Stadt organisiert Fahrservice ins Impfzentrum

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Corona beschäftigt die Stadt Aue-Bad Schlema tagtäglich. Dabei bleibt kaum Spielraum für eigene Entscheidungen. Trotzdem schob die Verwaltung in Eigenregie Hilfen für betagte Impf-Kandidaten und Gewerbetreibende an.

Aue-Bad Schlema.

Das Lächeln hinter der Maske ist kaum sichtbar. Es wird Gastronomen und Einzelhändlern so langsam ohnehin vergehen. Auch Dienstleister und andere Unternehmer fürchten um ihre Existenz, weil ihnen wegen Corona die Hände gebunden sind. Dennoch bescheinigte Ines Schieck von der Wirtschaftsförderung in Aue-Bad Schlema den Betroffenen der Stadt ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen. "Die große Hoffnung liegt bei allen auf der Zeit nach dem 8. März, wo ja einige Lockerungen in Aussicht gestellt sind", so Schieck am Mittwochabend während der jüngsten Stadtratssitzung.

Wie realistisch dieser Termin angesichts wieder steigender Infektionszahlen ist, lasse sich zwar schwer sagen. "Aber ich bin dennoch erstaunt, wie positiv die Stimmung trotz allem noch ist." Sollte es wieder zu Öffnungen kommen, plant die Wirtschaftsförderung deshalb eine besondere Aktion. So sei vorstellbar, dass in den Schaufenstern Fotos von Inhabern und Belegschaft - jeweils ohne Maske - zum Einkauf einladen. "Damit jeder das Lächeln der anderen auch wieder mal richtig vor Augen hat", so Schieck. Ein Slogan, der diese Aktion umspannt, werde aktuell noch gesucht. "Vielleicht in der Art: Uns ist das Lächeln trotz allem noch nicht vergangen." Aus Händlerkreisen erfuhr Schieck zudem, dass viele an eine Rückkehr der Kunden glauben. Doch bei aller Zuversicht: Die erlittenen Verluste gleiche das nicht aus. "Die Wut auf die Politik ist bei vielen groß, besonders nachdem auch das Weihnachtsgeschäft für die meisten komplett weggebrochen ist", sagt sie.

Seit der ersten Welle im Frühjahr sind Schieck und die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung verstärkt Ansprechpartner für Unternehmer, die von pandemiebedingten Schließungen betroffen sind. "Viele beklagen bei den Anträgen auf finanzielle Hilfen einen Wust an Bürokratie."

Festhalten wolle die Stadt auf jeden Fall an der Shoppingnacht am 7. Mai. "Wenn auch ohne großes Tamtam, dafür mit einem tollen Lichtkonzept", so Schieck. Ein für jedermann zugängliches Händlerverzeichnis für Aue-Bad Schlema sei in Arbeit. Zudem seien Gewerbetreibende seit 2014 in einem Arbeitskreis miteinander vernetzt.

Der Unmut der Händler und einiger Stadträte, die auf die prekäre Situation angesprochen werden, kann Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) nachvollziehen. "Ich erfahre das meiste allerdings auch zuerst aus Radio oder Zeitung", sagte er und bemühe sich, die Sorgen und Anregungen nach oben weiterzugeben. "Unsere Hilfe, die wir höheren Ebenen wie Sauerbier und Zitronen angeboten haben, wurde in der Vergangenheit nie angenommen." Inzwischen gebe es zumindest regelmäßig Videokonferenzen mit dem Staatsministerium. "Wo man auch direkt mal die eine oder andere Frage stellen kann." Doch viel Einfluss habe die kommunale Ebene nicht. "Wir können nur versuchen, aus der aktuellen Situation das Beste zu machen", so Kohl über die "harte Geduldsprobe" für alle.

Apropos Geduldsprobe: Die gab es eingangs der Sitzung auch aufgrund eines Antrags von Stefan Hartung (NPD). Er forderte die Überprüfung der Masken aller Anwesenden auf das nötige EU-Prüfsiegel. Hintergrund: Kohl hatte ihn zuletzt gerügt, keine den Vorschriften entsprechende Maske - geeignet für medizinischen Gebrauch oder FFP2 - getragen zu haben. Hartung hatte sich daraufhin nach eigenen Worten andere Masken bestellt, aber erst beim genauen Hinsehen bemerkt, dass das entsprechende Prüfsiegel fehlt. Sein Antrag zur Generalüberprüfung wurde zurückgewiesen.

Den aktuellen Corona-Lagebericht gab Sascha Goll. Als Leiter berichtete er über die Arbeit des Krisenstabs "Kommunale Impfhilfe". Zuletzt lag der Fokus auf der Hilfe für Einwohner über 80 Jahre. Das sind in Aue-Bad Schlema 2012 Personen. Sie gehören beim Impfen zur ersten Kategorie und wurden angeschrieben - 32 Prozent meldeten sich zurück und baten um Unterstützung. Denn der Weg zur Spritze ist für sie aus vielerlei Gründen schwierig. "Das geht bei der Anmeldung los, weil sie kein Internet haben, und die Terminvergabe an sich sehr komplex ist", so Goll. Auch die Fahrt ins Impfzentrum nach Annaberg stellt für viele ein Problem dar. Inzwischen konnte geholfen werden: 15 Personen wurden durch Mitarbeiter und Ehrenamtler, darunter Musiker der Erzgebirgischen Philharmonie, zum Impfen gefahren. 389 Seniorinnen und Senioren erhielten Hilfe bei der Terminvergabe.

Insgesamt sind aus besagter Zielgruppe in Aue-Bad Schlema laut Goll bisher 71 Personen geimpft. "Wobei viele allein das persönliche Gespräch am Telefon sehr schätzen." Künftig rücke eine andere Aufgabe in den Fokus: in der Einwohnerschaft fürs Impfen und die Bereitschaft dazu zu werben. "Denn es wird bald mehr Impfstoff als bisher zur Verfügung stehen."

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.