Silberberg schrumpft wohl zum Silberzwerg

In Sachen Einheitsstadt kommen die Akteure auf keinen gemeinsamen Nenner. Sitzt der Beirat im März letztmals zusammen?

Lößnitz.

Seit Januar führt der Lößnitzer Alexander Troll (CDU) den Vorsitz im Rat der Bürgermeister der Einheitsstadt Silberberg. Eine Stellung, die er turnusmäßig übernommen hat. Auch der Auer Heinrich Kohl (CDU) und der Bad Schlemaer Jens Müller (Freie Wähler) waren schon dran. Es ist ein rotierender Posten - wie die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union. Mit dem Unterschied, dass es Silberberg noch gar nicht gibt. Und ob es jemals gegründet wird, ist fraglicher denn je.

Am 8. März dürfte die Vorentscheidung fallen. Unter dem Vorsitz von Alexander Troll kommt dann in Lößnitz der Silberberg-Beirat zusammen. Im Gegensatz zu vorherigen Sitzungen wird diese hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Beteiligten wollen Tacheles reden, und vielleicht wird es die letzte Beiratssitzung sein. Dann nämlich, wenn nach Schneeberg auch Lößnitz den Kreis der Silberberger verlässt. "Ich würde es zwar nicht einen Showdown nennen, aber es wird zur Aufklarung kommen", sagt der Auer Oberbürgermeister Kohl. Sein Lößnitzer Amtskollege Troll erklärt: "Das Ergebnis ist völlig offen."

Die Zustimmung zu Silberberg unter den Lößnitzer Lokalpolitikern schwindet dieser Tage zunehmend. "Bisher haben wir ja keine Vereinbarung, die wir unseren Bürgern bei dem für September geplanten Entscheid vorlegen können", sagt CDU-Fraktionschef Thomas Klan. "Es wird wohl nicht zu schaffen sein."

Der grundlegende Zwist besteht darin, dass die Lößnitzer vor der Städtefusion möglichst genau regeln wollen, wo welches Amt angesiedelt wird und wie die Millionenzuweisungen des Freistaats verteilt werden. Auch drängen sie auf einen Finanzausgleich zwischen den Partnern. Bad Schlema etwa käme mit kriselndem Haushalt in die Ehe, Lößnitz und Aue stehen finanziell stabil da. Zu den Forderungen aus Lößnitz gehört darüber hinaus, dass der Bürgermeister von Silberberg seinen Sitz in der Muhme nimmt.

Der jüngste Vorschlag aus Aue wischte all dies vom Tisch. OB Kohl teilte den Lößnitzern mit, dass über die konkrete Ämterverteilung doch am besten der neue Silberberg-Stadtrat entscheiden und der neue Oberbürgermeister seinen Sitz selbst wählen soll. Die Auer Stadträte hatten zuvor befunden, dass die Ämterverteilungslisten aus Lößnitz einen Partner stark bevorteilen: Lößnitz.

Willi Kreutel, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft Affalter, sieht es andersherum: "Wenn der neue Stadtrat entscheidet, wissen wir, wie das ausgeht. Aufgrund der Bevölkerungszahl werden die Auer in diesem Rat die Mehrheit haben." Auch habe er den Eindruck, dass Aue die Millionen aus Dresden bereits fest für Prestigeprojekte wie die Wellner-Brache, das Erzgebirgsstadion und das Sportleistungszentrum am Bahnhof verplant habe. SPD-Fraktionschef Manfred Schulz sagt: "Ich finde es eigenartig, dass wir uns nach Aue richten sollen."

OB Kohl erklärt, warum er die Ämterverteilung für irrelevant hält: "In jedem der drei Orte wird es Bürgerzentren geben. Dort können die Leute alles erledigen. Wo die Ämter sitzen, ist da doch egal." Falls die Lößnitzer sich damit nicht zufriedengeben, wird am Ende wohl nur eine kleine Fusion von Aue und Bad Schlema bleiben. Aber das wäre dann nur noch ein Silberzwerg.

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