Teichidylle ersetzt wilden Müllplatz

Der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge hat in Schönheide ein neues Regenüberlaufbecken gebaut. Das war 1,3 Millionen Euro teuer. In die Kosten floss auch die Beseitigung von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg ein.

Schönheide.

Ein schmucker, kleiner See ist im einstigen "Torfloch" von Schönheides Oberdorf entstanden: Helle Steine säumen das Ufer, Rohre und Zaun strahlen in leuchtendem Blau, eine "Promenade" führt rundum. Was fast wie ein Freizeitbad aussieht, ist in Wirklichkeit eine wasserwirtschaftliche Anlage - konkret ein Regenrückhaltebecken mit 1910 Kubikmetern Volumen.

Bei Starkregen kam es im Tannenbach-Gebiet in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass der namensgebende Tannenbach über sein Ufer trat. Bis zu 600 Liter Wasser je Sekunde konnten dabei kurzzeitig anfallen. Das neue Rückhaltebecken puffert die Massen und gibt kontinuierlich 25 Liter je Sekunde ab. Eine Reststaumenge von 970 Kubikmetern verbleibt immer als Feuerlösch-Reserve. Auch das Oberflächenwasser der 2017/18 ausgebauten Hauptstraße fängt das Becken auf. Zudem wurden 40 neue Regenwasser-Hausanschlüsse im Einzugsgebiet des Tannenbaches gebaut.


Als die Baumaschinen im Frühjahr 2017 anrückten, rief das ältere Anwohner auf den Plan. Sie erzählten davon, dass genau dort, wo das Becken gebaut werden sollte, Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen würden. Genau wo wusste das keiner, schließlich war das ganze Gelände überwuchert und vermüllt.

Der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW) ließ das untersuchen. Und tatsächlich wurde "eine übergroße Anomaliedichte an metallischen Stoffen" festgestellt, erläuterte ZWW-Geschäftsführer Frank Kippig. 660 Verdachtspunkte wurden für das Baugelände ermittelt. Experten der Kampfmittelbeseitigung wurden in die Entscheidungen einbezogen.

Ein Bagger mit Panzerglas kam zum Einsatz, nur streifenweise konnte der Boden abgetragen werden, dabei wurden ständig Vermessungen angestellt. Zwei amerikanische Aufschlagsätze für größere Kaliber Artilleriemunition wurden unter massenhaft Haushaltsschrott tatsächlich gefunden. Um die kümmerte sich der Kampfmittelräumdienst. Amtsverweser Eberhard Mädler konnte zu diesem traurigen Kapitel der Ortsgeschichte beitragen, dass vier jugendliche Schönheider 1945, zwei Tage vor Kriegsende, beim ersten und einzigen Artillerie-Beschuss des Dorfes ums Leben gekommen sind.

Ohne Gefahr für Leib und Leben konnten diese Woche auch Anwohner das Bauprojekt aus der Nähe besichtigen. Für sie erklärte Frank Kippig die insgesamt komplexe Abwasserbehandlung in Schönheide: So entstand im Jahr 2000 ein 5,6 Kilometer langer Tunnel unter der Trinkwassertalsperre Eibenstock hindurch. Die Mischwasserkanäle im zentralen Ortsbereich erforderten riesige unterirdische Überlauf-Becken, und im Oberdorf gibt es zwei Pumpstationen.

Die Gesamtkosten für alle Kanäle, Hausanschlüsse und das Überlaufbecken beziffert der ZWW auf rund 1,3 Millionen Euro. Hinzu kommen 125.500 Euro für die Verlegung von Trinkwasseranschlüssen.

Die Bauarbeiten erfolgten in Kooperation mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Das Lasuv baute die Staatsstraße 278 zwischen Brückenstraße und Ortsausgang Schönheide aus und der ZWW verlegte in diesem Bereich einen fast einen Kilometer langen Regenwassersammler.

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