Stickerei Funke arbeitet an Spezialtextilien

Weil der Absatz der klassischen Heimtextilien zurückgeht, hat der Eibenstocker Betrieb neue Ideen entwickelt. In der Zukunft könnten seine Produkte selbst auf dem OP-Tisch landen.

Eibenstock.

Die Herstellung klassischer Tischwäsche hat sich bei der Stickerei Funke in den letzten zehn Jahren um die Hälfte reduziert. "Und sie geht weiter zurück, da muss man sich keinen Illusionen hingeben", sagt Geschäftsführer Hartmut Funke. "Tischwäsche ist einfach aus der Mode gekommen." Deshalb sind die Eibenstocker interessiert an der Entwicklung innovativer Produkte.

Seit einigen Jahren ist das sogenannte Abstandsgewirke Thema Nummer 1. Den auf dieser Grundlage entwickelten Einlegesohlen folgen jetzt Rückenschutzpolster für Instrumententaschen. Partner dafür waren die Firma Tecon Covercraft aus Bernsgrün (Thüringen) und das Sächsische Textilforschungsinstitut (SFTI) Chemnitz.

"In großen Städten sieht man sie oft, die Musiker oder Musikschüler, die mit dem Fahrrad oder in der S-Bahn unterwegs sind und ihre Instrumente auf dem Rücken tragen", sagt Andreas Lenk, Geschäftsführer von Tecon Covercraft. Seine Firma stellt Instrumententaschen her. Fagott, Geige oder Gitarre - für jedes Instrument werden spezielle Transporthilfen benötigt. Da diese mit einem Sperrholzboden versehen sind, lassen sie sich ordentlich tragen. Um das zu erleichtern, wurden die Rückenschutzpolster entwickelt. "Die Musiker, die die Taschen mit dem Rückenpolster in den letzten Wochen getestet haben, sagen, dass sie sich angenehmer tragen lassen, und man schwitzt nicht", sagt Geschäftsführer Andreas Lenk.

Das Geheimnis steckt im bereits genannten Abstandsgewirke. Dieses besteht aus Polyester-Fäden, die zwischen einer Oberfläche und einer Unterfläche zu Maschen verschlungen werden, ähnlich wie beim Stricken. "Dazwischen ist ganz viel Luft", erklärt Sigrid Müller, zuständig für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Firma Funke. Dieses Material ist nicht nur ein guter Wärmeleiter, sondern sorgt dafür, dass Feuchtigkeit schnell nach außen transportiert wird.

Bislang wurde üblicherweise Schaumstoff für solche Polster verwendet. Das trocknet aber schlecht und ist nicht so pflegeleicht. Das Abstandsgewirke soll den Schaumstoff ersetzen. Im Forschungsprojekt, das im Sommer 2017 begann und jetzt im Dezember endete, wurde ausgetestet, bis zu welcher Dicke das Abstandsgewirke bestickt werden kann. Durch das Sticken entstehen Pads, die beim Tragen als angenehm empfunden werden. "20 Millimeter, so dick sind die jetzt für den Verkauf bestimmten Polster. Das ist das Ende der Fahnenstange in der Stickereitechnologie", sagt Sigrid Müller. Für die Produktentwicklung wurden 100.000 Euro aufgewandt, 70.000 Euro gab es als Fördermittel.

Nach den Herstellern von Instrumententaschen wollen sich die Eibenstocker noch weitere Partner ins Boot holen. Konkret ist man dabei, Kindersitzauflagen zu entwickeln. Nimmt man Infrarot-Fäden hinzu erschließen sich weitere Einsatzfelder, zum Beispiel Auflagen für OP-Tische. "Wir wollen mit Kontinuität am Thema dran bleiben", sagt Sigrid Müller.

Die Eibenstocker Stickerei befasst sich seit 2004 mit dem Thema Abstandsgewirke. Begonnen wurde mit der Herstellung von Einlegesohlen, eine weitere Entwicklung waren Sitzauflagen für Autobezüge. "Nicht jede Stickerei ist in der Lage, das zu sticken", sagt Andreas Lenk. "Wir haben das Knowhow und eine gute Entwicklungsabteilung", begründet Hartmut Funke. Den jährlichen Umsatz beziffert er auf rund eine Million Euro, für 600.000 Euro wird noch die klassische Stickerei produziert.

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