Studierter Kunsthistoriker kann auch Karikaturen

Alexander Stoll ist im Erzgebirge vor allem als Kunsthistoriker bekannt. Weniger öffentlich dagegen ist bisher seine Vorliebe für Karikaturen. Doch das ändert der Annaberger-Bilder-Club gerade.

Annaberg-Buchholz.

Sie teilt das Schicksal vieler Ausstellungen in diesem Jahr: die neue Präsentation in der Galerie des Annaberger-Bilder-Clubs. Eigentlich sollte Alexander Stoll aus Geyer - in der Region vor allem als Kunsthistoriker und Kurator bekannt - bereits im März seine Arbeiten dort zeigen. Doch daraus wurde nichts. Corona-bedingt war auch das Kulturleben für lange Zeit zum Stillstand gezwungen. Nun aber sind sie in der alten Schule am Barbara-Uthmann-Ring zu sehen, die Karikaturen des Alexander Stoll. Und der Titel "C'est la vie! So ist das Leben!" hält, was sich dahinter vermuten lässt. Alltagsbegebenheiten, die den Betrachter fast immer schmunzeln und mitunter sogar herzhaft lachen lassen - aber immer wieder auch zum Nachdenken anregen.

Kunstgeschichte, Sächsische Landesgeschichte und Germanistik hat er in Dresden studiert. Sich im Erzgebirge längst einen Namen als Kunsthistoriker gemacht, dessen fachmännisches Urteil regelmäßig in den kleinen und großen Ausstellungen der Region gefragt ist. Zudem kümmert er sich als Kurator um die Sammlung Erzgebirgischer Landschaftskunst, die zum großen Teil im Schloss Schlettau beheimatet ist und mittlerweile vom Team des Bergbaumuseums in Oelsnitz verantwortet wird. Innerhalb der Sammlung steht für den Herbst wieder die Präsentation der Neuerwerbungen im zurückliegenden Jahr ins Haus. Und auch im Heinrich-Hartmann-Haus in Oelsnitz, wo er Galerieleiter ist, kommt das "Kerngeschäft zum Glück wieder in Gang", erzählt er.

So, wie in der Galerie in Annaberg-Buchholz, wo es zwar noch keine Vernissage zur neuen Ausstellung gegeben hat, die Kunstwerke aber trotzdem wieder täglich zu sehen sind. Erheiterndes, oft mit einem unglaublichen breiten Themenspektrum. Da gehört der "alltägliche Wahnsinn" eines dreifachen Familienvaters genauso dazu wie die großen gesellschaftsrelevanten Themen wie Klimawandel und gesunde Ernährung beispielsweise. Er selbst fasst es auf seine Art zusammen: "Die Bilder sind so verrückt wie das ganze Leben." Dabei ist er davon überzeugt, dass mit Humor vieles leichter geht - auch in diesen ungewöhnlichen Corona-Zeiten. Und er sagt auch: "Wenn sich nicht jeder selbst so ernst nehmen würde, wäre vieles einfacher." In diesem Sinn will er auch seine Karikaturen verstanden wissen.

Denen hat er sich schon lange verschrieben - bisher hauptsächlich "für den Eigenbedarf", wie er selbst sagt. So gibt es beispielsweise regelmäßig Neujahrskarten mit entsprechenden Denkanstößen. Die entstehen manchmal wie alle anderen Arbeiten auch ganz spontan - "manchmal habe ich den fertigen Entwurf schon im Kopf" - und manchmal erst nach reiflicher Überlegung oder auch nach verschiedenen Skizzen. Der Kern sei aber immer mit der Idee da. Für ihn in gewisser Weise auch ein Ausgleich zu seiner sonst vielfach streng wissenschaftlichen Arbeit.

Gezeichnet beziehungsweise gemalt wird, wie es die Zeit erlaubt. Auch deshalb verzichtet er auf Karikaturen zu tagespolitischen Themen. Manchmal aber gewinnen seine Arbeiten ganz ungewollt an Aktualität. So wie die vom geschlossenen Theater, an dessen Tür zum Besuch der Aufführungen im Internet eingeladen wird. Entstanden in einer Zeit, in der das moderne Kommunikationsmittel begann, klassischen Kulturstätten den Rang abzulaufen, ist es angesichts der aktuellen Corona-Krise gerade wieder aktueller denn je.

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