Trotz großer Investitionsprojekte will Zwönitz bald schuldenfrei sein

Der Bürgermeister hat ein Ziel: Bis 2022 soll die Stadt keine Einwohner mehr verlieren. Dafür pumpt die Kommune in den kommenden Jahren viel Geld in ihre Infrastruktur, will aber auch Schulden abbauen.

Zwönitz.

Die Rathaus-Spitze verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Bis Ende nächsten Jahres soll Zwönitz schuldenfrei sein - als eine von wenigen Kommunen im Erzgebirgskreis. So sieht es der erste Doppelhaushalt der Alten Bergstadt für die Jahre 2019 und 2020 vor, der vor Kurzem in Kraft getreten ist.

Und das Schuldenabbau-Konzept scheint realistisch. Zuletzt beliefen sich die Verbindlichkeiten nur noch auf 23.400 Euro, wie der Beigeordnete Andy Kehrer berichtet. Davon will die Stadt bis Jahresende weitere 16.000 Euro tilgen, den Rest im Laufe des Jahres 2020. "Dann wären wir schuldenfrei", sagt er. Nach außen sei das ein positives Signal, für den finanziellen Spielraum der Stadt zugleich aber weniger entscheidend. Kehrer dazu: "Wir haben schon jetzt keine große Zinslast mehr."

Im Haushalt der Stadt stehen für 2019 rund 20,4 Millionen Euro an Erträgen, die sich zum Beispiel aus Steuereinnahmen ergeben, gut 21,4 Millionen Euro an Aufwendungen entgegen, die etwa für Personalkosten und Instandsetzungen anfallen. 2020 sollen sich die Erträge auf voraussichtlich 20,6 Millionen Euro belaufen, die Aufwendungen auf 21,8 Millionen Euro. Für beide Jahre bedeutet das unterm Strich ein Minus. Grund dafür sind vor allem die sogenannten Abschreibungen, die nicht erwirtschaftet werden.

Bedeutet im Klartext: Eigentlich müsste die Stadt weiter sparen. Stattdessen sind im Haushalt aber Investitionen in Millionenhöhe vorgesehen. So sollen bis 2020 gut 820.000 Euro in die Sanierung des Technischen Museums Papiermühle fließen. Geplant ist, das Ausstellungskonzept komplett zu überarbeiten und das Gebäude in zwei Bauabschnitten zu sanieren. Besucher sollen das Haus später selbst mit dem Handy erkunden können. Zudem wird das alte Wasserrad ausgewechselt. Den historischen Speicher will die Stadt außerdem zu einem Gewerbe- und Innovationszentrum umbauen. Dafür sind bis 2020 mehr als vier Millionen Euro eingeplant, 2021 weitere 3,5 Millionen Euro.

Viel Geld soll auch in den Breitbandausbau fließen. Allein in den Jahren 2019 und 2020 stehen dafür insgesamt 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 3,1 Millionen Euro könnten in den nächsten Jahren in eine neue Sauna- und Fitness-Landschaft fließen, die neben dem Hallenbad an der Wiesenstraße entstehen soll. Ein Projekt, über dessen Umsetzung in der Stadt bereits seit längerem diskutiert wird.

Auf die großen Investitionsprojekte bei gleichzeitigen Sparzwang angesprochen, erklärt der Beigeordnete Kehrer: "Es stimmt, wir müssen weiter sparen." Die Frage sei aber, ob immer nur zu sparen für eine Stadt gut ist. So hat sich der Zwönitzer Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) bis zum Jahr 2022 ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Die Stadt soll keine Einwohner mehr verlieren. "Wir wollen eine liebens- und lebenswerte Stadt sein", erklärte er unlängst im Stadtrat. Dafür investiere man "ganz viel Geld in die Infrastruktur."

Um alle Bauprojekte stemmen zu können, muss die Stadt künftig womöglich einen neuen Kredit aufnehmen. Andy Kehrer versichert aber: "Wir sind Herr der Lage und bauen keine Luftschlösser." Dass alle geplanten Investitionen in den nächsten Jahren tatsächlich umgesetzt werden, sei zudem eher unwahrscheinlich. Denn bei Bauprojekten ist die Stadt abhängig davon, dass Land und Bund ausreichend Fördermittel bereitstellen. Zu einer möglichen Kreditaufnahme sagt der Beigeordnete deshalb: "Das wird so bestimmt nicht kommen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...