Tour bringt alte Pferdegöpel in Erinnerung

Bei der Sommererlebniswanderung von "Freie Presse" und Kulturbetrieb geht es nicht nur um die Besonderheiten des Johanngeorgenstädter Bergbaus. Der Wanderleiter macht auch Hoffnung auf imposante Ausblicke.

Johanngeorgenstadt.

"Wandern bildet - das hat schon Goethe erkannt", sagt Peter Müller. Und darum will der ehrenamtliche Johanngeorgenstädter Stadt- und Wanderführer den Teilnehmern der 56. Erlebniswanderung von "Freie Presse" und Kulturbetrieb des Landkreises auch viel erklären. Das Thema: "Auf den Spuren der Johanngeorgenstädter Pferdegöpel".

Pferdegöpel in der Mehrzahl - aber existiert da nicht nur einer? Ja, heute, sagt Müller. "Wir hatten aber drei." Und der, den man gemeinhin kenne, sei ein Nachbau. Als Vorlage dafür diente jener Pferdegöpel, der 1797/98 an der Neu Leipziger Glück Fundgrube erbaut wurde. Bis zur Elektrifizierung des Bergbaus erfüllte dieser seine Funktion, 1917 wurde dort letztmals gefördert. Mehr als 25Jahre war er später Technisches Denkmal, stand allerdings dem Uran-Abbau der SDAG Wismut im Weg und wurde 1947/48 abgerissen. Pläne zum Wiederaufbau habe es schon zu DDR-Zeiten gegeben, sagt Müller, Anfang der 1990er-Jahre war es dann endlich so weit. Der Wiederaufbau sei eine große Herausforderung gewesen, denn es gab keine Unterlagen der alten Baumeister. "Diese Göpel waren eine technische Meisterleistung in der damaligen Zeit." Das Prinzip: Eine senkrecht stehende Göpelspindel wird über einen Querbaum von zwei Pferden gedreht. An der Göpelspindel befindet sich oben die Seiltrommel, auf der zwei Förderseile gegenläufig aufgelegt sind. Befand sich die eine Fördertonne unten am Füllort, hing die andere gerade oben im Göpel.

Da der Förderverein den bislang wegen der Corona-Pandemie noch geschlossenen Pferdegöpel ab 1. Juli wieder öffnen wird, hofft Peter Müller, dass die Wanderer auch Einblicke in die Funktion bekommen können. Aber auch, wenn das vermutlich möglich sein wird, muss bei dieser Wanderung mit Einschränkungen gerechnet werden. Aktuell werde seitens des Landkreises beziehungsweise dessen Kultur- und Freizeitzentrums in Lugau (KFZ) ein Hygienekonzept erstellt, erklärt Cornelia Lange vom KFZ. Man gehe bisher davon aus, dass die Wanderung mit einer reduzierten Teilnehmerzahl durchgeführt werden muss, sagt sie. Auch, ob beispielsweise zur Großen Rast gegrillt werden wird, müsse noch geklärt werden. "Das wird dann kurzfristig festgelegt", sagt sie, da es bis zum 12. Juli ja noch einige Änderungen der Vorschriften geben könne. Eins aber sei klar: "Kranke dürfen natürlich nicht teilnehmen."

Wanderleiter Müller will den Teilnehmern der Tour nicht nur die Historie der Pferdegöpel und des Bergbaus näherbringen - sondern auch die Natur und Landschaft. So werde sowohl das Hochmoor auf der Route liegen als auch beispielsweise eine fantastische Aussicht auf den Kamm des Erzgebirges. Kindern will der 65-Jährige zudem das Zinnwaschen erklären. "Es gibt viele Kleinigkeiten zu entdecken, zu denen ich auch etwas erklären kann", sagt er. Keine Kleinigkeit sind die Johann'städter Erzgebirgsschanzen, die ganz aus der Nähe angeschaut werden können. Je nach Zusammensetzung der Gruppe könne er auch die Tourlänge variabel gestalten und die etwa zehn Kilometer lange Runde problemlos um zwei Kilometer kürzen oder verlängern.

Noch eine Empfehlung gibt Peter Müller den Teilnehmern mit auf den Weg: Sie sollten unbedingt festes Schuhwerk tragen und gegebenenfalls Wanderstöcke dabei haben.

Die Sommererlebniswanderung findet am 12. Juli statt. Treff ist 9.30 Uhr am Parkplatz Am Pferdegöpel 1. Der Kostenbeitrag beträgt 3 Euro pro Person (ab 13 Jahren). Es ist keine Anmeldung erforderlich.

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