - und kleine Familienbetriebe sowie Mittelständler auch nicht. Insbesondere dann nicht, wenn selbst gut ausgebildete Fachkräfte kaum übers Mindestlohniveau hinauskommen.

    Wo der Anteil an prekären sozialen Verhältnissen in der Bevölkerung besonders hoch ist, umso mehr Namen der Kategorie Jesselyn-Joleen gibt es. Das ist nunmal so und die Namenberatungsstelle sagt das ja auch ganz klar.

    Weiß gar nicht, warum man - Kalauer - das Kind nicht beim Namen nennen darf und deshalb Kommentare verlorengehen...

  • 8
    0
    CPärchen
    13.01.2019

    "Unser Kind ist ja soo individuell" scheinen sich die Eltern zu denken. Das Kind hat doch jetzt schon mit dem Namen immer ein Holzklotz am Bein auf dem Weg des Lebens.

    Lustig finde ich auch, dass sich hier alle Kommentare mal einig sind :D
    Mir fehlt nur noch Blackadder und ArndtBremen^^

  • 15
    0
    Einspruch
    13.01.2019

    Dschesselien Dschohlien und Läohnah Kasschobeier, auf sowas wäre ich nicht gekommen, gebe ich zu. Bei Doppelnamen schwant mir immer was.

  • 15
    0
    Freigeist14
    13.01.2019

    Bevor Kindergärtnerinnen oder Lehrer die Namen richtig ausgesprochen haben ist es Mittag oder das Pausenklingeln ertönt .

  • 21
    1
    suzuki
    13.01.2019

    Aue ist sicher nicht das Mekka der so genannten Bildungsfernen, Spinner gibt es überall. Aber vielleicht wirkt hier bei einigen noch eine gewisse Strahlung aus früheren Bergbauzeiten nach. Allerdings tun mir die Kinder leid, die unter dem Schwachsinn ihrer Namensgeber leiden müssen.

  • 19
    0
    vomdorf
    13.01.2019

    Und jetzt sprechen wir diese Namen mal in unserem erzgebirgischen Dialekt.... ganz abgesehen davon, dass es ewig dauert bis die Kinder ihren Namen schreiben können.

  • 13
    0
    bicicleta
    12.01.2019

    Wenn Gabriele Rodriguez Recht hat, dann wohnen in Aue die Bildungsfernen :-)



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