Trockenheit lässt wenig Futter wachsen

Die Getreideernte im Erzgebirge fällt angesichts der Hitzeperiode besser aus als vermutet. Probleme bringt das lange fehlende Nass von oben trotzdem - vor allem für Tierhalter.

Aue/Schwarzenberg.

Die Ernte-Ausfälle im Erzgebirge halten sich in überschaubarem Maß. Das sagt Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge. Die Getreideerträge liegen ihm zufolge bei 80 bis 100 Prozent im Vergleich zu anderen Jahren. "Natürlich haben die Bauern auch hier weniger geerntet, aber das ist nicht existenzbedrohend."

Bergelt sieht das große Problem derzeit in der Futtergewinnung. "Das Wachstum auf Dauergrünlandflächen ist zum Erliegen gekommen." Deshalb hält er die von einigen Landwirten bereits geäußerte Idee, eine Futtermittelbörse anzuregen, für gut. "So könnte denen geholfen werden, bei denen das Futter knapp wird." Bergelt geht aber davon aus, dass keiner in der Region daran denkt, sein Vieh zum Schlachter zu bringen, wie es anderswo schon geschehen ist. "Es lohnt sich unterm Strich auch nicht, weil der Rindfleischpreis schon runtergegangen ist." Bergelt gewinnt aber der Trockenheit auch etwas Gutes ab: "Das geerntete Getreide ist trocken und kann sofort in die Lagerung. Das spart Zeit und Geld." Im Moment werde jede Anstrengung unternommen, alles zu bergen, um die Tiere über den Winter bringen zu können.

Für den eigenen Bedarf reicht das, was auf dem Hof von Katja Martin im Schneeberger Ortsteil Lindenau lagert. Trotzdem fehlt der dritte Schnitt komplett. "Wir werden bestimmt nicht so viel Heu wie in anderen Jahren verkaufen können", sagt die Landwirtin. Im Stall stehen 35 Milchkühe, da bleiben sie im Moment auch. "Die haben gar keinen Bock drauf, auf die Weide zu gehen." Die Kühe fressen bei der Hitze weniger, geben deshalb auch weniger Milch, zwei Liter pro Kuh und Tag.

Sorgen macht sich Katja Martin um die Aussaat, die Raps, Weizen, Gerste und Roggen schon für das nächste Jahr sichern soll. Sonst steht sie Mitte August auf dem Plan. "Wir werden damit definitiv noch warten. Einerseits würde ich bei der Bodenbearbeitung das bisschen Wasser, was im Boden ist, auch noch in die Luft jagen. Andererseits besteht die Gefahr, dass die aufgegangene Saat bei Trockenheit gleich wieder verdorrt", erklärt die Landwirtin. Der Boden sei im Moment "wie Asche", musste sie beim jüngsten Dreschen feststellen. Sonst haftet der feuchte Boden am Schneidwerk. "Wir freuen uns über jeden Tropfen Regen, der fällt, aber es ist einfach zu wenig. Eine Woche schöner Landregen - dann wäre alles gut."

Bis Ende August hat die Landgut Schwarzenberg GmbH in den vergangenen Jahren Heu und Getreide eingefahren. "Diesmal sind wir etwa drei Wochen eher damit fertig", erklärt Geschäftsführer Rico Henkner. Das Unternehmen bewirtschaftet Flächen von Schwarzenberg bis Johanngeorgenstadt. "Auf 350 Hektar haben wir Heu gemacht. Da liegen wir bei etwa 60 Prozent des geplanten Ertrages." Getreide wurde auf 160 Hektar angebaut. Der Ertrag beim Raps sei etwa so wie im vorigen Jahr. "Beim Weizen sind die Körner schon etwas kleiner als in den Jahren zuvor. Da hat sich wohl die Witterung ausgewirkt."

Problematischer sieht es hingegen beim Futter aus. "Der zweite Schnitt steht größtenteils nicht mal zu 50 Prozent. Es wächst einfach nicht", so Henkner. Das betrifft auch die Weiden. Eine Folge davon ist, dass das Landgut in diesem Jahr wohl schon Ende September den Weidebetrieb einstellen wird, deutlich früher als in den Jahren zuvor. "Wir haben zurzeit etwa 150 Jungrinder in Schwarzenberg und 100 in Breitenbrunn auf der Weide stehen, großzügig eingekoppelt. 250 Tiere sind im Stall in Schwarzenberg, für sie bestimmt schöner als draußen bei den jetzigen Bedingungen." Die großen Strohballen unter einer Plane am Bockauer Weg hat das Landgut nicht zuletzt als Hilfsmöglichkeit für andere Betriebe gelagert, deren Vorräte aufgebraucht oder etwa durch Brand vernichtet sind.

In kleineren Dimensionen bewegt sich der private Landwirtschaftsbetrieb von Matthias Arnold in Bermsgrün und Umgebung. Sohn Christian, der beim Sachsenforst arbeitet und in der Freizeit seinen Vater unterstützt: "Auf fünf Hektar haben wir Getreide angebaut. Dinkel und Hafer sind schon gedroschen, Sommergerste und Weizen stehen noch." Das sei Aufgabe der nächsten Wochen, da steige er auch wieder auf den eigenen Mähdrescher. "Die Erträge bewegen sich im normalen Rahmen, weichen von den Durchschnittswerten nur leicht nach unten ab. Das ist aber nicht nur von der jetzigen Trockenheit abhängig. Wir hatten einen nassen Herbst mit den entsprechenden Nachwirkungen." Der zweite Futterschnitt ist auch für die Arnolds ein großes Problem. "Bis zu zehn Prozent haben auf den Spätmahdflächen schon beim ersten Schnitt gefehlt." Tierhalter müssten wohl bald mit Zufüttern anfangen. Arnolds haben derzeit 17 Rinder, inklusive Nachzucht, auf der Weide.

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