Thomanerchor überzeugt in St. Wolfgang

Mit Musik von Bach bis Olivier Messiaen gastierte die Knaben aus Leipzig im Rahmen der Silbermann-Tage in Schneeberg. Auch ein Grünhainer Komponist spielte an diesem Abend eine klangvolle Rolle.

Schneeberg.

Dicht an dicht haben die Musikhungrigen im Schneeberger Bergmannsdom gesessen. Für den berühmten Thomanerchor aus Leipzig zückten die Besucher gern ihre Brieftaschen. Sogar für einen Stehplatz auf der Empore waren zwölf Euro fällig. Hat sich die Investition gelohnt?

Ja, unbedingt. Mit einer Komposition des 1586 in Grünhain geborenen Johann Hermann Schein begann vor dem Cranach-Altar das Konzert des viel bewunderten Leipziger Chores. Leise und ebenmäßig setzte der Gesang ein. Das "Der Herr denkt an uns und segnet uns" wand sich gemächlich in die Höhe und strebte in die Breite. Die Durchhörbarkeit der fünf Stimmen war perfekt. Der Komponist Johann Hermann Schein war von 1616 bis 1630 Thomaskantor.


Den Chor leitete in Schneeberg unaufgeregt Gotthold Schwarz. Er ist der 17. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach. Der geborene Zwickauer trat mit namhaften Dirigenten, Orchestern und Sängern auf, darunter Philippe Herreweghe und Peter Schreier. Seit drei Jahren ist er in der Nachfolge von Georg Christoph Biller.

Der Chor bekam immer wieder Zwischenbeifall, so auch nach Bachs Motette für zwei vierstimmige Chöre "Komm, Jesu, komm". Das gemächliche bis tänzerische Wiegen dieser einzigartigen Musik wirkte außerordentlich grazil. Den instrumentalen Bass für den Chor lieferten Hartmut Becker, Violoncello, und Cornelia Osterwald an der Continuo-Orgel. Hartmut Becker, in Annaberg geboren, ist Barock-Cellist der Deutschen Bachsolisten und der "Lautten-Compagney" Berlin.

Heinrich Schütz (1585-1672) war der bedeutendste Komponist vor Bach. Von Schütz war die sechsstimmige Motette "Das ist je gewisslich wahr" zu hören. Der Thomanerchor setzte die aufgeregte Rede und Gegenrede dieses Lobpreises fesselnd in Szene. Das Werk von Heinrich Schütz wird besonders vom Dresdner Kreuzchor gepflegt. In der DDR erschien eine große Werkausgabe auf Schallplatten.

Zwischen den Gesängen gab es Orgelmusik. Ein Ruhepunkt war Johann Pachelbels Ciacona f-Moll für Orgel. Thomasorganist Professor Ullrich Böhme saß an der Jehmlich-Orgel von St. Wolfgang. Er ist Orgelsachverständiger und Spezialist für die Aufführungspraxis Alter Musik. Ulrich Böhme spielte im zweiten Drittel des Konzertes von Olivier Messiaen "Die Erscheinung der ewigen Kirche" aus dem Jahr 1932. Den Besuchern der Orgelmusiken in Schneeberg ist das eruptive Werk des berühmten Franzosen bekannt. Die in den Zungenstimmen anwachsende dissonante Klangwand mit ihrem bohrenden Motiv endete in einer strahlenden Mixtur, die jedoch unirdischen, mystischen Ernst ausstrahlte. In der St.-Wolfgang-Kirche bekam diese Musik die angemessene räumliche Dimension.

Der todessehnsüchtige Chor "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen" von Johannes Brahms mit seinen geraunten "Warum"-Fragen gehörte zum Berührendsten des Konzertes. Dem begeisterten Beifall folgte eine Zugabe.

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