Studenten lassen Späne fliegen

Die Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg bietet diese Woche ein besonderes Seminar an. Von den Ergebnissen können alle Bürger der Bergstadt profitieren.

Schneeberg.

Laut dröhnt es über den Schneeberger Platz Unter den Linden - hier entsteht etwas ganz besonderes. Seit Montag lassen dort zwölf Studenten der Fakultät für Angewandte Kunst mit Kettensägen und Äxten die Späne fliegen, denn es sollen ganz spezielle Sitzmöbel für öffentliche Plätze der Bergstadt entstehen.

"Mit dieser Aktion können die Studenten lernen, wie neue Formen durch die Wegnahme von Material entstehen. Zudem hat die Arbeit mit den Holzstämmen einen großen Praxisbezug", erklärt Jens Gebhardt. Der Designer weiß, wovon er spricht. 1998 hat er selbst sein Diplom in Schneeberg erworben. "So eine Aktion hätte ich mir als Student auch gewünscht." Deshalb hat Gebhardt, der mittlerweile eine eigene Werkstatt im Moritzburger Ortsteil Reichenberg betreibt, dieses Blockseminar der Hochschule angeboten. Und die Studenten haben es gerne angenommen. "Etwa zehn Studenten sind die Grenze, damit es funktioniert. Diesmal sind zwölf dabei."

Bereits in der Vergangenheit startete das Herbstsemester für einige Studenten mit der Kettensäge. "Wir waren bereits in Gelenau, Pobershau und aller zwei Jahre im hessischen Gudensberg bei Kassel. Dort sind unsere Sitzmöbel besonders begehrt", erläutert Jens Gebhardt.

Nun sind die studentischen Holzkünstler erstmals auf dem Platz Unter den Linden zu Gange. "Es ist schön, dass die Bürger hier sehen können, was wir für sie machen", sagt der Designer. Und das kann sich schon nach drei Tagen sehen lassen. So arbeitet Jakob Thiesbrummel an einer Bank, die in fünf Abschnitte unterteilt sein soll. "Dadurch soll eine kristalline Form entstehen", sagt der 24-Jährige aus Erlangen, der das dritte Semester begonnen hat. Neben einer Zeichnung hat er sich sogar ein Modell gefertigt. Als gelernter Tischler ist er zwar die Arbeit mit Holz gewohnt, doch die Handhabung der Kettensäge sei dennoch gewöhnungsbedürftig. "Am schwersten ist es, gerade zu bleiben", so Jakob Thiesbrummel. Und auch die körperliche Anstrengung sei nicht zu unterschätzen. "Natürlich hatten wir Muskelkater, vor allem in den Händen."

Das kann auch Emmelie Kunz bestätigen. Wie ihr Kommilitone hat die Chemnitzerin zuerst Tischler gelernt und sich dann für ein Studium in Schneeberg entschieden. Und ihre Bank nimmt sogar Bezug zu ihrem Studienort. "Sie soll eine Berg-Silhouette darstellen", erklärt die 24-Jährige, die die körperliche Arbeit als gute Abwechslung zum studentischen Alltag sieht. Sie ist eine von drei Frauen, die auch zu den Kettensägen gegriffen haben. "Und sie stehen den Jungs in nichts nach", freut sich Projektleiter Gebhardt.

Als sehr positiv empfindet auch Josua Sobe die Aktion in Schneeberg. Der Student will seiner Bank eine Käsestruktur mit Löchern geben. Doch das sei gar nicht so einfach. "Genau davon lebt das Design. Dass man verschiedene Varianten probieren kann und die beste perfektioniert", sagt der 19-Jährige, der aus Pulsnitz stammt.

Das besondere Seminar möglich gemacht haben die Bergstadt Schneeberg zusammen mit den Stadtwerken Schneeberg. Sie finanzierten unter anderem die 13 vier Meter langen Lärchenstämme aus dem heimischen Wald und die 100 Liter Spezialbenzin, das die Kettensägen in der Woche verbrauchen. Und auch ein Zelt wurde für die Studenten aufgestellt, damit sie auch arbeiten können, wenn es regnet. "Die Zusammenarbeit mit der Hochschule, bei der Bänke für die Bürger unserer Stadt entstehen, unterstützen wir natürlich sehr gern", erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Gunar Friedrich, der sich von den Studenten und Dozent Gebhardt die noch unfertigen Bänke zeigen ließ. "Sie sollen im Stadtgebiet, am Filzteich und der Erlebniswelt Fundora aufgestellt werden", so Gunar Friedrich.

Damit die Bürger die neuen Bänke auch längere Zeit nutzen können, wurde Lärchenholz ausgewählt. "Das hat nicht nur eine schöne Maserung und lässt sich gut bearbeiten; es soll auch rund 15 Jahre halten", sagt Jens Gebhardt.

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