Stadt hat zu viel Flächen für Kleingärten

Der Begriff Laubenpieper ist aus der Mode, jene Art von Freizeitgestaltung aber nicht. Für die 22 Anlagen in Schwarzenberg und seinen Ortsteilen liegt nun ein Konzept vor - und damit Diskussionsstoff.

Schwarzenberg.

Für die Kleingartenentwicklung in Schwarzenberg und seinen Ortsteilen liegt jetzt ein Handlungskonzept bis 2030 vor. Erstellt haben es Studenten und Lehrkräfte der Fachhochschule Erfurt. "So eine umfassende Bestandserfassung von 22 Anlagen hatten wir noch nie. Für uns war der Blick von außen auf das mit Emotionen verbundene Thema wichtig", sagt Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer (CDU). "Aus Reaktionen von Vereinen weiß ich, dass man so ein Konzept mit den aus der Analyse heraus vorgeschlagenen Strategien gründlich missverstehen kann. Aber es ist kein Schließungsplan, kein Dogma, sondern eine Arbeitsgrundlage." Die Stadträte beschlossen es bei vier Enthaltungen und einer Gegenstimme.

Die angehenden Landschaftsarchitekten konstatierten nach der Auswertung von Fragebögen, Ortsbesichtigungen und Bestandsaufnahmen, dass die Große Kreisstadt mehr als doppelt soviel Fläche für Kleingärten aufweist, als es - auf die Einwohnerzahl bezogen - im Bundesdurchschnitt der Fall ist. Mit dem Blick auf die Altersstruktur in den Vereinen und auf die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung generell sei der Handlungsbedarf deutlich. "Das zeichnet sich schon lange ab. Deshalb haben wir die Stadt zu konzeptioneller Arbeit in der Hinsicht gedrängt", erklärt Frank Weihrauch. Der Vorsitzende des Schwarzenberger Verbands der Kleingärtner weiß, dass das Konzept Diskussionsstoff bietet, "zumal es verständliche Sorgen und Ängste gibt und viele Einzelschicksale mit Parzellen verbunden sind, die teilweise über Generationen von Familien genutzt werden." Aber niemand müsse befürchten, dass er übermorgen raus muss. Es gebe strategische Aussagen zum Erhalt, ebenso Vorschläge zum teilweisen oder kompletten Umnutzen von Anlagen oder Teilbereichen. Als ersten Schritt brachten die Studenten ins Spiel, leerstehende Parzellen in langfristig gefährdeten Anlagen nicht mehr zu vergeben. "Wenn in den Vereinen Analyse und Strategie bekannt sind, können wir auf fundierter Grundlage beraten, wann wir was angehen", so Weihrauch.

Christoph Ulrich

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Viele Bewertungskriterien

In die Analyse gingen viele Bewertungskriterien ein. Dazu gehörten vor allem die demografische Entwicklung, Lage, Umfeld und Erschließungszustand der Anlage, ihre Erreichbarkeit für Retter, Sichtbeziehungen, Hangneigung, Altlasten, Hochwassergefährdung, Beeinträchtigung durch Nachbarflächen, Entfernung zu Bus- und Bahnhaltestellen, Kooperationsmöglichkeiten. Auch Aspekte wie Mitgliederzahl, Altersdurchschnitt, Pacht und Vereinsheim sind einbezogen. All das floss in ein Punktesystem ein, das Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken derAnlagen berücksichtigt. (stl)

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