So kämpft das Erzgebirge gegen die Schneemassen

Der Winter hat die Region weiter fest im Griff. Über Nacht wuchs die Schneedecke erneut um mehr als einen halben Meter an. Das bringt viele Probleme mit sich.

Aue/Schwarzenberg.

Muskelkraft und Technik sind gefragt in diesen Stunden. In der Nacht zu gestern hatte es ununterbrochen geschneit, was die Höhe der weißen Pracht vielerorts wachsen ließ.

Carlsfeld in den Nachrichten: Von der Außenwelt abgeschnitten? Wen man in Carlsfeld gestern auch fragte, alle kommentierten die Meldung, die gestern bei einige Medien die Runde machte, mit Kopfschütteln. Bürgermeister Uwe Staab, der mit seinem Bauhofleiter alle Ortsteile aufsuchte, deklarierte das sogar als Falschmeldung. "Ich weiß nicht, wer das in die Welt gesetzt hat." Gestern wurde die Fräse zum Einsatz gebracht. Jetzt wachsen entlang der Hauptstraße einen Meter hohe Schneewände, die Trasse an sich ist verengt auf fast nur noch eine Spur. Was die Kammloipe betrifft, so ist für heute eine Begehung geplant. "Freitagnachmittag entscheiden wir, ob wir am Samstag spuren", sagt Staab. Aufgefräst würde dann auch der Parkplatz an der Kammloipe. "Wir können aber nicht alles gleichzeitig machen, die Bauhofleute sind von früh 3 Uhr bis in den Abend unterwegs", zollt ihnen der Bürgermeister Anerkennung.

In Carlsfeld selbst nehmen die Leute die Situation gelassen. "Wir gehen trotzdem raus, auch wenn wir bis zu den Hüften im Schnee versinken", sagt Gisela Tauscher. Sie ist Rentnerin, hilft aber im Dorfladen aus, der gestern gut gefüllt war. Zu den Kunden gehörte auch ein Paar aus Hessen, das in Carlsfeld Urlaub macht und erstaunt war angesichts der Schneemassen. Abgesagt wurde die heutige Fackelwanderung, für die Wanderleiter Hubert Brehme schon 80 Anmeldungen hatte. "Durch den Wald - das wäre zu gefährlich", sagt er.

Gerüchte auch über Johanngeorgenstadt: Auch über die Bergstadt hieß es, sie sei abgeschnitten, doch das war ebenfalls übertrieben. "Wir sind erreichbar, auch die Busse fahren", sagte Bürgermeister Holger Hascheck. Allerdings sei der Winterdienst an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

Kein Vergnügen auf der Kammloipe: Unklar war gestern noch, ob die großen Parkplätze an der Kammloipe in Johanngeorgenstadt bis zum Wochenende geräumt werden können. "Die Straßen haben Vorrang, als nächstes sind die Anwohnerparkplätze dran", sagte Bürgermeister Holger Hascheck. Der Skilift Johanngeorgenstadt wird aber öffnen.

Wintersport in Schönheide: Sonnenloipe und Rundloipe am "Forstmeister" sollen heute in Schönheide gespurt werden. Das Freilaufen an der Eishalle ist laut Gemeinde heute und morgen aber nicht möglich.

Einbahnstraßen in Zwönitz: Nach heftigen Schneefällen erklärt die Stadt Zwönitz ab heute mehrere Straßen vorübergehend zu Einbahnstraßen. Das betrifft nach Auskunft der Stadtverwaltung unter anderem den Ring der Goethestraße, den Abzweig der Bahnhofsstraße in Richtung Lessingstraße sowie die Neue Straße. Wegen der Schneebruch-Gefahr hat das Rathaus zudem bis auf weiteres den Zugang zu allen Waldbereichen gesperrt.

Schulen bleiben geschlossen: Der Wintereinbruch wirbelt auch weiter den Stundenplan vieler Schulen in der Region durcheinander. Nach Angaben der Auer Stadtverwaltung fiel gestern beispielsweise der Unterricht am Clemens-Winkler-Gymnasium und an der Grund- und Oberschule Aue-Zelle aus. Heute soll zudem kein Unterricht an der Grundschule Albrecht Dürer, an der Pestalozzi-Schule, der Grundschule Auerhammer und der Grundschule in Bad Schlema stattfinden, heißt es. Eine Notfallbetreuung der Kinder sei aber abgesichert.

Auch in Schneeberg bleiben heute alle Schulen im Stadtgebiet geschlossen, ebenso in Zwönitz.

Winterpause im Zoo: Anders als erwartet, ist der Auer Mini-Zoo gestern dann doch eingeschneit worden. Bis heute bleibt der Tierpark deshalb nach Auskunft der Stadt voraussichtlich geschlossen. Auch der Wochenmarkt entfällt heute.

Polizei sperrt Straßen: Die zentrale Verbindungsstraße zwischen Aue und Bernsbach war gestern nach Angaben der Polizei vorübergehend nicht passierbar. Nach Schneebruch und mehreren liegen gebliebenen Lastwagen war die Straße Oberpfannenstiel am Donnerstag gesperrt worden. Gleiches gilt für die Staatsstraße 274 zwischen Sosa und Jägerhaus und die Steigerstraße in Johanngeorgenstadt.

Voll gesperrt war bereits am Mittwoch der Auer Autobahnzubringer (S 255). In der Nacht auf gestern gab die Polizei die Straße dann wieder für den Verkehr frei.

Zu Einschränkungen kam es gestern auch auf der Schiene. Die Erzgebirgsbahn hat den Zugverkehr in der Region witterungsbedingt komplett eingestellt. Heute sollen die Züge wieder rollen.

Zeitungszusteller eingeschneit: Nichts geht mehr, heißt es seit Mittwoch für René Urban im Eibenstocker Ortsteil Wildenthal. Der Zeitungszusteller, der die "Freie Presse" normalerweise bis nach Carlsfeld bringt, kam wegen der Schneemassen nicht mehr mit dem Auto aus dem Haus. "Es liegen hier 1,20 Meter Schnee und es schneit immer noch weiter", sagte er.

Wind und Wetter scheut Urban sonst aber nicht. "Jeden Morgen um 3 Uhr geht es los", erzählt er. Weil einige Häuser abseits der Straße stehen, müsse er sich im Winter aber auch mal durch Schneeverwehungen von einem halben Meter Höhe kämpfen, sagt er. "Ich hoffe, dass sich die Situation bis zum Wochenende entspannt." (juef/ike/mu)

Winter in der Region - Bilder vom Mittwoch

Winter in der Region - Bilder vom Donnerstag

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