Sozialarbeiterin hat offenes Ohr für Schülersorgen

Mobbing, Schwänzen, schlechte Zensuren - auch in Zschorlau haben Heranwachsende Probleme. Hilfe gibt es jetzt von einer Fachkraft.

Zschorlau.

Es klopft an der Tür zum Büro von Mary Köhler in der Oberschule Zschorlau. "Darf ich reinkommen?", fragt der Schüler mit der Brotbüchse in der Hand. Warum verbringt er die Pause nicht in seiner Klasse? "Weil die mich nicht leiden können", sagt er. Bei der Schulsozialarbeiterin fühlt er sich wohl, er hat sich ihr anvertraut.

Mary Köhler ist seit dem 1. August an der Oberschule in Zschorlau tätig. Ihr Arbeitgeber ist der Johanniter Kreisverband Erzgebirge. Die Personalkosten trägt der Freistaat Sachsen. Laut Förderrichtlinie "Schulsozialarbeit" soll mit Beginn des Schuljahres 2018/19 an allen sächsischen Oberschulen mindestens eine Fachkraft in diesem Bereich tätig sein. "Das Jugendamt des Erzgebirgskreises ist auf uns zugekommen, wir haben ja schon mehrere Einrichtungen in Zschorlau", sagt Andrea Weiß, Bereichsleiterin Kinder- und Jugendarbeit bei den Johannitern. Auch an der Oberschule in Lugau gibt es jetzt einen Schulsozialarbeiter. "An beiden gab es das vorher nicht. Bedarf ist da, und die Schulen sind uns sehr dankbar, dass wir das jetzt anbieten", so Weiß.

"Die Lehrer haben einfach keine Zeit, sich intensiv mit den Problemen der Schüler auseinanderzusetzen, ihre Aufgabe ist zuerst die Bildungsvermittlung", sagt Mary Köhler. Die 36-Jährige ist Diplomsozialpädagogin. Die ersten Wochen an der Oberschule in Zschorlau war sie damit beschäftigt, sich bekannt zu machen - bei Schülern, Lehrern und Eltern. Sieben Schüler haben bislang den Kontakt zu ihr gesucht, weil sie Probleme der verschiedensten Art hatten. "Mobbing in der Klasse, schlechte Zensuren, Trennung und Scheidung der Eltern, Mobbing über soziale Netzwerke, Schulschwänzen", zählt die Sozialarbeiterin Themen auf, die bei ihr besprochen werden. Sie hatte auch schon die ersten Elterngespräche. Aber zunächst versuche sie immer, erst einmal mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch nach Lösungen zu suchen. "Vorwürfe sind keine Lösung, wir reden drüber, wie man zu Hause mit den Eltern besser klar kommt", erklärt Mary Köhler.

Im Erzgebirgskreis gibt es nach Angaben des Landratsamtes aktuell 40 Schulsozialarbeiter. Bei 163 Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Förderschulen und Berufsschulen erscheint das wenig. "Bei Bedarf würden wir gern noch mehr in der Schulsozialarbeit machen", sagt Andrea Weiß. Mit anderen freien Trägern wird in dem Bereich eng zusammengearbeitet, das Jugendamt organisiert Netzwerkkonferenzen. "Das ist wichtig für den Austausch der Sozialarbeiter untereinander, denn die sind ja sonst Alleinunterhalter in den Schulen", so Andrea Weiß.

Mary Köhler hat feste Sprechzeiten, dann steht die Tür zu ihrem Büro immer auf. Aber auch in den Hofpausen und beim morgendlichen Einlass ist sie präsent. "So langsam lernt man doch die meisten an dieser großen Schule kennen", sagt sie.

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