Touristenpfade und Traumschlösser

Immer wieder muss sich der Sachsenforst Kritik an kaputten Waldwegen anhören. Nicht alles kann repariert werden, aber die Forstleute wollen Waldnutzern mehr bieten.

Eibenstock/Sosa.

Eine Sichtachse durch den Wald und vom Wanderweg aus ein Pfad als Schleife bis ganz nah ran an die Talsperre Sosa. Bei Karin Beer vom Forstbezirk Eibenstock hörte sich das Projekt gut an. Holger Weigel, Staumeister für Sosa und Carlsfeld, hatte für die Idee nur ein Kopfschütteln übrig. "Nein, das geht nicht, hier haben wir Schutzzone 1, wir möchten nicht, dass Leute mit Wegen extra reingezogen werden", sprach er für die Interessen der Landestalsperrenverwaltung. "Deswegen wollen wir ja miteinander ins Gespräch kommen, damit wir keine Traumschlösser bauen", erklärte Stefan Schusser, der Leiter des Forstbezirks Eibenstock, den Sinn des Treffens zwischen Forstleuten und Vertretern von Kommunen.

Laut Schusser hat der Sachsenforst seinen Holzeinschlag in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Unter anderem wegen zerfahrener Waldwege habe das für viel Kritik bei den Leuten gesorgt. "Wir spüren den Druck", sagte er. Deshalb will der Forst "etwas anbieten, wir können uns nicht nur immer hinterm Holz verstecken". Der Finanzhaushalt vom Forst ist allerdings nicht so üppig. Für den Wegebau beispielsweise stehen im Jahr 500.000 Euro zur Verfügung. "Wir haben allein 60 Kilometer bitumierte Straßen im Forstbezirk, das ist zu viel. Wir können sie nicht mehr erhalten", sagt Schusser. Gemeinsam mit den Kommunen soll besprochen werden, wo es sich lohnt, solche Straßen zu erhalten.

Ein anderes wichtiges Thema seien Parkplätze. Ideal ist die Situation an der Talsperre Sosa, wo es den Parkplatz gibt. Es kommen zunehmend Wanderer, seit die Mauerkrone geöffnet wurde. Aber nur dort, wo viele Waldnutzer anzutreffen sind, will der Sachsenforst zukünftig investieren. Auch in ordentliche Parkplätze. Karin Beer und Stefan Schusser reden von Hotspots der Erholungsnutzung. "Wo schon viele Touristen sind, wollen wir noch mehr hinbringen, andere Bereiche blenden wir aus." Als einen solchen Bereich nannte Schusser den Wald zwischen Eibenstock und Carlsfeld. Am Gerstenberg in Eibenstock, am Kuhberg in Schönheide, am Steinberg bei Zschorlau, im Burkhardtswald, in Conradswiese sind Schwerpunkte, die entwickelt werden sollen. Der Sachsenforst will einen Fünf-Jahres-Plan erarbeiten. Mit den Kommunen sollen Verträge geschlossen und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Für nächstes Jahr sind die Umgestaltung eines ehemaligen Waldarbeiterstützpunktes an der Talsperre Sosa und neue Gestaltungen am Gerstenbergweg vorgesehen.

Die zur Waldbegehung anwesenden Vertreter der Kommunen begrüßten den Gedanken, künftig Finanzen und Kräfte zu bündeln. "Ideen haben wir Bürgermeister jede Menge", sagte Wolfgang Leonhardt (CDU), Bürgermeister von Zschorlau. "Es gibt Fördertöpfe, ich habe die Hoffnung, dass das funktionieren kann." Leonhardt wünscht sich aber konkrete Vorstellungen für Projekte und einen Ansprechpartner beim Sachsenforst.

Als Beispiel dafür, wie man bei der Umsetzung von Projekten gemeinsam mit der Kommune erfolgreich sein kann, nannte Schusser die Stadt Auerbach. Deshalb war auch Dirk Schönfelder, der Revierleiter des Forstbezirks Grünheide, das zu Auerbach gehört, bei der Waldbegehung dabei. An viel begangenen Wegen, so im Zinsbachtal, hat der Forst Blockhütten gebaut. "Das Holz kam von uns, die Stadt hat den Bau finanziert", erzählte Schönfelder. "Es geht, wenn alle an einem Strang ziehen."

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