Solist verlässt ohne Zugabe den Saal

Die "Klassik am Nachmittag" im Kulturhaus Aue endete mit einem großartigen Mozart-Konzert. Ein Nachgeschmäckle blieb.

Aue.

Mozart wurde nur 36 Jahre alt, also könnte er eine geheime Brigade gehabt haben, die heimlich an seinem riesigen Gesamtwerk mitarbeitete. Ein Otto-Normalkomponist würde dafür zweihundert Jahre brauchen, ohne ansatzweise Mozart-Qualität zu erreichen. Diese Qualität erreichte die Erzgebirgische Philharmonie bei der letzten "Klassik am Nachmittag" im kleinen Saal des Auer Kulturhauses mit dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 A-Dur KV 488.

Solist war Markus Teichler, Schauspielkapellmeister am Annaberger Theater. Er spielte und dirigierte das Finale des Konzertes so draufgängerisch leichtflüssig, dass die Zuhörer mit kräftig forderndem Beifall eine Zugabe verlangten. Der Maestro lief jedoch nur zur Saaltür, dann wieder in den Beifall nach vorn, freute sich lachend über seine Blumen und ließ es gut sein. Offensichtlich fühlte er sich in seiner Doppelfunktion als Dirigent und Solist weit unterbezahlt. Vielleicht kann das Publikum das nächste Mal eine Zugaben-Kollekte für Sir Markus Teichler veranstalten.

Mit "Sinfonische Serenaden" war das Konzert überschrieben. Zunächst erfreuten sich die Konzertliebhaber an der hierzulande unbekannten Serenade B-Dur op. 43 des dänischen Komponisten Emil Hartmann (1836-1898). Ein Mini-Orchester spielte das markante Werk, und man wundert sich, warum es nicht bekannter ist. An die beiden Serenaden von Johannes Brahms reicht es teilweise heran. Der 2. Satz erinnert an das "Sommernachtstraum"-Scherzo von Mendelssohn. Die Philharmoniker spielten die Hartmann-Serenade burschikos auftrumpfend.

Musikfreunde mit Rückenbeschwerden, wenig Ausdauer, keiner Lust zum Lernen und wenig Geld meiden Richard Wagner. Denn dessen monumentale musikalische Kathedralen sind lang und türmen sich in mehreren Schichten zu ungeheuerlicher Höhe auf. Das Musikdrama "Siegfried" aus dem "Ring des Nibelungen" ist Helden-Epos, heroische Liebesgeschichte, Tier-Mythos, Welt-Saga, Götterkult, Natur-Poesie und Komödie zugleich. Um seiner Frau Cosima zu ihrem Geburtstag im Haus Tribschen am Vierwaldstätter See in der Schweiz eine Freude zu machen, komponierte Richard Wagner als zarte Aufwach-Musik das klein besetzte Siegfried-Idyll. Über das Zärtliche ging Dirigent Markus Teichler hinweg und lieferte statt dessen eine in die Ohren stechende Musik für Schwerhörige. Das Schlummer-Motiv des Beginns hatte gewissermaßen aufgerissene Augen. Die Musik um das Waldvogel-Motiv war ebenso wenig ein Ruhepunkt. Cosima Wagner wäre, statt verträumt zu lauschen, aus dem Bett in ein Wald-Idyll geflüchtet.

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