Trauer um Anneliese Schreier: Sie hinterlässt Spuren im Erzgebirge

Die Fassade vom Kunsthof in Eibenstock trägt im wahrsten Sinne des Wortes die Handschrift von Anneliese Schreier. Sie prägte aber auch das Erzgebirgsensemble auf besondere Weise.

Eibenstock.

Der Name Anneliese Schreier ist aufs Engste verbunden mit dem Erzgebirgsensemble Aue. Sie gründete 1980 dessen Nachwuchsgruppe und leitete diese bis zur Wende. Den heutigen Leiter des Ensembles, Steffen Kindt, hat sie quasi "entdeckt". Sie schrieb Geschichten und Gedichte, war Pädagogin mit Leib und Seele. Am 2. August ist sie im Alter von 87 Jahren gestorben. Am heutigen Freitag findet auf dem Eibenstocker Friedhof die Trauerfeier für sie statt.

Daran teilnehmen wird auch Steffen Kindt. "Das bin ich ihr schuldig", sagt der Schwarzenberger. Sie war es, die ihn im Alter von 14 Jahren als Trompeter für die Bläsergruppe des Ensembles haben wollte. Damals war sie angehende Lehrerin an der Schule auf dem Zeller Berg in Aue. Viele Jahre haben die beiden "eine gute Zusammenarbeit gepflegt", sagt Kindt. "Sie hat Spuren hinterlassen."

Im wahrsten Sinne des Wortes trifft das auch für den Kunsthof in Eibenstock zu. Ihr Sohn Wolf-Dietrich und seine Frau Kerstin haben diesen ab 2009 aufgebaut. Mutter Anneliese, die seit 2007 im Haus ihrer Kinder in Eibenstock lebte, half beim Gestalten der Fassade, stand mit 78 Jahren auf dem Gerüst.

Anneliese Schreier wurde am 27. März 1932 in Schwedt im Kreis Kolberg in Pommern geboren. Im Alter von 14 Jahren, zu Weihnachten 1944, wurde sie aus der Heimat vertrieben, kam nach Grimma, wo sie ihren späteren Mann kennenlernte. Der stammte aus Aue, sodass das Paar 1952 dorthin zog. Einen Sohn und zwei Töchter haben die beiden großgezogen. "Von Beruf war sie Kindergärtnerin, wollte aber immer schon Lehrerin werden, weshalb sie das Staatsexamen machte. Ab 1973 war sie als Lehrerin tätig", erzählt Sohn Wolf-Dietrich. "Sie war eine Pädagogin durch und durch, liebte Kinder." Erstaunlich findet Wolf-Dietrich Schreier noch heute, dass die Mutter mit Plattdeutsch als Muttersprache aufgewachsen ist, später aber erzgebirgische Mundart beherrschte und diese vielen Kindern beibrachte. Sie schrieb Lieder fürs Erzgebirgsensemble, hat Gedichtbände und Geschichten herausgebracht. "Wir Kinder sind bei mehreren Geschichten als Protagonisten aufgetaucht", sagt Wolf-Dietrich Schreier und nennt als Beispiel "Wolfi und die Bratäpfel". Selbst für die Sandmännchen-Redaktion des DDR-Fernsehens hat Anneliese Schreier Texte geschrieben, sie war dort freie Mitarbeiterin.

In den letzten Jahren hatte die Eibenstockerin das Malen mit Acryl für sich entdeckt. Viele Bilder sind entstanden, die ihre Kinder zu einer Ausstellung zusammengestellt haben, die ab dem heutigen Tag im Kunsthaus zu sehen ist. "Sie war ein liebenswerter Mensch, immer freundlich zu allen, eine Kämpferin fürs Leben", sagt Wolf-Dietrich Schreier.

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