Überfall auf Hotel: Angeklagte schweigen

Ein Duo soll im vergangenen Jahr einen Nachtportier in Schwarzenberg überfallen und Geld geraubt haben. Nun ist dazu in Chemnitz der Prozess eröffnet worden.

Im Gerichtssaal 232 des Chemnitzer Landesgerichts ist es gestern eng geworden, obwohl für den ersten Verhandlungstag keinerlei Zeugen geladen waren. Ein halbes Dutzend JVA-Mitarbeiter sicherten die Verhandlung vor der sechsten Großen Strafkammer gegen die zwei Angeklagten ab, die Ende Oktober des zurückliegenden Jahres ein Hotel an der B101 in Schwarzenberg überfallen haben sollen.

Der Fall ähnelt einem Hollywoodstreifen: Mit Sturmhauben maskiert passen die mutmaßlichen Täter am 30. Oktober gegen 4.20 Uhr den Nachtportier des Hotels ab, als dieser gerade die Zeitung holen will. Sie halten ihm eine Waffe vor und fragen: "Wo ist dein Geld?" Aus der Kasse hinter dem Hoteltresen erbeuten die Maskierten an diesem Morgen rund 1600 Euro. Zusätzlich lassen sie Briefmarken und hauseigene Essensmarken im Wert von etwa 80Euro mitgehen. Es folgte eine Hochdruckfahndung, an der auch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes beteiligt waren - mit Erfolg. Während einer der mutmaßlichen Täter bereits am 10. Dezember des zurückliegenden Jahres festgenommen werden konnte, klickten beim zweiten Beschuldigten am 23. Januar die Handschellen.

Zu Beginn des gestrigen Verhandlungstages machten die beiden Angeklagten von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Lediglich einer der beiden Beschuldigten bestätigte die Angaben zu seiner Person. Demzufolge wäre der Raub im vergangenen Jahr der Tiefpunkt eines turbulenten Lebensabschnittes. Nach dem Auseinandergehen seiner langjährigen Beziehung folgten ständige Jobwechsel. Zeitweise betreute der gelernte Elektroinstallateur als Obermonteur bis zu 20 Arbeiter. Wegen anhaltender Schmerzen und um den Arbeitsdruck zu kompensieren, habe der Beschuldigte angefangen, Crystal zu konsumieren. Auf eine erfolgreich abgeschlossene Therapie folgte drei Monate später der Rückfall. Zuletzt lebte der Beschuldigte von Hartz IV. Die 60 Euro pro Woche für die Droge seien nicht mehr aufzubringen gewesen, sodass Schulden im vierstelligen Bereich aufliefen.

Der zweite Angeklagte hingegen machte keinerlei Angaben zu seiner Person. Auf eine Frage von Richter Kai-Uwe Sander ob er diese Angaben durch die Beamten ermitteln lassen soll, erklärte der Anwalt des Beschuldigten, dass diese nachgereicht würden. Um eine Absprache unter den beiden Angeklagten zu verhindern, sei sein Mandant in die JVA Dresden verlegt worden. Dort habe sich bisher keine Gelegenheit ergeben, die Angaben zu machen.

Ein weiterer Knackpunkt des ersten Verhandlungstages war außerdem die Zulässigkeit der Nebenklage. Bis heute leidet der Nachtportier unter den Folgen des Überfalls und befindet sich deshalb in psychiatrischer Behandlung. In der Verhandlung will er sich deshalb als Nebenkläger durch einen Anwalt vertreten lassen. Richter Sander merkte jedoch an, dass die entwendeten Vermögenswerte nicht aus dem Besitz des Portiers stammten. Dessen Anwalt entgegnete, dass der Portier in dieser Nacht die komplette technische Verfügungsgewalt besaß und somit als Schlüsselperson für die Täter zu sehen sei. "Jede Kassiererin könnte sonst nicht Opfer eines Raubes sein, wenn sie überfallen worden ist", argumentierte der Jurist.

Zum Ende des ersten Verhandlungstages hielt Richter Sander den Angeklagten mit Nachdruck vor: "Ein Geständnis vor der Zeugenbefragung wirkt sich strafmildernd für sie aus." Diese ist für den nächsten Verhandlungstag geplant.

Die Verhandlung wird am 3. August fortgesetzt.

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