Silberberg: Rückhalt aus der Wirtschaft

Einer der wichtigsten Industrievereine in der Region bekennt sich zur Einheitsstadt - und zeigt den vier Stadtchefs die Gelbe Karte.

Aue/Schneeberg.

Zoff, immer wieder Zoff. Die geplante Fusion zur großen Einheitsstadt Silberberg lieferte zuletzt vor allem wegen Dauerquerelen zwischen den vier Bürgermeistern aus Aue, Schneeberg, Lößnitz und Bad Schlema Schlagzeilen. Mal stritt man über eine Werbekampagne für das Projekt, mal eskalierte die Diskussion über einen möglichen Namen für die künftige Erzgebirgsmetropole mit rund 45.000 Einwohnern.

Höhepunkt war die jüngste Beiratssitzung in Schneeberg, die mit einem Eklat endete. Nachdem sich die Bürgermeister vorgeworfen hatten, Absprachen aus der Vergangenheit nicht einzuhalten, sagte der Schneeberger Stadtchef Ingo Seifert in Richtung seiner Amtskollegen: "Ich schäme mich, wie wir miteinander umgehen."

Es schien, als drohe das Projekt noch vor dem geplanten Bürgerentscheid im Herbst 2017 zu scheitern. Doch nun kommt unverhofft Rückendeckung aus der Wirtschaft. Einer der wichtigsten Industrievereine in der Region, die Industrie- und Gewerbevereinigung Aue, kurz IGA, bekennt sich öffentlich zur Einheitsstadt. Der Verein vertritt laut eigenen Angaben mehr als 100 Betriebe aus Aue, Bad Schlema, Schneeberg, Lauter und Schwarzenberg mit schätzungsweise 12.000 Arbeitnehmern, darunter sind Wirtschafts-Schwergewichte wie die Auerhammer Metallwerke und die Textilfabrik Curt Bauer.

In einem Schreiben an die Rathäuser in den vier Kommunen, das der "Freien Presse" als Entwurf vorliegt, fordert man die Bürgermeister auf, das Projekt umzusetzen. Nur mit einer Einheitsstadt sei nach dem Auslaufen des Solidarpaktes 2019 eine zukunftsorientierte Entwicklung zu gewährleisten, heißt es.

Das Schreiben, es ist wie eine Gelbe Karte an die Bürgermeister, eine Art Weckruf, sich zusammenzuraufen. Als Vorteile listet der Brief etwa einen möglichen Ausbau von Straßen durch eine bessere Finanzausstattung auf. Und weiter: Nur wenn man den Weg zur Fusion beschreitet, könne man den Bürgern ein Umfeld mit Lebensqualität bieten.

Bei einer Mitgliederversammlung der IGA am Montagabend in Aue ist der Brief - wohl in einer leicht veränderten Fassung - beschlossen worden. Die Vorstandsvorsitzende Katrin Winkler will sich zum Inhalt nicht weiter äußern, da das Schreiben noch intern in der Abstimmung sei, sagt aber: "Wir unterstützen Silberberg inhaltlich genauso wie eine Informationskampagne für das Projekt."

Der Bürgermeister von Bad Schlema, Jens Müller - selbst Verfechter von Silberberg -, hat das Schreiben bereits gelesen. Es sei ein "positives Feedback" und überzeugend, sagt er. "Ich freue mich, dass sich die IGA hinter uns stellt. Ich kann nur jeden Punkt darin unterschreiben." Mit einer Einheitsstadt seien die Chancen auf Einfluss in Dresden, etwa wenn es um den Erhalt der Bahnverbindungen geht, größer. Das Schreiben werde bei den Skeptikern seine Wirkung entfalten, ist er sich sicher.

Wen Müller damit meint, ist ein offenes Geheimnis: die Stadtchefs in Schneeberg und Lößnitz, die sich zu den Fusionsplänen bisher eher skeptisch geäußert hatten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...